· 

Hämo….was? Wenn zuviel Eisen den Körper vergiftet

Monika Romer¦

 

Wenn man nicht selbst oder Familienangehörige davon betroffen sind, kennt man diese Krankheit wohl kaum, obwohl die Hämochromatose oder Eisenspeicherkrankheit die häufigste Erbkrankheit der westlichen Welt ist. Die Ursache der Eisenspeicherkrankheit ist ein Defekt auf dem Chromosom Nr. 6. Bei einer Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) reichert sich zu viel Eisen im Körper an und führt zu vermehrter Eisenaufnahme im Darm, welcher mehr Eisen aufnimmt und in den Körper abgibt, als benötigt wird. Als Folge kann es zu einer Eisenüberladung, vor allem in der Leber und den Gelenken, aber auch im Herzmuskel und anderen Organen kommen. Dies kann zu chronischen Beschwerden bis zum Versagen der Organe führen. Die frühen Symptome sind sehr uncharakteristisch. Meist machen sich hohe Eisenwerte zuerst in der Leber und Gelenken bemerkbar. Anzeichen sind die Vergrösserung des Organs und angestiegene Leberwerte. Die Diagnose erfolgt mittels Blutbild. Obwohl Hämochromatose angeboren ist, macht sie lange Zeit keine Beschwerden. Symptome zeigen sich oft erst zwischen dem 4. bis 6. Lebensjahrzehnt, durch Organschädigungen infolge der Eisenüberladung des Organismus. Bei Frauen tritt die klinische Manifestation aufgrund des physiologischen Eisenverlustes durch die Menstruation normalerweise später ein und verursacht weniger Beschwerden als bei Männern. Die Beschwerden sind zu Beginn der Erkrankung häufig unspezifisch, darum vergehen in der Regel viele Jahre, bis die Diagnose gestellt wird. Viele Betroffene werden leider von ihrem Arzt als psychosomatisch krank abgestempelt und für weitere Abklärungen zum Psychiater geschickt. Wird die Hämochromatose früh erkannt, das heisst vor der Schädigung von Organen, kann das Auftreten von Symptomen vollständig verhindert werden und die Lebenserwartung ist normal. Standardtherapie ist der Aderlass, welcher bereits schon im Mittelalter eine der gängigsten durchgeführten Behandlungen gegen jegliche Leiden war, wie auch

Ernährungstherapien, die die weitere Aufnahme von Eisen über die Nahrung drastisch einschränken, sowie eine regelmässige Entgiftung des Körpers. In seltenen Fällen ergänzt man diese Therapien auch durch spezielle Medikamente, die die Eisenaufnahme im Darm hemmen. Da diese Medikamente aber oft auch schwere Nebenwirkungen haben können, sollten sie zurückhaltend eingesetzt werden. Verwandte ersten Grades einer betroffenen Person sollten sich, sobald sie erwachsen sind, auf die entsprechenden genetischen Veränderungen testen lassen.