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Medikamente sollen laut Studie HIV-Übertragung stoppen

Patricia Jungo¦

 

Bisher ist HIV noch nicht heilbar. Doch die Resultate einer neuen Studie bringen Hoffnung: Das Virus lässt sich im Körper so stark zurückdrängen, dass es kaum mehr nachweisbar ist. Mit einer solchen Therapie ist es möglich, Ansteckungen zuverlässig zu verhindern. Dabei ist es laut Experten besonders wichtig, sich früh testen zu lassen. Die gross angelegte Studie mit homosexuellen Paaren zeigt, dass es dank der Einnahme bestimmter HIV-Medikamente möglich ist, die Übertragung des Virus auf Sexualpartner zu verhindern. Gemäss Bericht von Wissenschaftlern um Alison Rodger vom University College London im Fachmagazin «The Lancet» begleitete man für die Studie etwa 780 schwule Paare aus 14 europäischen Ländern im Durchschnitt zwei Jahre lang. Ein Partner war mit HIV-infiziert. Obwohl die Paare ungeschützten Geschlechtsverkehrs hatten, kam es im gesamten Zeitraum zu keiner Ansteckung des nicht infizierten Partners bei seinem Lebensgefährten. Die Behandlung der HIV-infizierten Partner sei mit antiretroviralen Medikamenten erfolgt, welche das Virus auf ein sehr tiefes Niveau im Körper bringen. Durch das Ergebnis der Studie würde die Annahme vieler Experten belegt, dass «nicht nachweisbar auch nicht übertragbar» bedeute; so das Fachjournal. Auch von anderen Studien mit heterosexuellen oder homosexuellen Paaren hatte es zuvor schon vergleichbare Daten gegeben. Das Uno-Programm Unaids nannte die neuen Ergebnisse «grossartige Neuigkeiten» und Unaids-Chef Michel Sidibé sagte, dass die mit HIV lebenden Menschen nun die Bestätigung hätten, dass sie bei regelmässiger Medikamenteneinnahme und einer geringen Viruslast nicht infektiös seien und dies viel zur Stärkung von Selbstachtung und Selbstvertrauen beitragen würde. Auch Alison Rodger ist davon überzeugt, dass diese Botschaft helfen könne, die HIV-Pandemie zu beenden. HIV-Übertragung werde verhindert und auch die Diskriminierung vieler Menschen mit HIV werde so bekämpft. Wenn der mit HIV infizierte Geschlechtspartner konsequent die entsprechenden Medikamente nehme und in der Folge die Viruslast minim sei, könne man sagen, dass das Risiko einer Ansteckung für Homosexuelle gleich Null sei. Laut Uniaids geht ein grosser Teil aller HIV-Übertragungen jedoch auf die Phase zurück, in der sich Menschen gerade selbst angesteckt haben, aber noch nichts von ihrer Infektion wissen. Dies bedeutet, dass ihre Viruslast durch Fehlen entsprechender Therapie hoch sei und damit auch das Risiko den Erreger weiterzugeben, vergleichsweise gross sei. Es sei deshalb sehr wichtig, dass die Menschen sich möglichst frühzeitig testen lassen und allenfalls mit einer Therapie beginnen. Weltweit sollten alle HIV-positiven Menschen Zugang zu Test und effektiver Behandlung haben. Dies betonen Uno-Programm und die Autoren der Studie. „HIV“ ist die Abkürzung für Humanes Immundefizienz-Virus. Die Übertragung erfolgt meist beim Sex. Ohne Behandlung wird das zunehmende körpereigene Abwehrsystem zunehmend geschädigt, was zum Tod führen kann. Die Entwicklung der Immunschwächekrankheit Aids lässt sich heute aber mit Medikamenten aufhalten. Nach Angaben der Aids-Hilfe lebten in der Schweiz etwa 20'000 Menschen mit HIV. 2017 war die Zahl der Neuinfektionen bei 445, was einem historischen Tiefstand und 16 Prozent weniger als im Jahr davor gleichkam.