Soll jede Person automatisch Organspender sein?

Marco Perroulaz ¦

 

Ohne expliziten Widerruf soll jede Person zum Ersatzteilträger, pardon, Organspender werden. So will es die Volksinitiative »Organspende fördern - Leben retten«, die vergangenen Monat mit 113’000 beglaubigten Unterschriften bei der Bundeskanzlei in Bern eingereicht wurde.

 

Nach Meinung der JCI Jeune Chambre Internationale soll damit eine Verfassungsänderung erzwungen werden, die auf dem Grundsatz einer »vermuteten Zustimmung« beruht. Ob dieser Grundsatz auch im Hinblick auf das Bankkonto, das Auto oder das Haus angepeilt wird, ist nicht bekannt. Aber im Ernst: Wer sich jemals wirklich mit dem Thema auseinander gesetzt hat, wird einer Organentnahme nicht zustimmen, resp. notfalls einen solchen rechtsgültigen Widerruf errichten. Die Erfahrung in anderen Ländern zeigt denn auch, dass eine Widerspruchsregelung die Spenderzahl nicht beeinflussen kann. Zwar ist der Gedanke nachvollziehbar, es geht immer um menschliche Tragödien. Und es gibt in der Schweiz nach wie vor mehr Anfragen als gespendete Organe. Zwanzig Mal mehr. Das ist ebenso Fakt. Auch wird die Gerüchteküche seit Jahren nicht leiser. Dort hört man, dass es beim »Organhandel« auch hierzulande immer um viel Geld geht, das sich nur in eine Richtung bewege. Sicher ist zudem, dass Organe von Verstorbenen nicht mehr verwendet werden können. Diese werden daher stets noch lebenden Menschen entnommen. Und damit könnte ich als Empfänger nicht leben.