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Jolanda Spiess-Hegglin gewinnt: Endlich, der Qualitätsjournalismus wird künftig profitieren – und so etwas wie Gerechtigkeit ist endlich Realität

Foto: Gian Marco Castelberg
Foto: Gian Marco Castelberg

DMZ - David Aebischer ¦

 

Die Berichterstattung des «Blick» ist also, auch rechtlich, ein Eingriff in die Intimsphäre von Jolanda Spiess-Hegglin. Etwas, was jeder vernunftbezogene Mensch bereits seit Anbeginn dieser katastrophalen Geschichte wusste. Dies stellt nun das Zuger Kantonsgericht im heute veröffentlichten Urteil fest.

«Krasser Eingriff in die Intimsphäre», heisst es im Urteil. Der Blick verliert vor Gericht gegen die ehemalige Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin und muss sich erstmals für das Fehlverhalten und die verwerfliche Art des „Journalismus“ verantworten. Zumindest teilweise.

 

Die Persönlichkeit von Frau Spiess-Hegglin sei durch die Berichterstattung schwer verletzt worden.

 

Es ist sicherlich auch für Frau Spiess-Hegglin und andere Medien-Opfer der Vergangenheit eine Genugtuung in der Schweizer Presse zu lesen, dass der Zürcher Ringier-Verlag gegen die ehemalige Zuger Kantonsrätin der Grünen, vor dem Zuger Kantonsgericht eine herbe Niederlage erlitten hat. Und zwar hat das Gericht konkret wegen einer schweren Persönlichkeitsverletzung verurteilt. Ringier muss Frau Spiess-Hegglin eine Genugtuung in der Höhe von 20 000 Franken bezahlen. Auf die Summe, die bei weitem nicht angemessen ist, das 10fache davon wäre eher im vernünftigen Bereich, kommt es letztlich nicht an. Sondern viel eher, dass einem Medien-Opfer Recht gegeben wurde und ein übermächtiger Gegner, der falsch gespielt hat, zur Rechenschaft gezogen wurde.

 

Eine Zeitung, die mit ihrer „üblichen“ und „negativen“ Berichterstattung leider bereits bis runter in kleinste Provinzblätter ihre Blüten getragen hat.

 

Denn auch dort grassiert etwas wie „Boulevard-Journalismus“. Da werden Menschen regelmässig auf die Schlachtbank geführt, grundlos und ohne Beweise, meist mit Lügen und Mutmassungen – nur der Schlagzeilen und somit der Umsätze willen. Immer im vermeintlichen Schutze der Pressefreiheit. Pressefreiheit, die allerdings niemals bedeutet hat, Menschen hinzurichten. Denn solche Kampagnen sind nichts anderes als öffentliche Hinrichtungen. Umsätze, die zum Glück nach solchen Urteilen (hoffentlich) auch massiv in den Keller gehen. Nun müssen noch all die kommentierenden Hater endlich massiv bestraft werden, damit auch hier endlich wieder Vernunft (auch Medial und Online) einkehrt.

Darüber hinaus hat das Gericht Ringier verpflichtet, die Gerichtskosten in der Höhe von 6000 Franken zu bezahlen. Zudem muss Ringier Jolanda Spiess-Hegglin auch eine Parteienentschädigung in der Höhe von gut 20 000 Franken überweisen. Natürlich Peanuts für das riesige Verlagshaus, trotzdem.

Jolanda Spiess-Hegglin hatte als eines der ersten Medien-Opfer überhaupt gegen den «Blick» und damit Ringier geklagt, dies mit Erfolg, zum Glück! Nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn hier kein Riegel geschoben worden wäre.

 

Es ist zu hoffen, dass sich Dank dem Engagement, dem Mut und dem übermenschlich anmutenden Durchhaltewillen von Frau Spiess-Hegglin trotz allen Anfeindungen weiter zu machen, nun in der Medienwelt grundlegend etwas ändert: Z.B., dass es sich bei den verurteilten und verunglimpften, verleugneten und letztlich vernichteten „Objekten“ um Menschen handelt. Empathie gehört auch in die Medienwelt. All die Schreiberinnen und Schreiber sollten sich nicht nur schämen, sondern ernsthaft dankbar sein, dass sie für ihr Verbrechen nicht persönlich den Kopf hinhalten müssen.

Das Zuger Kantonsgericht kommt in seinem Urteil zum Schluss, dass die identifizierende Berichterstattung über Jolanda Spiess-Hegglin «als ein – zum Zeitpunkt der Publikation – mutmassliches Opfer eines Sexualdelikts» sei «eine schwere, nicht gerechtfertigte Verletzung der Persönlichkeit» und ein «krasser Eingriff in die Intimsphäre» gewesen sei. Die Namensnennung im Boulevardblatt sei zudem ursächlich für nachfolgende mediale Kampagnen und Beschimpfungen gegenüber Frau Spiess-Hegglin und schweren psychischen Belastungen bei ihr sowie bei ihrem Ehemann gewesen. Absolut untragbares und unprofessionelles Verhalten dieser Schreiberlinge. Würde ihnen so etwas widerfahren, wären sie die ersten, die daran zerbrechen würden.

 

Ein riesiges Dankeschön an Frau Jolanda Spiess-Hegglin und ihre Familie, ihr Umfeld, ihre Unterstützerinnen und Unterstützer und an das hervorragend agierende Gericht, welches in diesem Fall nicht zuliess, dass Goliath das Recht verbiegt und David zum Sieger erklärt hat.