· 

Baruch de Spinoza konnte einem nur leid tun

DMZ - KULTUR ¦ Matthias Walter ¦

#mittellaendische ¦

 

Dieser Spinoza konnte einem echt nur leid tun. Er hatte wirklich ein sehr, sehr hartes Leben! Ich denke, wir alle sollten wissen, wie gut es uns doch geht :D

1632 wurde Baruch de Spinoza in Amsterdam geboren. Seine Familie war aus Portugal eingewandert (die Juden wurden von der katholischen Kirche und dem spanischen Staat verfolgt).

Spinoza war schon als Kind hochbegabt. Sein Vater wollte, dass der Sohn Rabbiner wird.

Der junge Philosoph verschrieb sich schon früh - ein echter Philosoph eben - der Wahrheit. Er wagte es, das Alte Testament öffentlich zu kritisieren (es sei unstimmig und voller Widersprüche).

Bereits mit 24 Jahren wurde er der Ketzerei angeklagt, aus der Synagoge von der jüdischen Gemeinde ausgestoßen, verflucht, verdammt und es wurde ein großer Bannfluch ausgesprochen.

Sein erstes Werk - der Theologisch-Politische Traktat, unter einem Pseudonym verfasst - landete auf dem Index der katholischen Kirche, auch staatliche Behörden und Universitätskanzleien verboten seine Schriften. Die Inhalte galten als gotteslästerlich und verderblich für die Seele.

Er wurde von namhaften Persönlichkeiten gemobbt und beleidigt: Man nannte ihn "lichtscheuen Schreiber", "lästernder Erzjude", "völliger Atheist", "scheußliches Ungeheuer", "dummer Teufel", "elender Wicht", "ausländisches Tier", um nur einige Schmähungen zu nennen.

Es blieb jedoch nicht bei verbalen Attacken: Spinoza wurde von Spitzeln ausgehorcht, es gab Bestechungsversuche und sogar einen Mordanschlag. Als der Druck zu groß wurde und er in Ruhe sein Leben fortsetzen wollte, verzichtete er auf öffentliche Vorlesungen.

Spinoza ist aber nicht wirklich ein Atheist. Für ihn ist alles, was ist, Gott. Er sei die Ursache aller Dinge. An einen persönlichen Gott glaubt Spinoza nicht. Das Universum, seine Gesetze, alles, was da ist, das sei Gott. Das entspricht dem pantheistischen Weltbild.

Obwohl er nicht an Gott glaubt, hält er Jesus Christus für den edelsten Menschen aller Zeiten. Das ist deshalb kein Widerspruch, da Spinoza Jesus nicht für Gottes Sohn hält.

Er glaubt auch nicht an den freien Willen (der Mensch sei vergleichbar mit einem Stein, der durch die Gegend geschleudert wird - und dabei bildet er sich ein, er sei frei).

Allgemeingültige Begriffe von gut und böse gibt es laut Spinoza auch nicht - es sei eine Frage der Perspektive.

Besonders beachtlich war der Lebensstil des jungen Philosophen. Er lebte stets zurückgezogen, einsam und verborgen in seinem Studierzimmer - er war ein wahrer Einsiedler. Er führte ein Leben ohne große Bedürfnisse - lediglich eine Pfeife Tabak gönnte er sich ab und an. Ansonsten war er sehr genügsam.

Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich mit dem Schleifen von optischen Gläsern (das hatte er in seiner Jugend erlernt), was seiner Gesundheit sehr schadete (er litt später unter einer Lungentuberkulose - vermutlich ausgelöst durch das Einatmen des Glasstaubes).

Spinoza stirbt einsam und krank im Alter von nur 44 Jahren.