· 

Er verachtete die Menschen aufs Äusserste

DMZ - KULTUR ¦ Matthias Walter ¦

#mittellaendische ¦

 

Zweifelsfrei der grösste Pessimist unter den Philosophen/Essayisten, den ich jemals "kennengelernt" habe. Er stand stark unter dem Einfluss von Nietzsche, Schopenhauer und dem Buddhismus.

 

Seine Geburt betrachtete er als Verhängnis (überhaupt auf die Welt zu kommen, sei eine Katastrophe - "vom Nachteil, geboren zu sein"). Er verachtete die Menschen aufs Äusserste (der Mensch sollte verschwinden, er sei "der Krebs der Erde") - war aber im späterem Verlauf seines Lebens mitunter durchaus kommunikativ und humorvoll.

Ab seinem 17. Lebensjahr litt er zudem unter chronischer Schlaflosigkeit, was sein düsteres Weltbild - das liegt nahe - nicht abschwächte. Er war ein Nihilist, ein radikaler Skeptiker, der alles in Frage stellte und zerredete.

Cioran war zunächst Anhänger der "Eisernen Garde" und bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ein Bewunderer des Hitlerismus. Später entschuldigte er sich dafür.

Die Tatenlosigkeit, die er noch als am "sinnvollsten" betrachtete und grundlegend "forderte", erfüllte er selbst am besten: "Meistens tue ich überhaupt nichts. Ich bin der untätigste Mensch in Paris. Nur eine Hure ohne Kunden ist untätiger als ich.".

 

Er lebte meist einsam in einer kleinen Dachgeschosswohnung und fand im Schreiben, das er laut eigener Aussage auch hasste, eine Art Ausweg aus dem Leiden und der Sinnlosigkeit in der Welt - es sieht so aus, dass seinem tiefen Leiden eine Denkfähigkeit entsprang, die eben diese - für den "Normalo" - unheimlichen und bedrückenden Gedanken produzierte.

Er wurde sogar rund 50 Jahre vom rumänischem Geheimdienst in Paris, wohin er später auswanderte, bespitzelt.

 

Selbst den Ruhm mochte er nicht, da er den Pöbel stets verachtet hat.

Man bewunderte ihn für seine rhetorische Brillanz und seine glasklare Sprache, sein erstes Buch schrieb er mit 22 Jahren (über die Schlaflosigkeit).

Sein bedeutendstes Werk war wohl "Die Lehre vom Zerfall".

 

Hartes Zeug! Was denkt ihr über Emile Cioran und seine Ansichten? Kann man die Welt verbessern - trotz des Zerfallsprozesses? Kann man in der Welt einen Sinn finden? Kann man Ciorans Ansicht jemals als "objektiv wahr" annehmen? Oder war seine Ansicht auch nur perspektivisch (man bedenke seine Beeinträchtigungen und auch grundsätzlich das Umfeld, das Cioran formte)?