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Architekt Chipperfield präsentiert seine James-Simon-Galerie

Foto: Reto Klar / Reto Klar / Funke Foto Services
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DMZ - KULTUR ¦

Felix Müller ¦

#mittellaendische ¦

 

David Chipperfield führt durch die von ihm entworfene James-Simon-Galerie, die am 12. Juli von der Bundeskanzlerin eröffnet werden soll.

 

 

 

Die Philosophie des Baus überzeugt auf ähnliche Weise wie die ebenfalls von Chipperfield verantwortete Rekonstruktion des angrenzenden Neuen Museums.

Nein, es ist nicht das erste Mal, dass Journalisten in das zentrale Empfangsgebäude der Museumsinsel gelassen werden. Erst vor wenigen Wochen etwa hielt im Eingangsbereich der über eine Tonne schwere, steinerne Löwe August Gauls Einzug, der früher einmal das Entrée des Mosse-Palais, der Stadtresidenz des Verlegers und Zeitungskönigs Rudolf Mosse (1843-1920), bewachte.

Aber bei der heutigen Führung ist der planende Architekt David Chipperfield dabei. Am Sonntagabend sei er aus Spanien gekommen, erzählt er im kühlen Sichtbetonambiente des Raums oberhalb der grossen Freitreppe, und eigentlich habe man ihn gleich ins Hotel fahren wollen. Er habe aber darauf bestanden, schnell noch einen Blick in der Dunkelheit auf das Gebäude zu werfen.

Denn es ist natürlich die Frage, wie gut sich das 134 Millionen Euro teure Gebäude, das Ende kommender Woche von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet werden soll, in das Ensemble der musealen Bauten in Berlins historischer Mitte fügt. Und ohne die Belastungsprobe durch den Besucherverkehr vorwegnehmen zu wollen, muss man festhalten, dass die Philosophie des Baus auf ähnliche Weise überzeugt, wie es Chipperfield auch 2009 mit der Rekonstruktion des angrenzenden Neuen Museums gelang.

Mit der auf einem gewaltigen Sockel ruhenden Hochkolonnade wird die Stülersche Kolonnade, die am Neuen Museum endet, auf diskrete Weise zitiert. Der langgestreckte, helle und wuchtige Sockel rechts vom Pergamon-Museum wird von zwei grossen Fenstern unterbrochen – eine Entscheidung, mit der der ästhetische Purist Chipperfield offenbar erst seinen Frieden schliessen musste.

Geht man vom jedoch vom Eingangsbereich die Treppe nach unten, versteht man den unmittelbaren Nutzen der Fenster. Sie öffnen, etwa im mit französischer Walnuss dunkel vertäfelten Buchgeschäft des Museums, entscheidende Sichtachsen in den städtischen Raum und geben der Galerie auch im diesem Bereich Transparenz. Fensterlos ist das unter der Freitreppe gelegene Auditorium geblieben und, notwendigerweise, der 650 Quadratmeter große Sonderausstellungsraum. Die Galerie bietet einen zusätzlichen Zugang zum Pergamon-Museum – dessen Sanierung im Jahr 2025 fertiggestellt sein soll – und zum Neuen Museum, die aber beide eigene Eingänge behalten.

 

Schon zu besichtigen ist ab dem 13. Juli ein Teilstück der Archäologischen Promenade, die künftig, wohl auch erst ab 2025, vom Alten Museum über das Neue Museum bis zum Bode-Museum führen soll. Erste Exponate erinnern an die Geschichte musealer Präsentation im Schloss und auf der Museumsinsel – und an den erheblichen Beitrag jüdischer Mäzene wie James Simon (1851-1932) zu den Kunstschätzen der Stadt. Simon ist auch ein Dankeswort im oberen Eingangsbereich der Galerie gewidmet.