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Man muss es beim Namen nennen: Wiener Ballett-Skandal

DMZ - KULTUR ¦

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Es hat verdammt lange gedauert, bis die skandalösen Zustände in der Ballettakademie der Wiener Staatsoper ans Tageslicht kamen. Denn bereits am 6. Dezember informierte die Kinder- und Jugendanwaltschaft die Direktion über anonym eingebrachte Vorwürfe – und seit damals wird versucht, mannigfaltige Kinderrechtsverletzungen aufzuklären.

 

Mit keinem einzigen Wort ging Staatsoperndirektor Dominique Meyer in seiner Jahrespressekonferenz am 3. April auf die Vorkommnisse ein. Dabei hätte es viel zu berichten gegeben. Etwa, dass bereits im Dezember eine Ballettlehrerin – sie unterrichtete die Mädchen der 8. Klasse – dienstfreigestellt wurde.

Im April erschütterte ein schwerer Skandal eine der renommiertesten Ballettakademien der Welt - der Wiener Staatsoper - ausgerechnet im 150. Juniläumsjahr des berühmten Hauses.

Unter Berufung auf eine Lehrerin hatte das Wiener Wochenmagazin "Falter" über Demütigungen, Gewalt und Drill bis hin zu einem sexuellen Übergriff berichtet. Schülerinnen seien wegen ihres Gewichts gemobbt und in Esstörungen getrieben worden.

Die Staatsanwaltschaft Wien leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Angesichts der Vorwürfe wurde ausserdem eine Sonderkommission eingesetzt, die nun einen ersten Zwischenbericht vorgelegt hat. Darin ist unter anderem vom Fehlen klarer Strukturen sowie Organisations- und Verfahrensmängeln die Rede.

Susanne Reindl-Krauskopf, Vorsitzende Sonderkommission: "Die Staatsoper hat uns versichert, dass neue Curricula erstellt werden, das Kinderschutzkonzepte erarbeitet werden, dass es auch Massnahmen gibt, um die Strukturverantworlichkeiten des Prozessmanagements zu verbessern, das Qualitätsmanagament zu evaluieren, alle diese Punkte würden wir uns anschauen."

Zweiter Bericht im September

 

An der Akademie werden zur Zeit knapp 140 Schüler unterrichtet, die zugleich aufs Gymnasium gehen. Die Compagnie der Wiener Staatsoper besteht aktuell zu rund 40 Prozent aus Schülern der Akademie. Bekannt ist das Ballett nicht zuletzt durch seinen Auftritt auf dem Wiener Opernball.

 

 

Quellen: Kurier ¦ Falter ¦ Euronews