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Persönlich – Die anderen Fragen: Heute mit Steve Gasser Schlagzeuger (Kilmister / ex-Celtic Frost)

Foto:  Markus Zürcher
Foto: Markus Zürcher

DMZ - PERSÖNLICH - DIE ANDEREN FRAGEN

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www.mittellaendische.ch ¦

 

Herzlichen Dank für das Mitwirken für die Rubrik „Persönlich – Die anderen Fragen“ der Mittelländischen.

 

Vorname / Name: Steve Gasser

Beruf / Funktion: Schlagzeuger (Kilmister / ex-Celtic Frost)

Bezeichnung für die künstlerische Arbeit: Schlagzeuger und Veranstalter

 

 

Interview:

Wie geht es dir, ehrlich und unverblümt?

Könnte natürlich immer besser gehen, aber ich bin gesund, lebe in einer unglaublich schönen und bereichernden Partnerschaft, habe zwei aufgeweckte Kids und lebe auf dem Land, also nichts zu klagen!!

 

Welche Frage sollte dir schon längst einmal gestellt werden und wieso?

Wieso tust du dir das an (Live zu spielen)?

Weil ich gerne hinterfrage. Für mich gibt es z.B. fast nichts Schöneres, als mit Gleichgesinnten zusammen etwas zu produzieren und das Ergebnis zaubert ein lachen auf die Gesichter der Konzertbesucher. Und ehrlich gesagt, ist es einfach geil auf der Bühne zu stehen!

 

Wie bist du zu der künstlerischen Tätigkeit gekommen?

Blöckflötenunterricht -> Klavierunterricht -> Schlagzeugspielen.

Als ich anfing ernsthaft Schlagzeug zu spielen, das war irgendwann anfangs der 80er des letzten Jahrhunderts, musste man entweder zu den Tambouren oder in eine Jazzschule. Ging beides aber sowas von nicht, da ich gerade erst John Bonham, den legendären Drummer von Led Zeppelin, entdeckt hatte und ich wollte genauso wie er spielen. Also die Songs von der Schallplatte auf Kassette kopiert und dann mit meinem ersten Walkman dazu gespielt, bis die Hände bluteten und es einigermassen nach Led Zeppelin tönte. Das organisieren von Events und das Booking sind dann von selbst dazu gekommen.

 

Was ist das Schwierigste an der Ausübung?

Das auf- und abbauen meines Drumkits…

 

Stimmt es, dass es in der Schweiz sehr schwer ist von einer künstlerischen Tätigkeit zu leben?

Ja! Es gibt einige wenige, die davon Leben können und vor jenen die es aus eigener Kraft geschafft haben und auch noch ein Genre beeinflusst haben, habe ich den grössten Respekt! Yello, Andreas Vollenweider, Young Gods, Celtic Frost…

 

Was gefällt dir am besten in der Schweiz, was hasst du?

Das nachhause kommen gefällt mir am besten an der Schweiz.

Hass ist ein Wort, das ich nicht gerne brauche, da es etwas Negatives und Extremes impliziert. Sagen wir lieber «geht mir persönlich gehörig auf den Keks» und davon gibt es eine ganze Menge. Ohne gross nachzudenken:

Die Heuchlerei der Politiker gewisser rechter Parteien, wobei eigentlich alle Politiker, egal welcher Partei, Heuchler und Machtmenschen sind, die sich nur selbst profilieren wollen.

Die Heuchlerei und Empathielosigkeit der Banken und Grosskonzerne.

Engstirnige Menschen, die blind und nicht informiert nur an den Lippen gewisser Aufwiegler hängen und nicht in zusammenhängen denken können/wollen.

 

Was würdest du als König/in der Schweiz als erstes ändern?

Sofort verbieten, dass es einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin gibt und dann abdanken. Machtmenschen sind mir suspekt. Macht korrumpiert! Die Auschwitz-Überlebende Edith Eva Egger meinte einmal in einem Interview: «…es gibt einen Hitler in uns allen…» und auf dieses Experiment verzichte ich gerne!

 

Welche Person in der Schweiz nervt dich und wieso?

Eigentlich keine Einzelperson, aber es gibt gewisse Politiker der «Sünneli Partei», die ignorant und menschenverachtend politisieren und die Nerven ungemein!

 

Welches bisherige Geheimnis kannst du uns von dir verraten?

Ich liebe die Band Journey!

 

Wie engagierst du dich im sozialen Bereich?

Jedes Jahr organisiere ich mit meiner Motörhead-Tribute Band «Kilmister» den Lemmy Bash, bei dem Kilmister mit einer Handverlesenen Auswahl von Schweizer Musikern die Songs von Motörhead in irgendeiner Form zelebrieren. Alle spielen ohne Gage und der Gewinn des Abends geht vollumfänglich an «medecins sans frontieres». So konnten wir bei den bisherigen vier Lemmy Bashes bis jetzt über CHF 3'500.00 spenden.

Ausserdem arbeite ich noch bei der «Souls of Rock-Foundation» ehrenamtlich mit. Die «Souls of Rock-Foundation» verteilt Fördergelder an Rock-Bands, um deren Touren, Videos oder Veröffentlichungen zu unterstützen.

 

Wie nennen dich deine Freunde und wie deine Familie?

Steve… ausser meiner Mom, wenn ich als Kind irgendeinen «Seich» gemacht habe, dann rief sie mich «Chriegel» .

 

Welche Künstlerin, welchen Künstler findest du in der Schweiz am interessantesten und wieso?

Den Maler Arnold Jenni (1831 – 1881). Fast niemand kennt ihn. Ich habe von meinem Grossvater ein Bild von ihm geerbt (Föhnsturm auf dem Vierwaldstätter See), einen «riesen Helgen» wie er immer sagte, und dieses Bild begleitet mich schon mein ganzes Leben. Es ist die Kraft und die Urgewalt, die mich so faszinieren an diesem Bild. Im Moment habe ich leider keinen Platz, um das Bild aufzuhängen.

Bei den lebenden Künstlern ist es vor allem einer meiner alten Band Kollegen bei Celtic Frost, Tom Gabriel Fischer. Er geht immer konsequent seinen eigenen Weg und macht keine Kompromisse. Genau das erwarte ich von einem Künstler.

Auch Reto Burrell finde ich einen Künstler, dem viel mehr Beachtung geschenkt werden sollte, Der Mann ist eine Urgewalt, ein sensibler Singer- Songwriter und live extrem präsent. Das ist eine Seltenheit unter Schweizer Künstlern.

 

Warst du schon einmal finanziell vom Staat abhängig?

Yep, nach einem abrupten Abbruch einer Tournee durch England, musste ich Arbeitslosengeld beanspruchen…

Unabhängig davon, habe ich bis jetzt alle meine Projekte selbst gestemmt und mir ist es auch noch nie in den Sinn gekommen für meine Projekte, um Geld zu betteln.

 

Dein Lieblingsort in der Schweiz?

«Home is where the heart is» also überall da, wo ich mit meiner wunderbaren Partnerin sein kann… und natürlich alle Bühnen dieser und jeder anderen Welt!!!

 

Was ist aktuell deine grösste Sorge?

Hahaha, wie finanziere ich mein Solo-Album!?!?

 

Welche Person repräsentiert die Schweiz aus deiner Sicht am besten?

Thomas Zurbuchen! Er ist NASA Forschungschef und verantwortlich für die Missionen der US-Weltraumagentur. Das perfekte Beispiel dafür, dass man es auch aus der Schweiz heraus in wichtige Positionen aufsteigen und etwas bewegen kann.

 

Welches ist dein aktuelles Projekt und worum geht es?

Die Mission Lemmy Bash V. Die Jubiläumsausgabe des Motörhead/Lemmy Kilmister Tribute-Konzertes wird grösser und musikalisch vielfältiger als alle bisherigen.

 

Deine Mitteilung an unsere Leserinnen und Leser?

Geniesst das Leben, es ist zu kurz und zu wertvoll, um sich mit engstirnigen und intoleranten Menschen zu umgeben. Rock n’Roll all nite and party every day!!

 

Wovor sollten sich Künstlerinnen und Künstler unbedingt stark machen?

Schweizer Künstlerinnen und Künstler müssen unbedingt politischer werden und ihre Meinung öffentlich sagen. Ich finde es z.B. gut, dass Gölä seine politische Meinung kundtut, auch wenn ich überhaupt nicht seiner Meinung bin.

 

Deine persönliche Frage an dich und Antwort dazu?

Im Zusammenhang mit der Frage 15: Braucht es wirklich ein Solo-Album von Steve Gasser?

Antwort: Definitiv nicht!!

Persönlich – Die anderen Fragen - die interessante Rubrik der Mittelländischen.