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Möbel Pfister - Wieder ein Schweizer Traditionsunternehmen ins Ausland verschachert

Auch Möbel Tradition ist jetzt in der Schweiz Geschichte (Bildquelle: pfister.ch)
Auch Möbel Tradition ist jetzt in der Schweiz Geschichte (Bildquelle: pfister.ch)

DMZ - WIRTSCHAFT ¦ Marco Perroulaz ¦

KOMMENTAR

 

Mehr oder weniger klammheimlich wurde das Schweizer Traditionsunternehmen Möbel Pfister samt allen zur Gruppe gehörenden Unternehmen zu 100% ins Ausland, genauer nach Österreich, nämlich an XXXLutz verschachert.

 

Offiziell heisst es, Möbel Pfister schreibe nur schwarze Zahlen. Mit sämtlichen Geschäftsformaten. Der Grund für die plötzliche Veräusserung, Fachleute wundern sich darüber sehr, liege darin »auch in Zukunft wettbewerbsfähig und erfolgreich« bleiben zu wollen. Im ›zunehmend globalisierten und kompetitiven Marktumfeld‹ sei es schwierig das Unternehmen weiter zu entwickeln, heisst es. Schwierig. Das genügt hochbezahlten Managern heute um die Flinte ins Korn zu werfen und eine der letzten verbliebenen authentischen und im Markt fest verankerten Schweizer Marken, ein Traditionsunternehmen mit ehrbaren Werten und dessen Wurzeln weit ins vorletzte Jahrhundert hinein reichen, den sprichwörtlichen Löwen zum Frass vorzuwerfen? Echt jetzt! Das ist der Schultheorie ihr letzter verzweifelter Schluss?

 

Der Verkauf des Unternehmens sei die einzige mögliche Lösung um die Marke zu erhalten, für die Weiterentwicklung der Pfister-Unternehmen und die Sicherung deren Arbeitsplätze in der Schweiz heisst es bei den Verantwortlichen. Für 1800 Mitarbeitende und 20 Filialen bleibe alles beim alten. Wörtlich »Für die Mitarbeitenden wird sich durch den Verkauf nichts ändern. Es wird zu keinen Entlassungen kommen.«

Solcherlei Plattitüden sind immer zu hören, bevor mit dem eisernen Besen gewischt und ausgemistet wird. Oder glaubt jemand daran, dass es beispielsweise zwei administrative Hochburgen in unmittelbarer Nachbarschaft braucht?

 

»Pfister bleibt Pfister«, sagt Verwaltungsratspräsident Rudolf Obrecht im SRF-Interview. Die Marke - selbstverständlich, das sind ja die Kronjuwelen! - und die Mitarbeitenden sollen erhalten bleiben. Aber eben. Wie es in weiteren zwei Jahren tönen wird, wissen wir, wenn der Wind gedreht hat.

Noch vor genau zwei Jahren war ein Verkauf undenkbar. Damals hatte derselbe Rudolf Obrecht in einem Interview mit der ›Aargauer Zeitung‹ die Situation klargestellt »... in unserer Stiftungsurkunde heisst es klipp und klar, dass wir nicht verkäuflich sind. Unmöglich, selbst wenn wir wollten! Wir haben das Erbe von Fritz Gottlieb Pfister zu vollziehen. De facto gehört die Firma den Mitarbeitenden.«

Genau diese Stiftungsurkunde wurde offenbar unlängst modifiziert. Die eigentlichen Eigentümer des Unternehmens, die Mitarbeitenden nämlich, wurden offenbar schlicht ›enterbt‹ und nun mit läppischen 1000 Franken pro Dienstjahr abgespeist. Man klopft sich gegenseitig auf die Schultern vor Stolz über einen Gesamtbetrag von 20 Millionen Franken. Der Verkaufswert dürfte ein zigfaches betragen und in der Holding, also dem neuen Eigentümer zur Verfügung bleiben.

 

Monopoly für Manager.

Und was ist eigentlich mit den oft über Generationen treuen Stammkunden? Der Markt wird es zeigen, ob das gewählte Konzept aufgeht. Einst treue Kunden brauchen nicht ewig treu zu bleiben. Das angestrebte ›billiger‹ können die auch selber. Und zwar viel billiger. Von grenznahen Discountern und aus dem Webshop. Billigmöbel sind überall billig.

»Dass Pfister Pfister bleibt, diesen Beweis müssen die Österreicher erst noch erbringen.«, so jedenfalls der berechtigte Schlusskommentar im Beitrag von ›10 vor 10‹.

 

 

Quelle: F. G. Pfister Holding und Recherche


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