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Ab sieben Jahren unterscheidet das Kind zwischen Recht und Unrecht

DMZ - GESELLSCHAFT / LEBEN ¦ Patricia Jungo ¦

 

Verantwortung für sich selbst und andere übernehmen zu können, ist unbestritten eine sehr wichtige Eigenschaft. Sie befähigt den Menschen dazu, sich sozial kompetent im Alltag zu bewegen. Eltern stellen sich diesbezüglich oft die Frage, wann denn der richtige Moment ist, dem eigenen Kind die erste Verantwortung zu geben, ohne es zu überfordern. Dabei kann man sich zuerst die Frage stellen, was Verantwortung überhaupt ist und wie sie erlernt wird. Als Verantwortung wird die Fähigkeit definiert, sich für die Folgen eigener Handlungen und auch Handlungen anderer Personen rechtfertigen zu können.

 

Man kann also dazu „Antwort“ geben. Ein verantwortungsvoller Mensch ist sich im Klaren, was er tut oder getan hat und steht dazu, unabhängig davon, welche Konsequenzen seine Handlung hat. Ist man verantwortungsvoll, wird man nichts tun, von dem man schon vorher mit Sicherheit weiss, dass es negative Auswirkungen haben wird. Auch das Verantwortungsgefühl wächst wie viele andere Fähigkeiten und Eigenschaften vorwiegend aus der Nachahmung der Eltern. So ziehen verantwortungsbewusste Eltern meist auch Kinder gross, die ein ausgeprägtes Bewusstsein für Verantwortung haben. Am allerbesten lernen Kinder natürlich Verantwortung zu übernehmen, indem sie es ganz einfach tun. Man überträgt ihnen eine Aufgabe und ihre Verantwortung ist, diese zu erfüllen. Sie kennen auch die Konsequenzen, falls sie es nicht tun: Der Hund pinkelt in die Wohnung, wenn er nicht rechtzeitig ins Freie kann.

 

Grundlegend ist ganz klar, dass es für das Kind auch möglich ist, die übertragene Verantwortung zu übernehmen. Im gegenteiligen Fall ist das Scheitern schon vorprogrammiert. Das Kind wird frustriert sein und sein Selbstbewusstsein wird auch leiden. Die Frage, was ein Kind denn für Verantwortung übernehmen kann, ohne überfordert zu sein und zu scheitern, kann nur individuell beantwortet werden, da die Verantwortung, welche einem Kind zugemutet werden kann, vom Alter und auch von der persönlichen Motivation bestimmt wird. So kann ein Kind, das Hunde über alles liebt, besser Verantwortung für das Tier übernehmen, als ein Kind, das ein Haustier nur als Spielzeug sieht. Schon kleine Kinder können erste Verantwortung tragen. Dreijährigen kann durchaus zugemutet werden, dass sie ihren Teller zum Geschirrspüler tragen. Für sie kommt dies eher einem Spiel gleich und mit zunehmendem Alter steigt die Verantwortung und das Spielerische rückt eher in den Hintergrund. Mit vier Jahren und unterstützt von seinen Eltern, kann ein Kind schon gut Verantwortung für sein Haustier übernehmen.

 

Ab sieben Jahren unterscheidet das Kind auch schon zwischen Recht und Unrecht und kann im Alltagsleben eigenverantwortlich gewissen Aufgaben übernehmen. Dem Kind können auch Konsequenzen klar aufgezeigt werden; dies niemals als Drohung, sondern immer im Zusammenhang mit der Sache, so dass das Kind diese verstehen kann: Wenn der Tisch noch nicht aufgeräumt ist, verpasst man halt die Lieblingssendung. Übergibt man dem Kind Aufgaben und die Verantwortung dafür, lernt es nach und nach für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und für seine Fehler gerade zu stehen. Wichtig ist dabei wie immer, dass es die Eltern liebevoll und unterstützend begleiten und auch helfen, wenn das Kind zeitweise der Verantwortung nicht gewachsen ist. Sind die Kinder in der Pubertät angekommen, kann ihnen ein gewisses Mass an Eigenverantwortung zugemutet werden. Sie können selber fürs Aufstehen verantwortlich sein oder fürs Packen ihrer Schulsachen, fürs Erledigen der Hausaufgaben und für das Vorbereiten der Prüfungen. In diesem Altern lernen die Teenies auch, Geld einzuteilen und verantwortlich damit umzugehen. Ein Kind, das das Vorbild verantwortungsvoller Eltern hat, dem nicht alles einfach immer abgenommen wurde und das auch schon ganz jung erlebt und gelernt hat, in angepasstem Masse Verantwortung für sich und andere zu tragen, wird auch ein verantwortungsvoller Erwachsener.

 

Es gibt viele wundervolle Beispiele, wie kompetent Kinder Verantwortung übernehmen: In vielen Schulen bekommen frisch eingeschulte Kinder Paten aus den älteren Jahrgängen, andere engagieren sich im Schülerrat oder im Klassenrat, organisieren die Pausen selbstständig usw. Viele Kinder tragen wie schon erwähnt sehr toll Verantwortung für ihr Haustier oder ihr Gartenbeet. Dazu sind die Grundlagen gesetzt, dass sie sich später sozial kompetent im Alltag bewegen können. Vielleicht können auch wir Erwachsenen inspiriert werden, unser Verantwortungsbewusstsein für uns selbst, andere und unsere Welt zu überdenken und im Besonderen auch die Verantwortung als Vorbilder unserer Kinder.