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Wir müssen die Konsumgesellschaft abschaffen

DMZ - SOZIALES ¦ Daniel Birkhofer ¦

 

Gerald Hüther, Neurobiologe, über die Verbrauchbarkeit des Menschen und warum bedingungslose Liebe der Ausweg ist. 

 ...was für eine wunderbar sinnvolle "Provokation"!

Ein paar spontane Gedanken schiessen mir dabei durch meinen Kopf:

Die Subjekt-Objekt-Trennung und damit auch Instrumentalisierung unserer Schulen und der Gesellschaft insgesamt geht nie spurlos an uns allen vorüber...

 

Die Entfremdung und Zweckrationalisierung von allen Lebensbereichen beraubt uns unserer grundsätzlichen menschlichen Wesenszüge wie Bedürfnis nach Bindung und Zugehörigkeit oder individuellem Wachstum und Entwicklung...

 

Wir wissen viel - es ist vor allem "totes Wissen" (rein kognitiv und Vernunft basiert); also "Wissen", das nicht berührt! Alle Kreativität, Zuversicht/Optimismus und Motivation entsteht grundsätzlich nur, wenn einem "etwas unter die Haut geht". Das Losungswort lautet: Begeisterung, kindliche Freude, Spontaneität (für Kant bedeutet das die Fähigkeit, von sich aus etwas zu tun...)...

Tabu-Themen wie das Stellen dürfen der "Sinn-Frage" gilt es unbedingt zu überwinden: "Was der Mensch wirklich will, ist letzten Endes nicht das Glücklichsein, sondern ein Grund zum Glücklichsein" (sensu Viktor Frankl, KZ-Überlebender und "Vater" der Logotherapie und Existenzanalyse) und dieser Grund liegt in der Sinn-Findung...

 

Unser Gehirn ist während des ganzen Lebens (mehr oder weniger) "formbar"; dies beruht darauf, dass wir weder ein rein fix-verdrahtetes noch ein rein initial formbares Gehirn - in z.B. Prägungsphasen haben, sondern ein zeitlebens "plastisches" soziales Organ...! Auf was es ankommt? Clemens Sedmak (österr. Theologe und Philosoph) dazu: auf einen wirklich "guten Grund" (Hüther spricht hier von starker intrinsischer Motivation oder Frankl von persönlicher Sinnfindung)...

 

Potenzialentfaltung sensu Hüther bedeutet: den Sinn für Kohärenz ("Stimmigkeit") wieder vermehrt ins Zentrum einer ganzheitlicheren Betrachtungsweise im Umgang mit sich selber und den Mitmenschen mit einzubeziehen (Aaron Antonovsky prägte dazu den Begriff und die wunderbare Haltung, die dahinter steckt: Salutogenese versus reiner "pathogenetischer" Haltung...)...

 

Zum Schluss die Ermunterung an uns alle: auch menschliche Tiere spielen gerne und dies ist zudem der beste Lern- und Entwicklungsförderer, den wir uns nur vorstellen könn(t)en...

Es ist schon so: "Je umfassender der Sinn, desto weniger fassbar wird er" (Frankl) - wir sind also gut beraten, uns wieder vermehrt an den grundsätzlichen menschlichen Wesenszügen zu orientieren und uns primär als sinn- und werteorientierte Subjekte zu erfahren... Das Gewissen (wenn man denn in sich hineinhorcht) kann dazu als "Sinn-Kompass" dienen und uns Halt, Vertrauen und Navigationshinweise geben, um sich den verschieden (selbstbestimmten) Lebensaufgaben stellen zu können (Einsichtskomponente), zu wollen (Energiekomponente) und sollen (persönliche Sinnkomponente/meine "Mission") schlussendlich...

 

Danke Gerald Hüther - einmal mehr seit vielen Jahren - für Deine anregenden Gedanken!


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