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Das Universum - Wissen und Staunen

DMZ – KULTUR ¦
GASTBEITRAG von Ruth Wiesenberg Benz

 

Moderne Großteleskope und Satelliten liefern eine Flut von faszinierenden Bildern des Universums. Die Größe, Zweckmäßigkeit und Geschichte des Universums lässt uns staunen und regt zu den großen Fragen an. Den ausgewählten Bildern werden philosophische und theologische Zitate aus den Schriften und Notizbüchern von Arnold Benz gegenübergestellt.

 

Auf diese ungewöhnliche Weise begegnen sich neuste astrophysikalische Erkenntnisse und alte religiöse Erfahrungen. Die Begegnung öffnet Möglichkeiten, Glauben neu zu verstehen, und regt zum Weiterfragen an. Staunen erweitert den Horizont, macht neugierig und letztlich dankbar für das Geschenk der Lebensmöglichkeit inunserem Universum.

 

Vielleicht ist Ihnen exaktes naturwissenschaftliches Denken vertraut, vielleicht nicht. Vielleicht ist Ihnen Spiritualität wichtig, vielleicht nicht. Jeder Mensch hat seine eigene Art, das Leben wahrzunehmen und zu gestalten. Wir leben jedoch alle in der einen Wirklichkeit, die wir vorfinden. Und wir haben alle die Fähigkeit, staunen zu können. Davon bin ich überzeugt.

Arnold Benz interessiert sich für das gigantische Universum, aber auch für die Wirklichkeit, die nicht naturwissenschaftlich gemessen werden kann. Nebst seiner Haupttätigkeit als astrophysikalischer Forscher, sucht er immer wieder das Gespräch über Glaubensfragen. Er tritt auf spezielle Weise an die Theologie heran und fragt zuerst nach den Wahrnehmungen und Erfahrungen, auf denen eine Behauptung beruht. Das führt zu interessantem und weiterführendem Austausch mit Theologen und Theologinnen. Bei atheistischen Kollegen fragt er gerne nach dem Verständnis der Begriffe, die sie ablehnen, wie z.B. „Gott“ oder „Glauben“. Dabei zeigt sich oft, dass solche Wörter für sie inhaltlich anders gefüllt sind und ein differenziertes Gespräch eine Herausforderung ist.

 

Ich bin Theologin. Ich habe jahrelang in verschiedenen Gemeinden als Pfarrerin gearbeitet und habe dabei viele fragende, suchende, auch verunsicherte Menschen kennen gelernt. Die Bücher von Arnold Benz waren für mich eine Entdeckung. Sie beschreiben das neue Weltbild und erweitern nicht nur den räumlichen und zeitlichen Horizont, sondern auch das Gottesbild. Seither habe ich immer wieder den Wunsch, Kernaussagen daraus zu zitieren, wie viele andere Leserinnen und Leser auch. Seit vier Jahren bin ich mit Arnold Benz verheiratet. Wir  sind häufig im Gespräch miteinander über astronomisches Forschen und religiöses Erleben. So tauchte eines Tages die Idee für dieses Buch auf.

 

Es ist in enger Zusammenarbeit mit dem Autor entstanden. Ich suchte Texte in gedruckten Schriften von Arnold Benz (siehe Quellenverzeichnis) und seinem unveröffentlichten Notizbuch, in denen astronomische Erkenntnisse in verständlicher Sprache und das Menschsein in diesem Kosmos angesprochen werden. Arnold Benz wählte in den riesigen Archiven der modernen Großteleskope atemberaubende Bilder aus und versah sie mit den nötigsten Erklärungen. Dann gestalteten wir gemeinsam eine Art Collage aus Zitaten und Bildern, die mehr oder weniger direkt in einer Beziehung zueinander stehen. Auf jeden Fall begegnen sie einander im Staunen, das sie wecken.

Wenn in diesem Buch von Religiösem gesprochen wird, sind nicht traditionelle Formen oder Dogmen von Religionen gemeint. In den Schriften von Arnold Benz geht es grundsätzlich um die Auseinandersetzung, die im westlich geprägten christlich-biblischen Umfeld stattfindet. Sie nimmt auch spirituelle Erfahrungen auf, die nicht direkt von einer institutionellen Kirche und deren Theologie beeinflusst sind. Wichtig ist ihm ebenfalls das intuitive Erahnen, dass unsere Welt und unsere Existenz nicht selbstverständlich sind.

 

Vielleicht gehören Sie zu jenen modernen Menschen, die nicht recht verstehen, warum in unserer Zeit überhaupt noch von Gott gesprochen wird. Das ist nachvollziehbar. Doch ist es mir wichtig, daran festzuhalten, dass das Sein und Wirken einer transzendenten Kraft oder eines persönlichen Gottes tatsächlich von vielen Menschen erlebt wird. Natürlich kann dadurch die Existenz eines Gottes weder bewiesen noch widerlegt werden. Auch wird heute religiöses Vertrauen psychologisch, soziologisch, neurologisch usw. untersucht, aber persönliche Erfahrungen sind nie vollumfänglich messbar und analysierbar. Die Wirklichkeit ist umfassender und geheimnisvoller. Erlebnisse mit Göttlichem haben darin ihren berechtigten Platz.

 

Sie haben jetzt nicht ein Sachbuch in der Hand, in dem das Thema Naturwissenschaft und Glaube erneut rational behandelt wird, sondern ein Buch, in dem sich die beiden Ebenen im Staunen begegnen. Viele Zitate und Bilder laden dazu ein, zu verweilen, sie gleichsam meditierend zu umkreisen und sie in die Gefühlswelt einfließen zu lassen. Andere regen dazu an, über Gott, die Welt, und das eigene Leben in den komplexen Zusammenhängen des Universums nachzudenken. Wieder andere machen neugierig und wecken den Wunsch, sich vertieft mit der Thematik auseinanderzusetzen. Auch Provokatives werden Sie antreffen, was zu interessanten Diskussionen führen kann. Und – vielleicht ermutigen einzelne Sätze Sie dazu, Ihren eigenen Erfahrungen zu trauen.

Ich wünsche Ihnen viele Momente des Staunens.

 

Ruth Wiesenberg, Benz, Bülach

Das Buch: Das Universum – Wissen und StaunenAstrophysikalische Erkenntnisse und religiöse Erfahrungen. Von Arnold Benz und Ruth Wiesenberg Benz, Berchtold Haller Verlag Bern, ISBN 978-3-85570-155-1


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Kommentare: 1
  • #1

    Dr. Ernst Scherz (Montag, 27 April 2020 22:40)

    Sehr interessant. Danke Frau Benz.