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Einmal mehr zeigt sich die Schweiz in einem Thema rückständig

DMZ – GESELLSCHAFT ¦ Walter Fürst ¦

 

In einem ausführlichen Artikel der BBC wurde unter anderem daran erinnert, wie lange die Schweizer Frauen für ihr Stimmrecht kämpfen mussten, Medien aus England und Italien sprechen offen aus, was hierzulande viele denken: "Trotz des hohen Lebensstandards und Einkommens hinkt die Schweiz, eines der reichsten Länder der Welt, anderen Industrieländern in Bezug auf Lohngleichheit und Gleichstellung der Geschlechter hinterher. Ein historischer Rückstand." Aber rückständig ist die Schweiz auch in den Bereichen Armutsbekämpfung, Sozialarbeit, Sozialdienste, Vaterschaftsurlaub, Altersarmut, Ehe für alle, Immigration, Suchtkrankheiten, Minderheiten, Kinder, Frauen und Männer, Datenschutz, Menschenhandel, Ausländer- und Asylgesetz, Initiativen und Parlament, Direkte Demokratie und Menschenrechte, Tier- und Artenschutz, Pandemievorbereitung, Kriegswaffenproduktion und -export u.v.m. In einer Unicef-Studie zu Familienfreundlichkeit belegt die Schweiz gar den letzten Platz. Auch im Bereich Rassismus belegt die Schweiz einer der hintersten Plätze.

 

Ein bedeutender Teil der gemeldeten Fälle rassistischer Diskriminierung fanden im öffentlichen Raum und am Arbeitsplatz statt. Die am häufigsten gemeldeten Formen rassistischer Diskriminierung waren Benachteiligungen und Beschimpfungen. Das häufigste Motiv war die Ausländerfeindlichkeit/Fremdenfeindlichkeit, gefolgt vom Rassismus gegen Schwarze und von Muslimfeindlichkeit. Erkennbar ist ausserdem eine Zunahme von Fällen mit rechtsextremem Hintergrund. Die "Mohrenkopf" - Diskussion ist ein weiteres Armutszeugnis für die Schweiz.

Was in der Schweiz nicht möglich scheint, geschieht im Ausland automatisch und ohne Widerstand. Im Ausland etwa hat sich das Bild vom typischen Schweizer längst gewandelt. Das Bild des rechtschaffenen Schweizers wird jetzt immer mehr überlagert vom Eindruck, dass Schweizer nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind, unethische Bankgeschäfte machen, rücksichtslos und rassistisch sind. Bei einer rechten Regierung eigentlich ja auch naheliegend.

 

Dubler - "Mohrenköpfe" - Tradition kann auch Schlechtes bewahren

Wie schlimm ist es um unsere Gesellschaft bestellt, wenn Leute gerade deshalb "extra" "Mohrenköpfe" bei Dubler kaufen. Was wollen sie uns damit sagen - was wollen sie beweisen?Egal was, es geht schief. Denn so outen sie sich unmissverständlich entweder als Rassisten, oder als Leute, die nicht wissen, was Rassismus ist. So oder so, es ist übel. "Sprengt die Ketten – sie sind eine Reihe von Nullen." Dass sich aktuell auch die Medien so stark machen für Herrn Dubler und im eine Plattform am laufenden Band bieten, spricht Bände. Rassismus geht durch das ganze Land und jede Instanz, durch und durch. Wenn man jemanden "Mohr" betitelt, kann der Betroffene Anzeige erstatten, währenddessen im selben Land ein "Hersteller" damit sogar Werbung machen darf, zum Nulltarif und weil ihn alle unterstützen. Heuchlerisch! Diese "Bezeichnung" ist zu verbieten und unter Strafe zu stellen, da die Vernunft und Einsicht der Leute scheinbar (noch) nicht alle ereilt hat. Und nein, es geht in der gesamten Debatte nicht um die Migros.

 

Der Brauch muss dem Rechte weichen

Tradition scheint für einige Menschen der Vorteil zu sein, um in der Vergangenheit bleiben zu können. Was die aktuelle "Diskussion" rund um den "Mohrenkopf" eindrücklich aufzeigt ist, dass Tradition weder den Zusammenhalt noch Verbindungen zwischen Menschen garantieren kann und bei geistiger und gesellschaftlicher Entwicklung hinderlich ist. Celeste Ugochukwu, Präsident des afrikanischen Diaspora-Rates, sagt, dass man dunkelhäutige Personen nicht dauernd in die Opferrolle drängen solle, das habe auch etwas Rassistisches. Aber: "Der Name "Mohrenkopf" erinnert an die Zeit, als Dunkelhäutige als Sklaven gehalten wurden." Also weg mit dem alten Zopf und ran an den nächsten. Rassismus hat keine weiteren Chancen verdient. 

 

Rassismus-Debatte: Uncle Ben's ändert Logo

Auf der Verpackung von Uncle Ben's prangt ein Schwarzer Mann. Kritiker sehen darin rassistische Vorurteile bedient. Der Reishersteller kündigt nun an, das Logo zu verändern. Pepsi geht noch einen Schritt weiter und wechselt gleich einen gesamten Markennamen aus.

Angesichts der anhaltenden Anti-Rassismus-Proteste in den USA will die bekannte Reismarke Uncle Ben's ihr Logo ändern, das einen Schwarzen zeigt. Das Unternehmen wolle seinen Beitrag zu einem Ende von "rassistischen Vorurteilen und Ungerechtigkeiten" leisten, erklärte der Lebensmittelriese Mars, zu dem Uncle Ben's gehört. Deswegen sei jetzt der Zeitpunkt gekommen, das Markenlogo "weiterzuentwickeln". "Wir wissen noch nicht, wie die Änderungen genau aussehen werden, und haben noch keinen Zeitplan, aber wir prüfen alle Möglichkeiten", heisst es in einer Pressemitteilung des Konzerns.

 

Das Logo "Aunt Jemima" der seit mehr als 130 Jahren bestehenden Marke wird ab Jahresende abgeschafft

Einen Schritt weiter ging die Frühstücksmarke Aunt Jemima, deren Logo eine lachende Afroamerikanerin zeigt. Dies sei in den Augen von Kritikern die klischeehafte Abbildung einer schwarzen Frau als Maskottchen im Stil einer freundlichen Dienerin. Das Logo der seit mehr als 130 Jahren bestehenden Marke wird ab Jahresende abgeschafft, wie das Mutterunternehmen Quaker Foods North America mitteilte, das wiederum zum Konzern PepsiCo gehört.

 

Auch soll die Marke, die unter anderem Ahornsirup und Backmischungen für Pfannkuchen herstellt, umbenannt werden."Wir erkennen an, dass die Ursprünge von Aunt Jemima auf einem Rassen-Stereotyp gründen", erklärte das Unternehmen. Das Logo sei im Laufe der Jahre zwar immer wieder geändert worden, um "angemessen und respektvoll" zu sein; solche Änderungen seien aber nicht mehr ausreichend.

 

In den USA demonstrieren seit Wochen zahlreiche Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Auslöser ist der Tod des Afroamerikaners George Floyd durch den brutalen Einsatz eines weissen Polizisten in der Grossstadt Minneapolis. Die Gewalttat hat in den USA zu einer intensiven Debatte über Rassismus, die Diskriminierung von Schwarzen und die Zeit der Sklaverei geführt.

 

 

Weitere Artikel zum Thema: 

 

Quellen:

  • http://www.network-racism.ch/ntv.de
  • https://www.humanrights.ch/de/menschenrechte-schweiz/inneres/rassismus/studien/auswertungsbericht-2019-rassismusvorfaelle-beratungspraxis
  • https://www.bbc.com/news/world-europe-48615911
  • https://www.humanrights.ch/de/menschenrechte-schweiz/
  • www.unicef.com
  • www.caritas.ch
  • https://www.edi.admin.ch/edi/de/home/fachstellen/frb/berichterstattung-und-monitoring/bericht--rassistische-diskriminierung-in-der-schweiz-.html

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