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Eine weitere NEGATIV-NUMMER 1 - Verbaute Fliessgewässer: Schweiz steht europaweit an der Spitze

Schwellenpassage in Mönchaltorf behindert Fischwanderung.
Schwellenpassage in Mönchaltorf behindert Fischwanderung.

DMZ – UMWELT / NATUR ¦ AA ¦

 

Und erneut geht ein 1. Platz im "Negativbereich" an die Schweiz. Die Negativ-Schlagzeilen nehmen rasant zu, in fast allen Bereichen. Rund eine Million Hindernisse blockieren Europas Flüsse. Sie verhindern die freie Fischwanderung und tragen zum Artensterben in unseren Gewässern bei.

 

 

Mit über 170 000 Verbauungen verzeichnet die Schweiz neben Holland die höchste Dichte an Hindernissen.

 

Viele von ihnen könnten problemlos zurückgebaut werden, da sie heute keine Funktion mehr erfüllen. Kantone wie der Kanton Aargau haben dies erkannt und bauen ihre Wehre zurück.

WWF Schweiz und Aqua Viva erwarten von Politik und Verwaltung, dass sie die nicht mehr benötigten Hindernisse identifizieren und zurückbauen. Damit die Gewässer wieder lebendiger werden.

 

Zitat Christian Hossli, Leiter Projekt Fluss frei bei Aqua Viva:

«Die vielen Verbauungen verhindern, dass Fische zu ihren Laichplätzen wandern, vor Fressfeinden fliehen und bei hohen Wassertemperaturen in kühle Seitengewässer ausweichen können. Wenn wir in der Schweiz nicht wieder für vernetzte Gewässer sorgen, werden zahlreiche Fischarten schlicht aussterben.“

 

Zitat Ruedi Bösiger, Leiter Abteilung Gewässer beim WWF Schweiz:

«Der Rückbau von Hindernissen ist die beste Möglichkeit, um Leben in unsere Flüsse zurückzubringen.»

 

Forschende haben im Rahmen des EU Horizon 2020 Projekts AMBER (Adaptive Management of Barriers in European Rivers) erstmals die Zahl der Hindernisse in Europas Gewässern ermittelt. Die Ergebnisse wurden heute in einem Atlas veröffentlichten. Dieser bescheinigt der Schweiz grossen Handlungsbedarf. Von den eine Millionen Querbauwerken stehen 171`693 in den Schweizer Fliessgewässern. Nur Deutschland und Spanien verfügen ebenfalls über mehr als 100`000 Querbauwerke – allerdings verteilt auf deutlich mehr Flusskilometer.

 

Das AMBER-Projekt zeigt, dass vor allem auch kleine Wehre und Strukturen die europäischen Gewässer beeinträchtigen – sie machen über 85 Prozent aller Verbauungen aus. Viele dieser Hindernisse sind Relikte aus dem vergangenen Jahrhundert. Sie verursachen Kosten für den Unterhalt, haben jedoch heute keine Funktion mehr für den Hochwasserschutz, die Energiegewinnung oder die landwirtschaftliche Bewässerung.

 

Einige Kantone haben dies erkannt. So baute der Kanton Aargau mehrere Hindernisse zurück, darunter ein nicht mehr benötigtes Wehr in der Surb. Ursprünglich diente es zur Bewässerung und Düngung des angrenzenden Grünlands. Diese Form der Grünlandbewirtschaftung, die sogenannte Wässermatte, wird heute nicht mehr praktiziert. Das Wehr erfüllte keine Funktion mehr, war für Fische jedoch ein unüberwindbares Hindernis. Durch den Rückbau und die begleitende Revitalisierung hat der Kanton die Fischgängigkeit wiederhergestellt und ein strukturreiches und dynamisches Gewässer geschaffen. Heute finden zahlreiche Tier- und Pflanzenarten in und entlang der Surb wieder einen Lebensraum. Solche Massnahmen sind dringend nötig: Bereits heute stehen 55 Fischarten auf der Roten Liste. 14 sind vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Lediglich 14 Arten gelten als nicht gefährdet.

 

WWF Schweiz und Aqua Viva fordern, dass die Kantone nicht mehr benötigte Hindernisse systematisch identifizieren und rasch zurückbauen. 

 

 

 

Quelle: wwf


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