"Corona Fehlalarm? Daten, Fakten, Hintergründe"

DMZ – WISSENSCHAFT ¦

 

Karina Reiß, die Hautärztin, und Sucharit Bhakdi, der Arzt, der sich gerne als Experte gibt (wir berichteten) und keinem einzigen Faktencheck standhalten konnte, haben ein "Buch" geschrieben. Am besten geeignet für das Genre "Märchen".

"Corona Fehlalarm? Daten, Fakten, Hintergründe" heisst das "Werk" mit 160 Seiten voller Fake-News.

Auffallend ist beim Blick auf die beiden selbsternannten Experten auch, dass beide nicht im Bereich Virologie oder Epidemiologie tätig sind, den zwei zentralen wissenschaftlichen Bereichen, die für den Umgang und die Bewertung der Pandemie derzeit von zentraler Bedeutung sind.

 

Das brachte auch den Charité-Virologen Christian Drosten kürzlich dazu, die Einlassungen fachfremder Forscher in der Coronakrise scharf zu kritisieren. Was er höre, zum Teil von „scheinbaren Fachleuten“, deren Expertise in anderen Bereichen liege, entbehre oft jeder Grundlage, schimpfte der Virologe. Dadurch werde auch „wirklich gefährlichen Verschwörungstheoretikern“ mit teils politischer Agenda der Rücken gestärkt. Drosten rügte das als „unverantwortlich“. Solche Skrupel sind den Beteiligten im aktuellen Fall fremd.

 

Corona – Killervirus oder Grippe?

Text zum Buch: "Kaum ein Thema prägt und ängstigt unsere Zeit so sehr wie das Thema Corona. Widersprüchliche Meinungen, Fakenews und politisch gelenkte Informationen verwirren die Menschen. Unterschiedliche Ansichten führten zu tiefgehenden Disputen.

COVID-19: Was ist wahr? Was ist Fakt? Was ist Interpretationssache?

Dieses Buch klärt sachlich auf. Es bietet wissenschaftlich fundierte Information und untermauerte Fakten. Bilden Sie sich Ihre Meinung – und begründen Sie sie anhand von belegtem Hintergrundwissen." Wenn man sich dann erholt hat, vom durch die Lektüre dieses Promotionstextes zwangsläufig eingetretenen Lachanfall, kann man sich nunmehr ohne Risiko den weiteren verdrehten Fake-News in diesem "Buch" widmen.

 

Das Buch ist gefüllt mit Lügen, Fehlinterpretationen, Verdrehungen und unsachlichen Darstellungen

"Eine Aussage zur »Gefährlichkeit« der »neuen« Corona-Viren war lange nicht möglich. Insbesondere weil es keine verlässliche Datenerhebung gab und die Zahlen willkürlich durcheinandergewürfelt wurden. Von Anfang an wurde durch das vereinte Wirken von Politik und Medien ein verzerrtes und irreführendes Bild verbreitet. Im Gegensatz zu den alltäglichen Corona-Viren wurde eine gezielte Jagd auf die neue Variante gestartet. Jeder positive Nachweis wurde als neuer »Fall« registriert, ohne zwischen »Infektion« und ernster Erkrankung zu unterscheiden, wie es die Infektionskunde gebietet. Dadurch entwickelte sich das Virus in Windeseile zur scheinbar großen Gefahr für die Welt, weil die Zahl der Infektionen – fatalerweise gleichgesetzt mit Krankheitsfällen – mit der Zahl der durchgeführten Nachweise steil in die Höhe schnellte. Ebenso schlimm: Jeder verstorbene Mensch, bei dem das Virus nachgewiesen wurde, wurde offiziell ins Register der Corona-Opfer eingetragen. Das geschah und geschieht bis heute und stellt einen Verstoß gegen ärztliche Leitlinien dar." steht da z.B. tatsächlich geschrieben in diesem Schmierheft.

 

Faktenchecks

Bereits am 24. März kritisierte Tom Wannenmacher für den Verein Mimikama unter dem Titel Arzt verharmlost Coronavirus Bhakdis erstes Video und bemängelte seine Argumentation zur Luftqualität keiner Überprüfung standhalte; daher finde „seine Meinung auch in den meisten Medien und staatlichen Stellen wenig Widerhall und beschränke sich auf Youtube.“

 

Bhakdis Thesen wurden durch weitere „Fakten-Checks“ in den Medien überprüft, wie durch die dpa, swr3 und die Süddeutsche Zeitung, die allesamt seine Thesen als fragwürdig beziehungsweise irreführend einstufen. 

 

Was ist dran an seinen Thesen?

Videos von Professor Sucharit Bhakdi:

  • Corona-Krise: Offener Brief an die Bundeskanzlerin von Prof. Sucharit Bhakdi
  • Prof. Dr. Sucharit Bhakdi – Corona-Krise Nachtrag 2 – Schreckensszenario Italien
  • Prof. Dr. Sucharit Bhakdi – Corona-Nachtrag 1: Belastbarkeit des Gesundheitssystems
  • Corona-Krise: Prof. Sucharit Bhakdi erklärt warum die Massnahmen sinnlos und selbstzerstörerisch sind

Wir zeigen die Videos an dieser Stelle bewusst nicht, um dessen Reichweite nicht zu unterstützen, schlüsseln aber die Kernthesen auf und unterziehen sie einem Faktencheck.

 

Die Kommentare unter den Videos zeigen, dass ihn viele User als Experten wahrnehmen. Ist er das in diesem konkreten Fall wirklich? Es gibt zwar viel Kritik unter den Videos, aber auch viel Zuspruch. Ein ähnliches Bild zeigte sich auch beim Video von Dr. Wolfgang Wodarg, der ebenfalls auf Youtube mit seinen Aussagen für viel Verwirrung sorgte, aber auch Unterstützung bekam von Usern, die den Umgang mit der Corona-Pandemie für übertrieben halten.

Mittlerweile war Bhakdi für ein Interview bei Ken Jebsen von Ken FM – ein seit Langem hochumstrittener Youtube-Kanal, der insbesondere in der Corona-Krise „auch oft in die Verschwörung abrutscht“ und „schon sehr offensichtlich eine Stimmung generiert“, erklärt Medienjournalist Daniel Bouhs im Deutschlandfunk.

 

Was ist also dran an den Thesen und vor allem an den scheinbaren Fakten, die im Video von Professor Sucharit Bhakdi angeführt werden, um die Gefahr des Coronavirus als völlig übertrieben und die Massnahmen dagegen als zerstörerisch zu bezeichnen? Ist es wirklich so, dass COVID-19 derart überschätzt wird? Das Schwierigste vorab: Es fallen viele Zahlen, aber keine konkreten Quellenangaben, auch nicht auf Nachfrage. 

 

Laienhafte Darstellungen im Buch

"Erstes Licht in die Dunkelheit kam durch eine französische Studie. In dieser wurden Patienten mit Atemwegserkrankungen auf das Vorhandensein von vier herkömmlichen Corona-Viren im Vergleich zu SARS-CoV-2 untersucht. Ohne zu unterscheiden, ob die Patienten mit oder an dem Virus verstorben sind, kamen sie dennoch zu dem Ergebnis, dass es bei der Anzahl der Verstorbenen keinen signifikanten Unterschied in beiden Gruppen gab. Es spielte keine Rolle, ob man ein normales, bisher unbeachtetes Corona-Virus bei sich trug oder das neue »Killervirus«. Die Autoren kamen zum Schluss, dass das »COVID-19-Problem« wahrscheinlich überschätzt wird.

Seit der Veröffentlichung dieser wissenschaftlich fundierten Studie am 19. 03. 2020 sind keine vergleichbaren Studien erschienen, die dieser Schlussfolgerung widersprechen würden." Natürlich gab es keine ähnlichen Veröffentlichungen mehr, weil diese aus Frankreich bereits mehrfach als falsch deklariert wurde.

 

Hinsichtlich der Anzahl an Todesfällen

Weiter schreiben die spürbar erregten Schreiberlinge in ihrem Buch: "Um zu beurteilen, wie gefährlich ein Krankheitserreger ist, schaut man am einfachsten zunächst – Punkt 1: Wie viele Menschen sind infiziert?, und Punkt 2: Wie viele von den Infizierten sterben an dem Erreger? Schauen wir uns zunächst Punkt 1 an.

Punkt 1: Wie viele Menschen waren infiziert?

Hier stehen wir vor drei immensen Problemen.

Problem 1: Wie gut ist der Test, mit dem die Infektion nachgewiesen wird?

Solange die Viren sich im Nasen-/Rachentrakt aufhalten – also für gut zwei Wochen –, kann man sie nachweisen, indem man das Vorhandensein ihrer »Erbsubstanz« bestimmt. Der erste für die neuen Corona-Viren entwickelte Test stammte aus dem Labor von Herrn Drosten.

Später haben auch andere Forschungslabore eigene Testverfahren entwickelt. Wie gut ein solcher sogenannter PCR-Test ist, kann man normalerweise anhand der Zahlen für die »Spezifität« und »Sensitivität« ablesen. Sie besagen, wie viele falsch-positive oder falsch-negative Ergebnisse man bekommt. Für den weltweit verwendeten Test aus dem Drosten-Labor sind solche Daten bis zum heutigen Zeitpunkt nicht vorhanden, sodass keine Aussage über die Qualität des Tests möglich ist." Erneut eine klare Falschaussage, unfundiert und nicht wissenschaftlich.

 

Fazit der beiden Buchautoren - Das Virus ist eben nicht ein gemeingefährlicher Killer

6 Millionen Infizierte und 380'000 Tote hat es nie gegeben. Alles Fehler. Testfehler. "Im Zusammenhang mit der Frage der falsch-positiven Testergebnisse ist Folgendes überdenkenswert. Wenn eine Epidemie zu Ende geht (in Deutschland war das Mitte April, wie wir sehen werden), bringt es nichts mehr, PCR-Tests zu machen, dann bekommt man irgendwann nur noch das »Hintergrund-Rauschen« bzw. nur noch die falsch-positiven Ergebnisse. So ist es kein Wunder, wenn bei der Untersuchung der Charité-Beschäftigten (7.500) vom 7. bis 21. April nur 0,33 Prozent positiv waren. Spätestens dann muss die ganze Testerei aufhören." Wenig überzeugend, aber definitiv inkompetente Aufstellung.

 

"Um der Frage nach der Ausbreitung des Virus und der damit tatsächlich verbundenen Gefahr nachzugehen, hätte man von Anfang an eine wissenschaftlich fundierte Studie durchführen müssen. Eine möglichst große Anzahl von Menschen in einem Ausbruchsgebiet hätte getestet und später bei positiv getesteten die Antikörper-Antwort bestimmt werden müssen.

Nur eine einzige Studie gab es in Deutschland, die die richtigen Fragen gestellt hat und systematisch an die Sache herangegangen ist – die Heinsberg-Studie von Herrn Prof. Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Bonn. Im Bewusstsein der Wichtigkeit dieser Daten trat er bereits vor dem Ende der Studie vor die Presse und wurde von dieser zerrissen – die Sterblichkeitsrate schien um ein Vielfaches geringer zu sein, als von anderer Seite (z. B. WHO) postuliert. Dann trat er am Ende der Studie mit den vollständigen Daten vor die Presse – und wurde wieder zerrissen. Er hatte sich aus verschiedenen Gründen angreifbar gemacht, ein gefundenes Fressen für die Presse. Dabei sprachen die Daten der Studie eine klare Sprache – und widersprachen vor allem der Panik-Propaganda der Medien." Auch diese Äusserungen sind komplett falsch. Die Situation hat sich nicht so ergeben. Wunschdenken scheint bei den beiden Autoren als Fakten herzuhalten.

 

Kurzum: Je mehr getestet wird, desto mehr »Corona-Infizierte« bekommen wir. Man spricht von einer »Laborpandemie«. Zitat aus dem Buch

 

Ein echtes Wunder dagegen ist, dass ein Verlag bereit war solchen Schund zu drucken. Zweck und Beweggrund sind natürlich klar. Millionenfach verkaufte Exemplare - Geld. Denn darum geht es letztlich und niemals um die Gesundheit der Menschen. Absatz findet das Buch vor allem bei den Verschwörungstheoretikern, was bei den Online-Verkaufsstellen ohne weiteres feststellbar ist. Ein weiteres Qualitätssiegel in der "Karriere" des Arztes, der sich selber ruinierte und nun mit Büchern versuchen muss am Leben zu bleiben. Wäre er doch besser bei seinen leisten geblieben.

 

 

Quellen: 


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