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Literatur Festival "Die Rahmenhandlung - Interview mit Barbara Schwitter von Romana Ganzoni

Barbara Schwitter (Foto: Barbara Schwitter)
Barbara Schwitter (Foto: Barbara Schwitter)

DMZ – KULTUR - Rahmenhandlung ¦

 

Ein wundervolles Projekt von Alon Renner, seines Zeichens Musik-Manager.

Er lädt in sein Haus ein für eine Lesung der ganz besonderen Art. Ein Literatur Festival mit 16 Lesenden, namhaften Autorinnen und Autoren und spannende Menschen die lesen. In den Schlafzimmern, in der Bibliothek und in der Wohnstube. Vom 27.08 – 30.08.20 findet das Festival "DIE RAHMENHANDLUNG

- AUSGEWÄHLTE HAUSGESCHICHTEN" in Zürich Wiedikon statt.

Wir publizieren eine spannende Interview-Serie - Wir haben die 16 Lesenden gebeten sich gegenseitig zu interviewen.

 

Interview mit Barbara Schwitter

Von Romana Ganzoni

 

Die Bernerin Barbara Schwitter mit dem ausgeprägt-charmanten und rasend schnell gesprochenen Berner Dialekt wohnt mit Mann und Hund im Kanton Thurgau, wo man mehr vom Himmel sehe als in der Stadt. Sie arbeitete, bevor sie, zusammen mit Nicole Roten und Cathya Leiser Mitinhaberin der Agentur Moonstruck Artist Services GmbH wurde, lange als PR-Spezialistin bei Farner Consulting. Heute leitet sie Produktionen, betreibt Troubleshooting, managt Touren, kümmert sich um Bookings, Backline, Catering, wir ahnen: um alles. Barbara arbeitet für Bands wie Züri West, DJ ZsuZsu und viele mehr – vor, hinter und zuweilen auch auf der Bühne.

 

Obwohl ich dir hinterher spioniert, auf deinem Facebook-Profil geschnüffelt, LinkedIn konsultiert, Google angetrieben und Fotos gesichtet habe, erfahre ich recht wenig über dich persönlich. Ist Diskretion eine Voraussetzung für dein Business?

Für mich schon. Ich ziehe es vor, im Hintergrund zu arbeiten und mich nicht über Künstler und deren Erfolge zu definieren. Trotzdem bin ich natürlich stolz und glücklich, wenn ein Coup gelingt, und ich zum Wohlbefinden von Künstlern, Crew oder auch Veranstaltern beitragen kann.

 

Deine Agentur hat Moonstruck im Namen. Poetisch. Dürfen nur Mondsüchtige bei dir anklopfen oder wird der Mensch süchtig nach deiner Betreuung?

Grundsätzlich dürfen alle bei uns anklopfen!

Aus meiner Sicht sollen die Dienstleistungen, die wir unseren Klienten anbieten, eine Unterstützung für sie sein. Das bedingt natürlich auch, dass die Künstlerinnen und Künstler wissen, was sie wollen oder nicht wollen und dass sie Ihren Teil dazu beisteuern.

 

Wie und vor allem warum wird ein Mensch Managerin von Künstlern und Künstlerinnen? Das braucht doch Nerven wie Drahtseile.

Manchmal. Die Drahtseile müssen aber mit feinen Sensoren ausgerüstet sind, damit die leisen Töne auch empfangen werden. So wird mein Blick auf’s Ganze mit wachsender Erfahrung immer breiter.

 

Du vergleichst Künstlerinnen und Künstler mit Blumen. Kannst du das nochmals ausführen, bitte? Weil so nice.

Nicht die Künstler an sich, mehr den künstlerischen Prozess vergleiche ich mit einer Blume. Den Weg von einer Idee, dem erschaffen im stillen Kämmerlein hin zur Performance auf der Bühne mit dem Aufblühen einer Blume. Als Knospe können Dir Wind und Wetter noch nicht viel anhaben, da bist Du von vielen dicht aufeinander gelegten Blütenbättern geschützt. Je mehr man sich öffnet, also je mehr man sich der Öffentlichkeit preisgibt, desto angreifbarer macht man sich. Eine offene Blüte kann in ihrer empfindlichsten Mitte getroffen werden. Die allgegenwärtige Kritikfreude und dadurch oft auch Respektlosigkeit gegenüber kreativem Schaffen nimmt zunehmend abstruse Formen an und ich staune über Kulturschaffende, die sich von der Kommentarspalte nicht beeindrucken lassen.

 

Setzt du dein Barbara-Schwitter-Lachen, das jeden Profi-Dementor aus Harry Potter zum Berufswechsel bewegen würde, auch strategisch ein (wenn nicht, also ich würde das tun an deiner Stelle)?

Nein, manipulatives Verhalten liegt mir nicht. Ich würde mich eher als transparente Kommunikatorin bezeichnen. (lacht)

 

Der Kanton Thurgau hat es dir angetan. Trinkst du viel Moscht? Oder gibt es da noch mehr, das dich in diese Gegend zieht?

Ich mag die sanften Hügel, das viele Grün, die zugänglichen Leute und deren Hilfsbereitschaft. Einfach ein schöner Ort um nach Hause zu kommen! …und Most mag ich übrigens auch.

 

Während des Shutdowns hast du dich in deiner Gemeinde engagiert. Wen hast du betreut und hatte das Parallelen mit der Künstlerbetreuung, die dein täglich Brot ist?

Ich bin dreimal wöchentlich mit einem Pensionär aus dem hiesigen Altersheim zur Dialyse gefahren. Das gab mir in dieser zermürbenden Zeit Struktur im Alltag und war in überraschender Weise sehr lehrreich und auch durchaus vergnüglich.

 

In deiner ersten Email steht: «Ich schreibe Mails, Verträge, Rechnungen und ab und zu ein Konzept; da gross von literarischen Qualitäten zu berichten wäre falsch.» Ich glaube kein Wort. Was ich bis jetzt gehört und gelesen habe, zeugt von grossem narrativem Talent. Und du scheinst dich regelmässig über Schreibfehler zu nerven. «Die Frau für’s Verbale», hat dich jemand genannt (Name ist RG bekannt). Hältst du dich bedeckt, bis der erste Roman auf den Markt platzt? Jetzt wäre der Moment für ein Geständnis.

Ha, wer weiss? Im Ernst: für ein Geständnis wäre es verfrüht. Vorderhand überlasse ich das Schreiben lieber meiner Schwester.

 

Du arbeitest mit deiner Schwester Christine, «der Schreiberling in der Familie», an einem Lesetext für das Festival. Was heckt Ihr aus?

Wir arbeiten an einem Dialog unter Schwestern mit einer naturgegebenen jahrelangen Verbindung. Thema ist unsere Kindheit und Jugend. Meine Schwester und ich sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, was dazu führt, dass wir dieselben Situationen komplett anders erlebt haben. Lass Dich überraschen, wohin das führt!

 

Vielen Dank für deine Zeit, liebe Barbara. Hach, wie ich mich auf dich und euch, den Text, das Festival freue! 

 

Zum Interview mit Romana Ganzoni von Barbara Schwitter


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