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Literatur Festival "Die Rahmenhandlung - Dialog zwischen Anna Rosenwasser und Sunil Mann

Sunil Mann und Anna Rosenwasser (Fotos: zvg)
Sunil Mann und Anna Rosenwasser (Fotos: zvg)

DMZ – KULTUR - Rahmenhandlung ¦

 

Ein wundervolles Projekt von Alon Renner, seines Zeichens Musik-Manager.

Er lädt in sein Haus ein für eine Lesung der ganz besonderen Art. Ein Literatur Festival mit 16 Lesenden, namhaften Autorinnen und Autoren und spannende Menschen die lesen. In den Schlafzimmern, in der Bibliothek und in der Wohnstube. Vom 27.08 – 30.08.20 findet das Festival "DIE RAHMENHANDLUNG

- AUSGEWÄHLTE HAUSGESCHICHTEN" in Zürich Wiedikon statt.

Wir publizieren eine spannende Interview-Serie - Wir haben die 16 Lesenden gebeten sich gegenseitig zu interviewen.

 

 

Dialog zwischen Anna Rosenwasser und Sunil Mann

 

Lieber Sunil,

Ganz ehrlich: Ich musste dich googeln. (Zu meiner Verteidigung will ich sagen, dass ich zu ängstlich für Krimis bin; ich lese dafür fürchterlich oft Teenieromane. Liest du Teenieromane?) Jetzt weiss ich, dass du aus dem Berner Oberland kommst, in Zürich lebst – Kreis 4? – und wirklich viele Krimis rausgibst. Ganz ehrlich: Hast du den Wikipedia-Eintrag über dich selbst geschrieben?

Herzlich (aus dem Kreis 5),

Anna

 

Liebe Anna

Halb so wild, ich google immer alle Leute, mit dene ich zu tun habe. Allerdings habe ich meinen Wikipedia-Eintrag nicht selber verfasst. Deshalb stimmt er auch nicht in allen Punkten. Der Wohnort ist schon mal falsch. Ich lebe seit vier Jahren in Aarau und stehe auch Zürchern gegenüber dazu. Krimis stimmen, hinzu kommen aber drei Kinderbücher und der kurze Jugendroman „Totsch“, in dem es um ein Coming-out und - natürlich - unerfüllte Liebe geht.

Du bist Journalistin, behauptet Google, und hast Politologie und Geschichte der Neuzeit studiert. Zudem setzt Du dich gegen Homophobie ein. Wie muss man sich das vorstellen? Wie erreichst Du Bevölkerungsgruppen, in denen Homophobie weit verbreitet ist? Gibt es einen Unterschied zwischen Homophobie gegenüber Frauen und solcher gegen Männer?

Mit liebem Gruss

Sunil

 

Salut Sunil,

Dachte ich mir doch, dass bei Wikipedia deine Kinderbücher fehlen, die die Google-Bildersuche bei deinem Namen nämlich zeigt! Und mega viele Fotos. Von dir gibts soo viele Fotos!

Jugendromane, in denen Coming-outs vorkommen, find ich natürlich auch interessant. Und an der Rahmenhandlung? Weisst du schon, aus welchem Genre die texte stammen werden, die du liest?

Google gibt glaubs meine Tätigkeiten etwas unproportional wider: Ich würde behaupten, ich setze mich in erster Linie gegen Homophobie ein. Indem ich bei der LOS arbeite, der Lesbenorganisation. Und indem ich in vier verschiedenen Kolumnen über Geschlecht und Anziehung schreibe.

Innerhalb meiner Arbeit – in bezahlter Form bei der Lesbenorganisation, aber auch als Aktivistin – kommuniziere ich aber nicht primär mit Bevölkerungsgruppen, die weit entfernt von Homo-Akzeptanz sind. Mein Aktivismus richtet sich eher an diejenigen, die ihre eigene Offenheit noch etwas überschätzen (sehr üblich bei uns Schweizer*innen, find ich). Ich informiere sie, sensibilisiere sie. Aber hauptsächlich steh ich in Kontakt mit Menschen aus der LGBT-Community, um sie zu bestärken darin, sich selbst zu sein. Das ist eine der wirkungsvollsten Methoden, find ich – neben sinnvollen Gesetzgebungen natürlich. Die Ehe für alle zum Beispiel wurde vom Parlament ja schon wieder verschoben… hast du schonmal geheiratet, Sunil? Würdest du wollen?

Und: Ja, die Unterschiede zwischen Lesben-Feindlichkeit und Schwulen-Feindlichkeit sind oft gross. Frauenliebende Frauen werden gerne zum Fetisch gemacht, aber gleichzeitig nimmt man ihnen nicht ab, dass ihre Sexualität ohne Mann auskommt. Sie erfahren durchs Frausein und Homosein ausserdem eine Art Doppeldiskriminierung. Männer, die auf Männer stehen, kriegen öfters handgreifliche Gewalt ab. Die Gemeinsamkeit: Beide werden ausgegrenzt, weil sie den Erwartungen an ihr Geschlecht nicht gerecht werden. Können oder wollen.

Gruss

Anna

 

Liebe Anna

Nein, ich war nie verheiratet und würde es auch nicht wollen. Die Statistik besagt, dass jede zweite Ehe geschieden wird. Eine Kaffeemaschine, bei der nur jeder zweite Kaffee geniessbar ist, würde ich auch nicht kaufen. Zudem sagt mir Religion so überhaupt nichts. Nichtsdestotrotz müsste es selbstverständlich sein, dass alle Menschen in diesem Land und überhaupt weltweit dieselben Rechte haben. Warum das gerade bei uns in der Schweiz nicht so ist, will mir nicht in den Kopf.

Wie sieht es bei Dir aus? Möchtest Du heiraten? Wie sieht’s mit Kindern aus?

Ich werde diverse Texte aus meinen verschiedenen Krimis vorlesen, mal ernsthaft von einem Flüchtlingsmädchen, das von Nigeria ans Mittelmeer reist, mal lustig aus der im Kreis 4 spielenden Vijay-Kumar-Serie. Am letzten Abend gibt’s dann Mundart.

Wie sieht es bei Dir aus? Welche Art von Texten darf das Publikum erwarten?

Viele Journalisten versuchen sich früher oder später an literarischen Texten. Schreibst auch Du heimlich an einem Roman? Und falls ja, wovon handelt er?
Mit liebem Gruss
Sunil

Hey Sunil,
High Five, mich machen auch weder Religion noch die Scheidungsrate besonders an. Und trotzdem soll es eine Entscheidungsfreiheit sein, zu heiraten oder nicht. Meine Exfreund hätte ich heiraten können. Meine Partnerin nicht. Das will auch mir nicht in den Kopf. (Kinder sind für mich, egal in welcher Konstellation, allerdings eh kein Thema.)

Ich sehe grad, wir sind zweimal im selben Block – dann komm ich vielleicht am Donnerstag vorbei, um dich lesen zu hören. Was ich selbst lesen werde, bestimme ich gern einen Tag vorher; aber vielleicht nutze ich die Rahmenhandlung, um texte übers Judentum vorzulesen. Die liegen mir am Herzen und kommen manchmal im ganzen queeren Gewimmel etwas zu kurz.

An einem Roman schreibe ich nicht; ich bleib momentan gern bei real Geschehenem (natürlich nicht, ohne es auch mal etwas auszuschmücken). Drum erscheint in ein paar Monaten auch eine Textesammlung von mir. Also: Buch ja, Roman nein. Hattest du denn heimlich angefangen, Roman zu schreiben?

Ich freu mich so, Seraina Kobler lesen zu hören. Ich hab vor tausend Jahren mit ihr studiert und immer aus der Ferne ge-cheerleadert für sie. Jetzt kann ich das endlich mal aus der Nähe tun. Für wen wirst du cheerleadern?

Gruss

Anna

 

Liebe Anna
Auf jeden Fall bin ich gespannt auf die Sammlung und vor allem auf deinen Text zum Judentum.

Cheerleaders ist sehr schwierig bei all den tollen AutorInnen. Ich picke jetzt mal Romana Ganzoni raus, weil da Stil mit Charme und einem Hauch Extravaganz zusammentrifft.

Das Gespräch war ein Vergnügen!

 

LG Sunil


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