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Steigende Fallzahlen - Kontrolle sieht anders aus? Mehr Masken, Regeln einhalten und Homeoffice könnten helfen

DMZ – BLAULICHT ¦ AA ¦

 

Die Lage war letztmals (falls überhaupt) Ende April für ein zwei Wochen unter Kontrolle. Seither fliegt uns das Virus um die Ohren, weltweit.

Tanja Stadler von der Taskforce des Bundes beunruhigen die neuen Corona-Zahlen ebenfalls. Zu SRF sagt sie, dass ihr Rezept mehr Masken und mehr Homeoffice seien.

 

Langsam, aber kontinuierlich steigen die Corona-Fallzahlen an. Mittlerweile geht die Tendenz gegen 300 Neuansteckungen pro Tag. Am Donnerstag demonstrierten Bund und Kantone nach der jüngsten Kakophonie Einigkeit – und beurteilten die Corona-Lage als fragil, aber unter Kontrolle. Was genau dabei unter Kontrolle ist, ist unklar. Das BAG wackelt, Contacttracing überfordert, Regeln werden mehr schlecht als recht eingehalten usw. Kontrolle ist man anders gewohnt.

 

Bundesrat Alain Berset appellierte erneut an die Eigenverantwortung der Bevölkerung: «Es ist nicht einfach, die Abstands- und Quarantäneregeln einzuhalten, aber tun Sie es.» Es ist dem Bundesrat bisher scheinbar nicht aufgefallen, dass das Problem vor allem an der Eigenverantwortung hapert. Ein Beweis dafür sind die tausenden Gesetze, die die Schweiz nötig hat, um den Betrieb am Laufen zu halten.

 

"Wir müssen anderswo die Schraube anziehen, um Infektionen zu verhindern"

Die ETH-Professorin Tanja Stadler ist Mitglied der Corona-Taskforce des Bundes und entwickelt Methoden, um die Ausbreitung von Virus-Epidemien zu berechnen. Sie bezeichnet die aktuelle Situation als «sehr fragil». "Die Fallzahlen verdoppeln sich derzeit in ein bis anderthalb Monaten. Das heisst, die Epidemie wächst exponentiell." Der Trend lässt sich für Stadler nur stoppen, wenn neue Massnahmen ergriffen werden. "Oder wir alle verändern unser Verhalten. Ideal wäre eine Kombination von beidem", sagt sie zu SRFnews.

 

Derzeit ist die Sterberate vergleichsweise tief und die Spitäler haben Platz. Das bestätigt auch Stadler: "Momentan sind hauptsächlich junge Personen infiziert, und ein Grossteil von ihnen muss nicht hospitalisiert werden." Doch auch sie sind nicht gefeit vor dem Virus. Denn es gebe immer mehr Berichte über junge Patienten, die noch Wochen und Monate später an Langzeitfolgen einer Covid-Erkrankung litten.

Der Sommer neigt sich dem Ende zu. Der Schulbetrieb wird hochgefahren, ab Oktober sollen Grossveranstaltungen wieder möglich sein, und die Menschen halten sich vermehrt in Innenräumen auf. Kurz: Die Gefahr von Übertragungen steigt. "Wir müssen anderswo die Schraube anziehen, um Infektionen zu verhindern", folgert Stadler. Paradox. Schrauben anziehen und andererseits wir laufend gelockert. Selbst Schweden hat aktuell strengere Regeln als die Schweiz.

 

Um die Situation kontrollieren zu können, plädiert die ETH-Forscherin für "Massnahmen, die uns alle nicht zu sehr einschränken". Eine davon: eine strengere Maskenpflicht im Land. Denn Studien würden deren Nutzen belegen. "In Innenräumen eine Maske anzuziehen, würde sicher nicht alles über den Haufen werfen", sagt Stadler.

 

Auch eine forcierte Rückkehr der Arbeitnehmenden ins Homeoffice wäre für Stadler ein gangbarer Weg. "Aus BAG-Daten wissen wir, dass es relativ viele Übertragungen am Arbeitsplatz gibt."  Zudem würde die Massnahme auch Platz im ÖV schaffen. Die ETH-Professorin schliesst mit einer Warnung: Sobald die Kantone das Contact Tracing nicht mehr stemmen könnten, werde die Situation dramatisch.

 

Die wichtigsten Zahlen für die Schweiz

Fälle
Davon verstorben
Davon genesen
39'332
1'998
~ 34'100
Täglich gemeldete Neuinfektionen
Neu gemeldet
7-Tage-Schnitt
Δ Vorwoche
306
231,7
+29%

Was bewirkt die Maskenpflicht im ÖV? Kommt eine zweite Welle – und wie hoch wird sie? Wie entwickelt sich die Situation in den einzelnen Kantonen? Um Antworten auf solche und andere Fragen zu erleichtern, veröffentlicht SRF auf dieser Seite eine Reihe von Grafiken, die konstant aktualisiert werden, sobald es neue Daten gibt. Die Quellen und die Methodik hinter den Grafiken finden Sie am Ende des Artikels. Die gängigsten Fragen dazu werden im FAQ beantwortet.

Sie interessieren sich mehr für die weltweite Situation? Vergleichen Sie die Kurven der einzelnen Länder in unserem Artikel mit unseren interaktiven Grafiken zur internationalen Lage.

Zur aktuellen Lage in der Schweiz

Um die aktuelle Lage in der Schweiz einschätzen zu können, lassen sich verschiedene Datenpunkte heranziehen. Oft werden dafür die täglich gemeldeten Neuinfektionen zitiert. Auf den Tag herunter gebrochen sind sie aber wenig aussagekräftig, da sie starken Schwankungen unterworfen sind. So meldet das BAG täglich weitere Fälle für die Vortage nach (orange eingefärbt). Das ist auch der Grund, warum sich die Zahl in der untenstehenden Grafik von den täglichen Meldung des BAG unterscheidet. SRF empfiehlt, den Fokus auf den 7-Tages-Schnitt zu richten. Dieser zeigt einen klareren Trend, wie sich die Infektionszahlen entwickeln. Damit er nicht von den unvollständigen Meldungen künstlich tief gehalten wird, zeigt der 7-Tage-Schnitt jeweils den Stand von vor 3 Tagen an.

 

Quelle: ETH ¦ SRF


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