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Krebsmedikamente: Universitätskliniken streben grössere Unabhängigkeit von Pharmafirmen an

DMZ – GESUNDHEIT/WISSENSCHAFT ¦ Patricia Jungo ¦

 

Zum guten Glück gibt es immer wieder neue Hoffnungsschimmer im Kampf gegen Krebserkrankungen. Dazu gehören auch Car-T-Therapien. Sie bestehen darin, dass Immunzellen zum gezielten Angreifen und Zerstören von Tumoren umprogrammiert werden. In der Europäischen Union wurden bereits vor zwei Jahren zwei entsprechende Therapien zugelassen. Es handelte sich dabei um Kymriah von der Firma Novartis und Yescarta vom Pharmaunternehmen Gilead.

 

Die Resultate erster Studien weisen auf einen möglichen Erfolg des Ansatzes hin. Zwischen dreissig und sechzig Prozent der behandelten Patienten blieben in den ersten Jahren nach der Behandlung von einem Rückfall verschont. Angesichts der Tatsache, dass man diese Therapien nur einsetzt, wenn alle anderen keinen Erfolg bringen, ist dieser Wert sehr gut. Leider wird die grosse Hoffnung, welche man in diese neuen Therapien setzt, von den extrem hohen Kosten der Behandlungen getrübt. Die Anwendung von Kymriah kommt auf 275.000 Euro zu stehen, während Yescarta sogar 282.000 Euro kostet. Zurzeit wendet man die Behandlungen nur bei einzelnen Krebsarten und in besonderen Situationen an. Daher müssen die Krankenkassen nur sehr selten dafür bezahlen. Sollen die Car-T-Therapien jedoch grossflächig eingesetzt werden, besteht die Gefahr, dass die finanziellen Mittel des Gesundheitssystems dafür nicht mehr reichen. Es besteht aber auch Hoffnung, dass die Kosten auf nur noch rund ein Drittel sinken, wenn die deutschen Universitätskliniken nach Möglichkeit die Immunzellen auch selbst produzieren.

 

Die Universitätsklinik Heidelberg praktiziert dies schon mit Erfolg. Den Patienten werden spezielle Immunzellen aus dem Blut genommen und genetisch verändert. Die Erkrankten bekommen nachher die Zellen wieder zurück. Schon 19 Patienten wurden so behandelt. Bei dieser Therapie, die kontinuierlich weiterentwickelt wird, gibt es für die Mitarbeiter bei jeder Entnahme viel neues Wissen, was natürlich mit der Zeit zur Verbesserung der gentechnischen Anpassung beiträgt: Immunzellen wirken besser und leben länger. Momentan kann man Patienten so nur im Rahmen von klinischen Studien behandeln. In Spanien könnte es jedoch schon bald eine Änderung geben. Das Krankenhaus Clìnic in Barcelona möchte nun auch „normale“ Patienten mit selbst hergestellten Immunzellen behandeln dürfen und hat bei den staatlichen Behörden einen entsprechenden Antrag eingereicht. Die Krankenkassen würden dann die Kosten ganz normal übernehmen.

 

 

Quelle: 

±Sueddeutsche Zeitung±


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Kommentare: 1
  • #1

    Keusch Andreas (Freitag, 02 Oktober 2020 14:57)

    Nicght nur 'Car-T-Therapien' sondern auch die Therapieoptionen mit individuell zielgerichteten "Phagozyten" werden der Pharmaindustrie erfreulicher Weise ganz und gar nicht in den Kram passen ...