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Kinderpsychiater stellen fest, dass die Entwicklung der Kinder durch die Pandemie nicht nachhaltig gestört wird

DMZ – GESUNDHEIT / WISSEN ¦ Walter Fürst ¦

KOMMENTAR

 

Die Corona-Pandemie zeigt nach Erkenntnissen von deutschen Psychiatern bislang geringere Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen als befürchtet. «Es gibt aktuell keine Anhaltspunkte, dass sich in der psychischen Entwicklung der jungen Menschen etwas nachhaltig verändern könnte», sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Michael Kölch. Aber genau das wollten uns in den letzten Monaten gewisse Branchen einreden, die ihr grösstes Geschäft witterten.

 

Allerdings sind Menschen in sozial schwierigen Lebensumständen mehr von der Krise betroffen, als andere. «Falls dann öffentliche Fördersysteme in der Schule wegfallen oder Eltern die Kinder nicht wie notwendig unterstützen können, könnte eine Schere aufgehen», so Kölch. Mit der Pandemie als solches haben die Kinder demnach keine grossen Probleme, eher mit drohenden Umständen.

Wenn der häufige Wegfall von Schuleingangsuntersuchungen könnten sich langfristig negativ auswirken. «Es ist nicht auszuschliessen, dass Entwicklungsstörungen nicht rechtzeitig entdeckt, Kinder falsch eingeschult werden oder nicht die Unterstützung erhalten, die sie brauchen», sagte Kölch. Dann könnte das Risiko einer psychischen Störung steigen. Leider haben aber die Schlagzeilen und Wortmeldungen diverser Branchen dazu geführt, dass teilweise auch Kinder und Jugendliche (auch ohne Grund, bzw. anderen Beweggründen) "Hilfe" in Anspruch nehmen. Teils aus freien Stücken, teils, weil Eltern vermuten, dass die Pandemie Schaden anrichtet bei ihren Sprösslingen. So kann z.B. in der Schweiz tatsächlich ein solcher Trend festgestellt werden.

 

Den Kindern machen die Masken überhaupt nichts aus

Kölch riet auch dazu, das Maskentragen bei Kindern und Jugendlichen nicht zu dramatisieren. Selbst bei seinen jungen Patienten, von denen viele als psychisch wenig belastbar gelten, gebe es kaum negative Reaktionen. "Denen macht das überhaupt nichts aus."

 

Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes stellt für Kinder zudem keine gesundheitliche Gefahr das. Darauf hat der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hinge­wie­sen. Demnach bestünden aus kinder- und jugendärztlicher Sicht bei gesunden Kindern ab zehn Jahren generell keine Bedenken gegen das Tragen von Masken. Kinder ab sechs Jahren können dem BVKJ zufolge optional eine Maske tragen, aber sie sollten sie jeder­zeit abnehmen können, wenn sie dies möchten.

Die chirurgischen oder auch die sogenannten Alltagsmasken seien zwar ein wenig un­be­quem für Kinder, sie schränkten aber das Ein- und Ausatmen nicht ein, führten weder zu einer Einschränkung der Sauerstoffversorgung, noch zu einer gefährlichen Anreicherung von Kohlendioxid.

„Sie gefährden auch sonst in keiner Weise die Gesundheit; sogar Kinder mit kontrol­lier­tem Asthma ab sechs Jahren können sie gefahrlos tragen; es gibt keine Hinweise darauf, dass die Maske bei ihnen CO2 zurückhält oder ihre Atmung einschränkt,“ so BVKJ-Präsident Thomas Fischbach.

Inzwischen lägen auch Studien vor zur psychischen Belastung von Kindern und Jugendli­chen durch die Coronapandemie. Keine dieser Studien enthalte Hinweise darauf, dass das Tragen von Masken an sich die Kinder in ihrer seelischen Gesundheit beeinträchtige.

Der BVKJ-Präsident rät Eltern, ihren Kindern liebevoll, geduldig und verständnisvoll zu helfen, selbständig und effektiv mit einer Maske umzugehen. „Wenn sie selbst von der Bedeutung des Maskentragens überzeugt sind, können sie auch ihre Kinder überzeugen“, erklärte Fischbach.

Das Tragen von Masken hat eine klare Wirkung und verringert die Anzahl der Corona-Infektionen um mindestens ein Viertel, womöglich sogar um fast die Hälfte.

 

 

 

Quellen: 

  • https://www.nber.org/system/files/working_papers/w27891/w27891.pdf
  • https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.09.24.20201178v2

 

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