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„Kultur der Laxheit und Ineffizienz“

DMZ – WIRTSCHAFT ¦

 

Wirecard-Jäger Fraser Perring greift die deutsche Finanzaufsicht Bafin an. Deren Chef und seineStellvertreterin seien in Skandale verwickelt. Die Behörde sei nicht geeignet, Vertrauen in den Börsenstandort Deutschland zu entwickeln. Wäre sie ein Unternehmen, wäre sie bankrott, sagt Perring im Exklusivgespräch. Die BaFin selbst schweigt zu den Vorwürfen.

 

Der britische Leerverkäufer und Firmenjäger Fraser Perring, der mit seinem Analystenteam Viceroy, die Wirecard-Affäre ins Rollen gebracht hatte, greift zum ersten Mal die BaFin und ihren Chef Felix Hufeld direkt an: „Wie kann eine Finanzaufsichtsbehörde irgendeinen Respekt verlangen, wenn sie Hufeld erlaubt, seine Position zu behalten?“, fragt Perring im Gespräch mit WirtschaftsKurier.

 

Perring zählt derzeit zu den umstrittensten Akteuren am Finanzmarkt. Er verdient sein Geld mit Leerverkäufen. Das sind im Prinzip Wetten auf fallende Aktienkurse von Unternehmen. Kritiker bemängeln, dass Leerverkäufer gezielt schlechte Nachrichten streuen, um Kurse abstürzen zu lassen. Befürworter führen ins Feld, dass Leerverkäufer übertriebene Bewertungen von Unternehmen korrigieren. Perring hatte im Fall Wirecard im Gegensatz zu Analysten und Aufsichtsbehörden wie der BaFin von Anfang an Informanten Glauben geschenkt, die von einer riesigen Betrugsmaschinerie bei Wirecard berichteten, was sich schließlich als wahr herausstellte. Im September griff Perring mit dem Leasingspezialisten Grenke ein weiteres deutsches Unternehmen an, diesmal eines, das im MDAX notiert ist. Auch hier erhob er Betrugsvorwürfe, die Grenke bisher zum Teil widerlegt hat. Die offiziellen Untersuchungen der BaFin in diesem Fall laufen noch.

 

Untersuchungsausschuss prüft BaFin-Verhalten

Im Fall Wirecard ist das Verhalten der Bafin und ihres Spitzenpersonals inzwischen selbst Gegenstand von Nachforschungen geworden: Ein Untersuchungsausschuss des Bundestags prüft die Verwicklungen der Behörde und des für sie zuständigen Finanzministeriums in die Vorgänge bei dem Pleiteunternehmen. Auch Behördenleiter Hufeld muss den Mitgliedern des Untersuchungsausschusses Rede und Antwort stehen.

Hufeld sei für ihn zusätzlich unglaubwürdig, weil er seiner „Leutnantin Elisabeth Roegele erlaubt, das Gebäude der BaFin überhaupt noch zu betreten“, wo sie doch in den CumEx-Skandal verwickelt sei. Perring spielt darauf an, dass die Stellvertreterin von Hufeld in ihrer vorherigen Position als Chefjustitiarin der Dekabank an CumEx Deals beteiligt gewesen ist. Bei diesen Geschäften nutzten, vorwiegend Banken eine Gesetzeslücke aus und ließen sich Steuern mehrmals zurückerstatten. Gerichte werten CumEx Deals inzwischen als Straftat. Dem Staat sind Milliardenschäden entstanden. Auch gegen die Dekabank laufen Ermittlungen. Protokolle belegen die Beteiligung Roegeles an den Vorgängen. Sie selbst hat jede Schuld von sich gewiesen: „Ich halte Cum-Ex-Geschäfte für rechtswidrig“, sagte Roegele kürzlich. „Das Ziel der Dekabank war es nicht, sich an Geschäften zu beteiligen, die auf die doppelte Erstattung der Kapitalertragsteuer zielten.“

 

Europäische Finanzaufsicht rügt

Perring wischt das vom Tisch. In der BaFin herrsche eine „Kultur der Laxheit und Inneffizienz“, sagt er im Gespräch mit dem WirtschaftsKurier. Er verweist auf die Überprüfung der europäischen Finanzaufsichtsbehörde ESMA. Sie hatte jüngst in einem Bericht mit ungewöhnlich scharfen Worten die deutsche Aufsicht kritisiert: „Mängel, Ineffizienzen und rechtliche und verfahrenstechnische Hindernisse“ habe sie bei ihrer Untersuchung der Verwicklung der BaFin in den Wirecard-Skandal festgestellt. Insbesondere die enge Beziehung zwischen BaFin und Finanzministerium halten die europäischen Aufseher für gefährlich.

Dieser Kritik schließt sich Perring an: „Wir haben sehr wenig Vertrauen in die BaFin“. Ohne wesentliche Reformen, ohne eine Veränderung ihrer Befugnisse und eine neue Struktur könne sie ihre Aufgabe nicht erfüllen. „Wenn die BaFin ein börsennotiertes Unternehmen wäre“, schließt Perring, „wäre sie längst bankrott.“ Die Behörde selbst lässt die Angriffe von Perring auf Nachfrage unkommentiert.                          

 

 

Quelle und Ersterscheinung: https://www.wirtschaftskurier.de/titelthema/artikel/wirecard-jaeger-fraser-perring-greift-die-deutsche-finanzaufsicht-bafin-an.html


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