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Hilferuf per Weihnachtskarte

DMZ – GESELLSCHAFT/LEBEN ¦ Patricia Jungo ¦

 

Ein sechsjähriges Mädchen aus London staunte nicht schlecht, als sie auf der Weihnachtskarte, die sie gerade beschriften wollte, bereits einen handgeschriebenen Text entdeckte. Florence Widdicombe dachte vorerst an einen Scherz und fand es doch sehr seltsam, dass ihre Büsi-Weihnachtskarte bereits beschrieben war. In Grossbuchstaben war ein Hilferuf zu lesen: «Wir sind ausländische Gefangene im Qinqpu-Gefängnis in Shanghai, China. Sind gezwungen, gegen unseren Willen zu arbeiten. Bitte helft uns und verständigt Menschenrechtsorganisationen.»

 

Sofort erzählte das kleine Mädchen ihrer Mama von der seltsamen Entdeckung. Gegenüber „Sky News“ sagte Florence, es habe eine Weile gedauert, bis die beiden realisiert hätten, was sie gerade gelesen hatten. Vater Ben Widdicombe erzählte «Times on Sunday», sie allen seien ziemlich geschockt gewesen, zumal die Nachricht auch einen Namen enthalten habe und die klare Bitte, sich bei genau der Person zu melden. Ben Widdicombe erklärte, es sei seine Verantwortung gewesen, die Karte auch wirklich Peter Humphrey zu übergeben.

 

Er und seine Frau hätten ihrer Tochter nur das Notwendigste erklärt. Gekauft wurde die besagte Karte bei der Detailhändler-Kette „Tesco“. Der Erlös der Karten kommt jedes Jahr zu Weihnachten einer wohltätigen Organisation zu. Tatsächlich bestätigte Peter Humphrey wenig später die Echtheit der Nachricht. Der frühere Journalist und seine Frau verbrachten zwei Jahr in China in einem Gefängnis wegen einer erlogenen Anklage. Er kannte das Qinqpu-Gefängnis aus eigener, trauriger Erfahrung und vermutete auch, wer die Nachricht geschrieben hatte. Den Namen wollte Peter Humphrey aus Angst vor Sanktionen nicht nennen. Er beschrieb die Arbeit der Insassen als weitreichend: Verpacken von Waren bis Verarbeitung von Kleidung; dies auch für westliche Luxusmarken. Familie Widdicombe ist immer noch etwas schockiert vom Hilferuf auf der Weihnachtskarte. Der Detailhändler Tesco betonte, man wolle keine Produkte verkaufen, die von Zwangsarbeitern hergestellt werden und man werde nun den Zulieferer überprüfen.

 

Bereits im Jahre 2017 stiess eine Sainsburys-Kundin aus Essex auf eine ähnliche Botschaft in einer Weihnachtskarte. 2014 fand eine Frau aus Nordirland einen Zettel in einer Hose, welche in China hergestellt wurde. Die Arbeit im Gefängnis wurde darauf beschrieben. Es galt 15 Stunden am Tag zu schuften, um Mode für den Export anzufertigen. Als Verpflegung wurde den Insassen Essen vorgesetzt, welches man nicht einmal Tieren zumuten würde.

 

 

Quelle: bluewin news


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