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Schutzkonzepte scheitern - wie alles andere auch stets am Menschen

Auch nach einem Jahr können viele Menschen die Masken immer noch nicht richtig tragen (SRF Printscreen)
Auch nach einem Jahr können viele Menschen die Masken immer noch nicht richtig tragen (SRF Printscreen)

DMZ – GESETZ / RECHT ¦ Anton Aeberhard ¦

KOMMENTAR

 

Die Kantone haben bisher rund 80'000 Kontrollen von Corona-Schutzkonzepten durchgeführt. Eine Auswertung zeigt jetzt eindrücklich wo es am meisten Beanstandungen gibt. Leider werden die meisten Verstösse wie erwartet bei Veranstaltungen, Indoor-Freizeitbetrieben, Bars und Restaurants festgestellt. Auch in Medienauftritten werden - meist unbewusst - viele Mängel sichtbar. Wie gestern erneut auf SRF. Die Masken können offenbar immer noch nicht alle Leute richtig tragen, was ein Schutzkonzept auch ad absurdum führt. Auch das beste Schutzkonzept scheitert letztlich am Menschen. Bis jeder kapiert hat, worum es bei Schutzkonzepten und Massnahmen geht und immer noch Tausende Infektionen täglich passieren, kann und darf man nicht von Lockerungen sprechen.

 

Förster, Schreinerinnen und Gärtner: Sie dürfen seit dieser Woche wieder im Restaurant zu Mittag essen. Der Bundesrat hat den Kantonen erlaubt, diesbezüglich die Corona-Regeln zu lockern. Viele Kantone nutzen diese neue Freiheit und machen es den Restaurants möglich, über den Mittag zu sogenannten Büezer-Beizen zu werden. Um «Berufstätige im Ausseneinsatz» zu bedienen, wie es der Bundesrat definiert. Jetzt wo es wieder wärmer ist, ist dieses Angebot allerdings kaum mehr zu rechtfertigen.

 

Medienleute scheint es egal

Immer wieder ist zu sehen, wie bei Interviews und anderen TV-Auftritten weder Abstände eingehalten, Masken richtig getragen, Schutzkonzepte generell vergessen werden. Erstaunlich dabei, dass entsprechende Medienleute nicht intervenieren und wenigstens während dem Dreh dafür sorgen, dass sich alle an Vorschriften halten. Dies kann man nun bereits seit Anfang der Pandemie immer wieder beobachten. Scheinbar verhallen Reklamationen wirkungslos.

 

In den Bestimmungen heisst es, dass die Arbeitgebenden verpflichtet, alle erforderlichen Massnahmen zum Schutz der Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu ergreifen. Das heisst, die Arbeitgebenden müssen gewährleisten, dass die Mitarbeitenden die Regeln und Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit BAG betreffend Verhalten und Hygiene einhalten können. Wie soll das gehen, wenn meist gar die Arbeitgebenden die Bestimmungen missachten?

 

Nationalrat debattiert über rasche Öffnungen

Heute Morgen berät die grosse Kammer, ob er den Bundesrat beauftragen will, die Gastrobetriebe am 22. März zu öffnen. Eine entsprechende dringliche Erklärung hat die Wirtschaftskommission des Rats eingebracht. Unglaublich aber wahr. Da reibt man sich die Augen vergebens. Es ist Tatsache. Allen Fakten zum Trotz wollen hier erneut die Bürgerlichen über Menschenleben entscheiden.

In der Erklärung wird verlangt, dass die Gastro wie auch Betriebe in den Bereichen Kultur, Unterhaltung, Freizeit und Sport am 22. März geöffnet werden. Weiter wird der Bundesrat aufgefordert, die Fünf-Personen-Regel in Innenräumen per sofort aufzuheben.

Zudem soll der Bundesrat umgehend eine Öffnungsstrategie erarbeiten und Planungssicherheit für kulturelle und sportliche Grossanlässe schaffen. Angestossen wurde die Forderung von der SVP. Der Antrag kam in der bürgerlich dominierten Wirtschaftskommission mit Unterstützung aus der FDP und der Mitte-Fraktion durch.

Die Erklärung ist unverbindlichen, auch wenn sie eine Mehrheit im Nationalrat erreicht. Ob die Forderungen auch ins Covid-19-Gesetz kommen, wird nicht heute entschieden.

 

WHO warnt, dass Infektionen wieder steigen - der Politik ist das egal

Sechs Wochen lang sanken die weltweiten Corona-Neuinfektionen, nun meldet die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Trendwende. Gemäss ihrem neusten Bericht wurden in der letzten Februarwoche 2.6 Millionen neue Infektionen gemeldet, 7 % mehr als in der Vorwoche.

Dieser Anstieg könnte mit der Ausbreitung von ansteckenderen Virus-Varianten zu tun haben, schreibt die WHO. Weitere mögliche Gründe seien Lockerungen von Massnahmen und die Corona-Müdigkeit in der Bevölkerung. Am stärksten sind die Fallzahlen laut Bericht im Nahen und Mittleren Osten angestiegen, nämlich um 14 Prozent. Aber auch in Südostasien (9 %), Europa (9 %) und in Amerika (6 %) wurde ein Anstieg verzeichnet.

Die WHO betonte, dass Corona-Impfungen erst nach Wochen immun machen. Bis zu einer breiteren Schutzwirkung für ganze Bevölkerungsgruppen werde es noch länger dauern. Deshalb müsse weiter auf Tests, Kontaktverfolgung, Abstand, Masken und Hygiene gesetzt werden. Wir dürfen gespannt sein, wie oft es die Bürgerlichen noch vergeigen und weiterhin ungestraft mit Menschenleben spielen dürfen.


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