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RRRrrrr Renners Rasende Randnotiz - Frühlingsgefühle

Alon Renner (Potrait von Olivia Aloisi)
Alon Renner (Potrait von Olivia Aloisi)

DMZ – KOLUMNE ¦ Alon Renner ¦

 

Frühlingsgefühle: Das passiert in unserem Körper, wenn wir geil sind!

Herzlich willkommen zu meiner neuen Kolumne. Mehr gibt es dem Vorspann heute nicht hinzuzufügen. Ausser einer Playlist. Freut Euch auf die 20 ausziehendsten Lieder aller Zeiten.

Im Frühling flattern Schmetterlinge nicht nur durch die Lüfte. Mann und Frau spüren sie auch ziemlich heftig in ihren Bäuchen und auch etwas weiter unten. Doch trifft uns die Geilheit im Frühling wirklich öfter als in anderen Jahreszeiten? Und warum versetzt sie uns eigentlich in diese sonderbare, euphorische Stimmung?

 

Lasst uns unterscheiden zwischen dem Verliebtsein und der puren Geilheit. Verliebte befinden sich ja bekanntlich in einem absoluten Ausnahmezustand. Untersuchungen mittels MRT (Magnetresonanztomografie) konnten bildlich belegen, dass beim Verliebtsein die gleichen Gehirnareale aktiv sind wie bei Süchtigen. Voll und ganz auf das Objekt der Begierde konzentriert, blenden sie alles andere aus. Evolutionsbiologen nehmen an, dass diese extremen Gefühle wichtig sind, damit ein Paar die anfängliche Fremdheit überwindet, um sich so schnell wie möglich mit der Fortpflanzung zu beschäftigen.

Dieser Zustand des Verliebtseins ist ein komplexes Zusammenspiel aus Hormonen und Neurotransmittern. Auslöser ist vor allem der kecke Botenstoff Dopamin, der mit dem Belohnungssystem im Gehirn verbunden ist und uns in eine glückselige und rauschhafte Stimmung versetzt. Hinzu kommen weitere Hormone wie z.B. das Adrenalin, das Bauchkribbeln und Herzklopfen verursacht. Verblüffenderweise sinkt jedoch ein anderes Glückshormon: So ist der Serotonin-Spiegel bei Verliebten genauso niedrig wie bei Menschen mit Zwangsstörungen. Wissenschaftler sehen darin eine Erklärung für die oftmals extreme Fixierung auf den Partner, die neurotischem Verhalten sehr ähnlich ist. Und schließlich ist auch das Kuschelhormon Oxytocin, das Vertrauen und Bindung zweier Menschen stärkt, beim Verliebtsein rege beteiligt.

 

Warum wir uns aber zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt in eine ganz konkrete Person verlieben, bleibt nach wie vor ein großes Rätsel. Ein Puzzle aus Erklärungsansätzen und Theorien versucht seit Jahrzehnten der Sache auf den Grund zu gehen. Zahlreiche Faktoren wie das Aussehen, der Körpergeruch, Charaktereigenschaften, aber auch gemeinsame Interessen, Werte und der Status des anderen spielen eine grosse Rolle. Selbst die äußeren Umstände können entscheidend sein: So verlieben wir uns leichter bei ansprechender Musik oder in aufregenden Situationen, zum Beispiel zu zweit bei einer Nachtwanderung, einer Bergtour, einer Flugreise, etc. Unbewusst wird die äußere Erregung, die eigentlich wegen der aufregenden Situation eintritt, auf die andere Person übertragen und das Gehirn stellt fest: „Ich bin verliebt.“

Wir sehen: Verliebtheit ist nichts anderes als ein Missverständnis und vor allem ein chemischer Prozess, dem wir aus evolutionstechnischen Gründen unterworfen sind. Und genauso verhält es sich mit der Geilheit. Nur, dass da etwas explizitere und schärfere Hormone zum Zuge kommen. Aber alles der Reihe nach. Die Anfangsfrage war: Was hat dies alles mit dem Frühling zu tun?

 

Wenn die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht, keimen auch bei uns Menschen die Frühlingsgefühle auf. Nicht nur optische Reize, wie bunte und kräftige Farben und der Duft von Blumen, Gras und Bäumen heben die Laune. Vor allem das Sonnenlicht übt eine starke Wirkung auf unser Befinden aus. So sinkt durch die länger werdenden Tage die Konzentration des Schlafhormons Melatonin und macht uns wacher. Gleichzeitig steigt die Konzentration der Glückshormone Serotonin und Dopamin, wodurch wir uns fröhlicher und vitaler fühlen. Beim Mann ist es sogar so, dass das Sexualhormon Testosteron einem jahreszeitlichen Rhythmus unterliegt. Im Frühling und im Sommer wird mehr davon produziert. Der Tatendrang erwacht. Dieses Hormon ist aber auch für die Psyche wichtig. Ist der Testosteronspiegel erhöht, fühlt sich der Mann gut und ausgeglichen. Und ist für die Reize seiner Umgebung empfänglich. Bei Frauen gibt es solche ausgeprägten jahreszeitlichen Rhythmen hingegen nicht.

 

Ganz im Unterschied zu den Tieren. Denn diese müssen ihre Geburten auf eine Zeit im Jahr festlegen, in der der Nachwuchs die besten Überlebenschancen hat. In der Regel ist dies der Frühling. Kleintiere mit einer kurzen Tragezeit sind deswegen hauptsächlich von März bis Mai sexuell aktiv. Bei Tieren mit langen Schwangerschaften wie z.B. Rehe, spielt sich die Fortpflanzung im Herbst und Winter ab, mit dem Ziel, dass der Nachwuchs im Frühjahr geboren wird. Beim Menschen gab es diesen Rhythmus bis Mitte der 70er Jahre ebenfalls. Der Mai ist auch deshalb der 'Wonnemonat', weil in diesem Monat die meisten Kinder gezeugt wurden. Heutzutage allerdings pflanzt sich der Mensch am liebsten im Dezember fort. Die Wissenschaft geht davon aus, dass der biologische Rhythmus von einem sozialen abgelöst wurde. Vor dem 20ten Jahrhundert spielte das Wetter eine viel stärkere Rolle als heute, es gab keine Zentralheizung und keine Elektrizität. Auch waren die Menschen viel öfter draußen. So waren sie Wind und Wetter ausgesetzt. Dies schlug sich auf ihre Libido nieder. Ganz zu schweigen von den beiden Weltkriegen und der Weltwirtschaftsdepression, die das ihre getan haben um die Lust und den Fortschritt zu Beginn des 21ten Jahrhundert zu bremsen. Im Frühling war es hell und warm. Da machte Sex gleich viel mehr Spass. Jetzt kuschelt man dafür im Dezember öfters. Da werden viele Feste gefeiert und der Alkohol fliesst in Strömen. Nach den anstrengenden Weihnachtstagen erholt man sich beim Vögeln.

 

Nichtsdestotrotz: Wenn es wärmer wird, tragen Frauen kürzere Kleidung und Männer präsentieren im T-Shirt ihre Bizeps. Man entblättert sich. Und atmet den Duft der Parfums und Eaux de Toilette ein. Dies lockt, wie bei der Blume, potentielle Partner an.

 

Frühlingsgeilheit gibt es auch in anderen Kulturen. So sind in Amerika das Spring Fever und die ausgelassenen Parties während des Spring Breaks (die Frühlingsferien während des Studienbetriebs) bekannt. Je näher man aber dem Äquator kommt, desto geringer sind die Unterschiede zwischen Tag und Nacht, zwischen Sommer und Winter auszumachen. Und umso weniger ist dort das Phänomen der Frühlingsgeilheit bekannt.

 

In Zeiten von Corona, mit Masken, 2 Meter Abstand, geschlossenen Cafés, Restaurants und Clubs geht aktuell nicht viel in den Betten der Bevölkerung. Das stetige Aufeinandersitzen im Homeoffice ist für die Lust der Paare nicht eben förderlich und die Singles haben zur Zeit wohl weniger Sex als eine verheiratete 70jährige. Selbstverständlich gibt es all die Onlineportale. Aber mehrere Dates vereinbaren, um zu sehen, ob es machted - ausgerechnet jetzt in der Pandemie? Da machen es sich die meisten wohl lieber selbst.

 

PS: Mit den Fingern lässt sich übrigens auch ganz gut blättern. Soeben hat Simone Meier mit «Reiz» ein Gesellschaftsroman veröffentlicht, in dem nicht wenig gevögelt wird. Anhand von zwei Erzählfäden lernen wir einen Teenager und eine Journalistien kennen. Er, noch ganz grün hinter den Ohren. Sie, in den besten Jahren. Und ihre Irrungen und Wirrungen durch ihr reichhaltiges Liebesleben. Samt Peinlichkeiten, Missgeschicken, Frust und immer wiederkehrenden Glücksmomenten bei einer Amerikanischen Kaffeehauskette. Er hat noch so einiges vor sich, was sie schon hinter sich hat. Die Frage, wie Liebe und Sex ein Leben und vor allem auch dessen Verlauf prägen, bringen die beiden in einem dramatischen Moment zusammen.

 

Erhältlich in der Buchhandlung Eures Vertrauens. Simone Meier tritt diesen Sonntag im Maison du Futur (maison-du-futur.ch) auf.

 

Ladys and Gentleman:

Here we go! All Killers - No Fillers! 

RRRrrrr proudly presents:

 

Die Ultimative Frühlings-Playlist!

Die 20 ausziehendsten Songs aller Zeiten über die schönste Nebensache der Welt.

 

Chuck Berry: My Ding-A-Ling

https://www.youtube.com/watch?v=IIZHNhLvPmE

The Rolling Stones: I can get no Satisfaction

https://www.youtube.com/watch?v=nrIPxlFzDi0

The Beatles: Why Don’t We Do It In The Road?

https://www.youtube.com/watch?v=p4E6KtQg_z0

Jane Birkin et Serge Gainsbourg: Je t’aime

https://www.youtube.com/watch?v=k3Fa4lOQfbA

Marvin Gaye: Sexual Healing

https://www.youtube.com/watch?v=rjlSiASsUIs

Chef (Isaac Hayes): No Substitute

https://www.youtube.com/watch?v=y9V4q7CkOfc

Chef (Isaac Hayes): Chocolate Salty Balls

https://www.youtube.com/watch?v=sjrdanK4LSY

James Brown: Sex Machine

https://www.youtube.com/watch?v=1UzZUfFUnxY

Prince & NPG: Cream

https://www.youtube.com/watch?v=gwyGxgaIe2Q

Frank Ocean: Novacane

https://www.youtube.com/watch?v=hgOu8eRJZ3Q

Arctic Monkeys: Do I Wanna Know?

https://www.youtube.com/watch?v=bpOSxM0rNPM

The Roots – The Seed

https://www.youtube.com/watch?v=ojC0mg2hJCc

Bon Entendeur vs Isabelle Pierre – Le Temps Est Bon

https://www.youtube.com/watch?v=RMWBriHwVrI

50 Cent: Candy Shop

https://www.youtube.com/watch?v=SRcnnId15BA

Kelis – Milkshake

https://www.youtube.com/watch?v=6AwXKJoKJz4

Mouse T: Horny

https://www.youtube.com/watch?v=-j6muYHRX90

Robin Thicke – Blurred Lines feat T.I., Pharrell

https://www.youtube.com/watch?v=yyDUC1LUXSU

Nelly – Hot In Here

https://www.youtube.com/watch?v=GeZZr_p6vB8

Doja Cat: Cyber Sex

https://www.youtube.com/watch?v=uDr9hRJqPX4

Nicki Minaj: Anaconda

https://www.youtube.com/watch?v=LDZX4ooRsWs

 

 


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