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Krieg im Netz – (k)ein Rezept dagegen: Sandro Brotz (SRF)

Bildquelle & (c) SRF
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DMZ – BILDUNG ¦ Anton Aeberhard ¦

 

Ein respektvoller und friedlicher Umgang miteinander ist nicht nur offline, sondern auch im Netz wichtig, damit sich jede und jeder, der online unterwegs ist, wohlfühlt. Im Netz werden Menschen immer häufiger mit diskriminierenden Aussagen angegriffen. Besonders über soziale Medien verbreitet sich Hass sehr schnell. Wenn Personen andere beleidigen, herabsetzen oder ihnen Gewalt androhen, weil sie zu einer bestimmten Gruppe gehören, nennt man das Hate Speech.

 

Dabei verstecken sich die angreifenden Personen oft hinter dem Argument, dass man seine Meinung frei äussern darf. Sie berufen sich dabei auf das Recht auf Meinungsfreiheit, das es im Grundgesetz gibt. Das bedeutet aber nicht, dass Hate Speech okay ist. Denn Hate Speech verletzt Persönlichkeitsrechte, die noch etwas mehr Bedeutung haben als das Recht auf Meinungsfreiheit. Viele Menschen äussern sich besonders im Internet schlecht und gemein über andere, weil sie dort unbekannt bleiben können.

 

Eine feindliche und negative Stimmung im Netz ist sehr gefährlich. Bei einer hohen Zahl von Hasskommentaren macht es den Eindruck, dass der Hass von allen akzeptiert wird. So ist es sehr wahrscheinlich, dass auch im echten Leben Gewalt gegen Personen dieser Gruppen angewendet wird. Hasskommentare sind leider der Alltag im Netz. Das kann sich ändern, sagen wir. Indem wir vor dem Kommentieren durchatmen. Und durch strengere Gesetze. Zu diesen brisanten Thema haben wir aus aktuellem Anlass den bekannten Moderator von SRF «Arena», Sandro Brotz, befragt. Weil er im Zusammenhang der Demonstration einen Kommentar auf Twitter veröffentlichte, wurde er nun, nebst viel Zuspruch, auch massiv angegriffen. "Leider" weilt Sandro Brotz diese Woche in den Ferien und kann darum unsere Fragen nicht rechtzeitig beantworten.

 

Aktuell schreibt er in den Sozialen Medien allerdings vielsagend: "Ich verabschiede mich für eine geraume Zeit von Facebook, Twitter und Instagram. Zuviel #HassImNetz. Ich danke für die kritische Begleitung und die unterstützenden Worte. Wir hören, sehen und lesen uns irgendwann wieder." Unsere erste Frage wäre somit wohl auch beantwortet: "DMZ: Sandro Brotz, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns nehmen. Wie geht es Ihnen heute, auch im Bezug auf die Geschehnisse der letzten Tage?"

 

DMZ: Hasskommentare sind im Netz gang und gäbe. Viele Wissenschaftler haben auch schon herausgefunden, wieso das so ist und gewisse Menschen so ticken. Allerdings ist auch dies kein Grund diesen Hass zu akzeptieren oder zu verschweigen. Sie wurden teilweise auf übelste Art und Weise angegangen. Vielfach sind Kommentare sogar strafrechtlich relevant. Wie kommen solche Kommentare bei Ihnen an und wie gehen Sie konkret damit um? Und wie stehen Sie dazu, dass Sie aus Sicht der Gerichte als öffentliche Person automatisch mehr einzustecken haben? Will heissen: Wenn eine Privatperson so angegangen wird wie Sie, ist es automatisch strafrechtlich relevant. Bei Ihnen als Person der Öffentlichkeit nicht automatisch. Hier scheint auch eine passende Antwort gefunden. Mit Zeit, Abstand und Abstinenz lässt es sich aushalten, sonst kaum.

 

Also Abschluss gerne einen Post von Sandro Brotz:

"Meine 1000 Zeichen, No 32.

Manchmal gibt es diese Tage. Diese Tage, an denen man sich das nicht mehr antun mag. Twitter. Facebook. Instagram. Soziale Medien, die mit sozial plötzlich nicht mehr viel zu tun haben. Wenn man dir «die Fresse polieren will», dich als «lügendes Dreckspack» bezeichnet und wahlweise «du gehörst in den Knast» oder «du gehörst vergast» liest.
Nein, ich bin keine Mimose. Wer die Hitze nicht verträgt, hat in der Küche – oder eben: vor der Kamera – nichts zu suchen. Das war und ist mir immer bewusst. Genauso klar ist, dass der Absender vermutlich oftmals ein Ventil sucht. Dieser Frust und der Hass nicht viel mit mir als Person zu tun haben. Es führt auch dazu, dass ich meine Worte künftig noch mehr abwägen werde.
Und dennoch: Wir müssen darüber reden. Über Hass im Netz. Es kann alle treffen. Wir dürfen es nicht zulassen. Diese Entwicklung macht mir Sorgen. Sie mag mit der besonderen Lage in diesen Corona-Zeiten zusammenhängen. Aber sie ist nicht zu tolerieren.
Hass ist keine Meinung. Und wird von mir nicht toleriert. Darum mache ich weiter. Auf Twitter. Facebook. Instagram. Weil ich darauf zähle, dass die Minderheit, die Hass sät, sich nicht durchsetzen wird. Weil ich auf uns alle zähle."
Wir wünschen gute Erholung und Kopf hoch!

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