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Faktencheck zu den Aussagen von Sherri Tenpenny

DMZ – WISSENSCHAFT ¦ Anton Aeberhard & David Aebischer ¦

KOMMENTAR

 

Dr. Sherri Tenpenny gehört zu den Leuten, die von Facebook, Twitter und Google gelöscht werden soll, dazu wurden die Unternehmen vom US-Gesetzgeber aufgefordert. Dies weil in verschiedenen Videos Lügen über Covid-19 Impfstoffe verbreitet werden. Darin wird sogar behauptet, dass Lungenschäden durch Corona-Impfungen entstehen. Auch auf Whatsapp kursiert eine Sprachnachricht, die sich darauf  bezieht. Das Positive zuerst: Die Informationen in der Nachricht und im Video sind an den Haaren herbeigezogen und falsch. Das Negative: Erneut glauben viele Leute diesen Humbug. Es wird Zeit solche Falschmeldungen nicht nur einfach zu löschen, sondern Urheber und Verbreiter strafrechtlich zu verfolgen!

 

Zuerst sollte man vorausschicken, dass Sherri Tenpenny eine amerikanische Impfgegnerin ist, die die widerlegte Hypothese unterstützt, dass Impfstoffe Autismus verursachen. Als Osteopathin verfügt sie über kein Medizinstudium, studierte nie an einer wissenschaftlichen Universität. Obschon sie Autorin von vier Büchern gegen Impfungen ist, wird einmal mehr klar, dass sie sehr merkwürdige Vorstellungen von immunologischen Prozessen hat und  verfügt über kein wissenschaftliches Wissen. Eine ihrer  Vortragsreisen, die 2015 durch Australien gehen sollte, wurde wegen eines öffentlichen Aufschreis über ihre Ansichten zur Impfung sogar abgesagt. Denn die Ansichten stehen gegen den etablierten  wissenschaftlichen Konsens. Sie hat einen absolut schlechten Ruf und all ihre Thesen wurden mehrfach widerlegt. Mehr als Scharlatanerie ist das nicht was Sherri Tenpenny betreibt. Trotz dieser Tatsachen findet sie immer noch einige Leute, die ihren Lügen glauben. Das ist brandgefährlich, vor allem vor dem Hintergrund, dass Tenpenny laut einer Analyse von Twitter und Facebook im März 2021, eine von 12 Einzel- und Organisationskonten ist, die bis zu 65 % aller Falschmeldungen zu Impfungen auf den Plattformen verbreitet. Im Übrigen behauptet sie auch sonst alles, was Corona-Lästerer behaupten, z.B. auch, dass die Masken nichts bringen, gar gefährlich sind.

 

Tenpenny nutzt jede Chance und springt auf jeden Zug auf

Die Unsicherheit gegenüber der Corona-Impfung ist bei vielen Menschen gross. Und das nicht erst seit den Bedenken gegenüber dem Astrazeneca-Impfstoff, er könnte in Zusammenhang mit dem Auftreten einer seltenen Thrombose-Form stehen. Die Medien tun ein weiteres Mal ihr Übriges, indem sie weitestgehend negativ über den Impfstoff Astrazeneca berichten. Auch Falschmeldungen werden munter verbreitet. Dies nutzt Sherri Tenpenny ebenfalls aus, wie bereits in der Vergangenheit. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, kommt sie mit ihren Absurditäten an die Öffentlichkeit. Auf verschiedenen Kanälen, denn auf diversen ist sie bereits seit Langem gesperrt. Nach einem Interview mit Dr. Sherri Tenpenny in den USA kursiert nun seit Kurzem auch in Europa eine Whatsapp-Nachricht, die die Impf-Bedenken erneut befeuert. In der rund 11 Minuten langen Sprachnachricht, übersetzt eine bislang unbekannte Frau Tenpennys Aussagen ins Deutsche, und erklärt, warum die Corona-Impfung von Biontech/Pfizer zu Schäden im Körper und schliesslich zum Tod führen könnte. Diese Behauptungen entbehren jeglicher Grundlage und Beweisen.

In der Sprachnachricht wird mit medizinischen Fachbegriffen um sich geworfen und vermeintlich logische, wissenschaftliche Zusammenhänge werden erklärt. Die Informationen sind falsch.

 

"Da kennt jemand die Grundlagen der Immunologie nicht."

Professor Bernd Salzberger, Bereichsleiter Infektiologie am Uniklinikum Regensburg und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie

 

Das Video wurde auch als Teil der Bemühungen von Facebook markiert, Falschmeldungen und Fehlinformationen in seinem News Feed zu bekämpfen. Es wurde tausende Male auf der Plattform geteilt – trotz Facebooks Verbot von Impfstoff-Inhalten.

 

Behauptungen im Faktencheck

In dem Video vom Februar 2021 und der Whatsappnachricht erklärt Tenpenny fälschlicherweise, dass COVID-19-Impfstoffe Tod und Autoimmunerkrankungen verursachen, und sagt darin wortwörtlich: "Einige Menschen werden direkt an dem Impfstoff sterben, aber eine grosse Anzahl von Menschen wird anfangen, schrecklich krank zu werden und alle Arten von Autoimmunerkrankungen zu bekommen." Das ist nicht eingetroffen und wird auch nicht eintreffen. Das ist unmöglich. Weiter behauptet sie, dass die Reaktion auf das Spike-Protein (aus dem Impfstoff) im Körper einen nicht-neutralisierenden Antikörper erzeuge, der eine antikörperabhängige Verstärkung erzeuge und so die ständige Selbst-Replikation des Spike-Proteins ermögliche. Was für empfängliche Menschen hoch wissenschaftlich klingen mag, ist blanker "Unsinn". Auch das Robert-Koch-Institut sagt eindeutig: "Sie [Anmerkung d. Redaktion: die mRNA aus dem Impfstoff] wird nicht in DNA umgebaut und hat keinen Einfluss auf die menschliche DNA, weder in Körperzellen noch in Keimbahnzellen. Nach dem Abbau der mRNA findet keine weitere Produktion des Antigens statt."

 

Auch die irrsinnige Behauptung, dass das Spike-Protein im Impfstoff (und die Antikörper dagegen) Schäden im Körper verursachen und dabei die RNA an Antikörpern binde und deshalb nicht von den Makrophagen aufgenommen werde, dabei RNA freigesetzt und vervielfältigt würde ist absoluter Blödsinn. RNA kommt im Körper schliesslich nicht isoliert vor, die würde sofort abgebaut. Beim Bundesministerium für Bildung und Forschung heisst es: "Bei mRNA handelt es sich um ein Botenmolekül, das nicht in die DNA einer Zelle eingebaut werden kann und relativ schnell vom Körper abgebaut wird. Eine Veränderung des Erbguts, das heisst eine Beeinträchtigung der Keimzellen (Eizellen/Spermien), kann damit nicht stattfinden."

 

Das Spike-Protein (und die produzierten Antikörper) aus dem Impfstoff können die Lunge und das Lungengewebe zerstören. Es kann zu Eiter und Blutungen kommen, sind weitere Behauptungen, die falsch sind. Beim RKI heisst es: "Bei in Europa zugelassenen Impfstoffen wurde im Rahmen kontrollierter klinischer Prüfungen beim Menschen deren Qualität und Herstellung, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit geprüft." Wie bei jeder Impfung, könnten auch nach der Covid-19-Impfung Impfreaktionen und Nebenwirkungen auftreten. Bisher sind vor allem leichte Symptome bekannt: Die häufigste lokale Reaktion waren Schmerzen an der Einstichstelle. Unter den systemischen Reaktionen waren Abgeschlagenheit sowie Kopfschmerzen die häufigsten Ereignisse. Schwere unerwünschte Ereignisse mit hohem Schweregrad und solche, die als lebensbedrohlich klassifiziert wurden, traten in der Impfstoff- und Placebogruppe gleich häufig auf. Weder in der Impfstoff- noch in der Placebogruppe traten Todesfälle auf, die auf die Injektion des Impfstoffs oder der Kochsalzlösung zurückzuführen waren.

 

Die Erfahrungen mit vielen Impfstoffen über viele Jahre haben gezeigt, dass die meisten Nebenwirkungen kurze Zeit nach der Impfung auftreten. Impfstoffe werden aber auch nach der Zulassung durch das Paul-Ehrlich-Institut oder Swissmedic und vielen anderen Gesellschaften und Institutionen weiter aktiv überwacht, sodass hier immer mehr Erkenntnisse zur Langzeitsicherheit, insbesondere sehr seltenen Nebenwirkungen, in den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gewonnen werden. Die Institute veröffentlichen regelmässig Sicherheitsberichte zu den Covid-19-Impfstoffen, die im Internet einsehbar sind. Nach Informationen des Berichts vom 4. März kamen bislang vor allem vorübergehende Lokalreaktionen und Allgemeinreaktionen vor, die bereits aus den Zulassungsstudien bekannt waren. Zu anaphylaktischen (starken allergischen) oder schwerwiegenden Reaktionen kam es nur in seltenen Fällen.

 

Leider ist es aktuell immer noch möglich, dass eine sehr geringe Zahl von Impfgegnerinnen und Impfgegnern z.B. über Facebook gezielt eine grosse Anzahl anderer Menschen verunsichern kann. Das zeigt einerseits eine Facebook-interne Studie (Folgen darauf), andererseits auch andere Untersuchungen (z.B. Milieu-Studie in Deutschland von KOMM.PASSION und Neurowissenschaftler Dr. Klaus Holthausen). Auch andere Plattformen verbreiten fleissig Verschwörungsmythen. Das Vorgehen dagegen zeigt den schmalen Grat zwischen Meinungsfreiheit und dem Schutz vor Desinformation. Die Impfung gegen Covid-19 ist ein grosser Lichtblick im Kampf gegen das Corona-Virus. Dennoch sind einige Menschen verunsichert wegen solcher Gerüchte über angebliche Nebenwirkungen. Häufig zu Unrecht. Wir tragen hier die Fakten zusammen, ungeschönt und mehrfachgeprüft. Lesen Sie im Faktencheck, was dran ist an den Befürchtungen der Impfgegner.

 

Impfungen können verhindern, dass Menschen sich mit gefährlichen Krankheiten infizieren. Skeptiker fürchten jedoch, dass die Schutzimpfungen mehr schaden als nutzen. Deshalb sinkt bei vielen Menschen die Bereitschaft, sich und ihre Kinder impfen zu lassen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt die mangelnde Impfbereitschaft inzwischen zu den zehn grössten globalen Gesundheitsbedrohungen. Doch wer sich selbst oder seine Kinder nicht impfen lässt, tut das vor allem aus Sorge vor möglichen Risiken. 

 

Milieu-Studie: Das sind Deutschlands Impfgegner

Im Oktober 2020 hatte komm.passion mit dem Social-Media-Analysetool PAS 2.0 Impfgegner sichtlich ihrer sozialen Milieus und inhaltlichen Interessen (Affinitäten) untersucht. Diese Untersuchung hat die Kommunikations- und Unternehmensberatung im Januar 2021 wiederholt und teils gravierende Veränderungen festgestellt.

Was sich zu beiden Erhebungszeitpunkten zeigte: Impfgegnerinnen und -gegner sind in allen sozialen Milieus vertreten. Allerdings sticht eines besonders hervor. Fast jeder Dritte (31 %) gehört dem liberal-intellektuellen Milieu an. Zum Vergleich: Bei den traditionellen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, sowie den Aufstiegsorientierten liegen die Werte unter oder gerade mal knapp über 5 %. Diese Gruppen scheinen immun gegen Impfskepsis zu sein.

 

Radikalisierung nimmt zu - Original-Content von: komm.passion GmbH Düsseldorf

Zusätzlich ermöglicht die PAS-Analyse, die Impfgegner genauer zu charakterisieren - und zwar indem ihre Interessen (Affinitäten) abgebildet werden. So zeigte die Analyse aus dem Oktober 2020, dass es zum Zeitpunkt der Auswertung drei grosse Interessensgebiete gab: einen Störsender-Cluster mit russischen Einflüssen, ein AfD-Cluster und ein sozial-ökologisch-esoterisches Cluster. Die Analyse im Januar 2021 konnte zwei bedenkliche Aspekte herausarbeiten: Erstens gehört im AfD-Cluster neuerdings der scheidende US-amerikanische Präsident Donald Trump zur DNA der Impfgegner. Zweitens hat das gesamte "Störsender-Cluster mit russischen Einflüssen" deutlich an Relevanz gewonnen, z. B. einen Zuwachs bei "chemtrails" von 25 Prozent, bei "Widerstand 2020" ("Deine Mitmach-Partei") ein Plus von 36 Prozent. Die Ergebnisliste hat zudem neue und radikalere Entitäten erfasst, wie z.B. klagemauert.TV oder "Exsuscitati - Die Alternative für unabhängige Medien", auf deren Seite ein Video den Sturm auf das Kapitol verklärt. 

 

"Alternative-Fakten-Medien könnten weiter an Diskurshoheit gewinnen und den Zugang zu Impfskeptikern noch schwieriger werden lassen."

Jelena Mirkovic, Geschäftsführende Gesellschafterin, komm.passion GmbH

 

Die Bewegung

Die Bewegung der Impfgegnerinnen und Impfgegner zählt zu den bedeutendsten medizinkritischen Laienbewegungen. Impfgegner werden Personen genannt, die Impfungen aus sehr verschiedenen Gründen ablehnend gegenüber stehen. Eine Ablehnung ist beispielsweise religiös motiviert, kann auf naturheilkundlichen Annahmen aufbauen oder beruht auf der Angst vor Impfschäden. Bei vielen Personen verfestigt sich trotz gründlicher Beschäftigung mit der Thematik eine allgemeine Ablehnungshaltung gegenüber Impfungen.

 

Diesen Personen stehen diejenigen gegenüber, bei denen Ängste und fehlende oder Falschinformationen eine Impfgegnerschaft hervorrufen. Ein weiterer Grund für eine allgemeine Ablehnungshaltung gegenüber Impfungen ist, dass in der Öffentlichkeit die seltenen Nebenwirkungen und Komplikationen der Impfungen stärker beachtet werden und damit gegenüber dem deutlich grösseren potenziell erreichbaren Nutzen überbewertet werden.

Andere grundsätzliche Impfgegner machen beispielsweise geltend, Impfungen beruhten auf einer Verschwörung, oder sie leugnen die Existenz bzw. die Pathogenität von Viren oder die Existenz des Impfeffektes.

 

Die von grundsätzlichen Impfgegnern vorgebrachten medizinischen Argumente sind wissenschaftlich widerlegt, insofern handelt es sich um eine Form der Wissenschaftsleugnung, oder sie sind unbelegt. Die Weltgesundheitsorganisation zählt die aus verschiedenen Gründen bestehende Impfzurückhaltung zu den zehn wichtigsten Gefahren für die Gesundheit.

 

Von den in der Regel irrational und unwissenschaftlich argumentierenden Impfgegnern sind Impfskeptiker abzugrenzen. Diese sind häufig medizinisch ausgebildet,  alternativmedizinisch  orientiert und lehnen Impfungen per se nicht ab. Stattdessen vertreten sie differenzierte Ansichten wie beispielsweise über den Zeitpunkt von Impfungen oder die Impfstrategie.

 

Covid-19

Die Impfung gegen Covid-19 ist ein grosser Lichtblick im Kampf gegen das Corona-Virus. Dennoch sind einige Menschen verunsichert und Gerüchte über angebliche Nebenwirkungen halten sich hartnäckig. Häufig zu Unrecht.

Die Algorithmen des Datenkonzerns Facebook stehen immer wieder in der Kritik, da sie besonders emotionalisierende Aussagen eher begünstigen als solche mit überprüften Fakten. Was Menschen wütend macht, hat tendenziell eine grössere Reichweite und erlaubt somit mehr Werbeeinnahmen für das Unternehmen. Daran grundsätzlich etwas zu ändern, würde bedeuten, das Geschäftsmodell entweder radikal zu ändern oder auf Einnahmen zu verzichten. Beides ist nicht wirklich zu erwarten.

 

Corona Impf-Mythen Faktencheck 

"Der Impfstoff ist wirkungslos, weil sich Menschen trotzdem anstecken können"

Nein. Es wird zwar viel darüber diskutiert, dass sich Menschen trotz Impfung anstecken können udn dass dies bereits vorgekommen sei. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Zum einen reagiert der Körper nicht bei allen gleich auf den Impfstoff und bildet keine Abwehr, oder verzögert,  das ist allerdings sehr selten. Zum anderen können sich bereits Geimpfte angesteckt haben, bevor sich die Immunität vollständig ausgebildet hat, denn dazu werden pro Mensch je zwei Impfungen benötigt. Erst nach der zweiten Impfung und nach einer Zeit der Bildung der Abwehr kann der Körper ausreichend Antikörper gegen das Virus bilden, führen Dr. Irit Nachtigall, Regionalleiterin Krankenhaushygiene in der Helios Region Ost und Dr. Dominic Fenske, Leiter Krankenhausapotheke im Helios Klinikum Erfurt aus.

 

Zurzeit verbreitet sich im Zusammenhang mit der Entwicklung der Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 auf Facebook ein Sharepic mit einer Aussage des Arztes Walter Weber: "Wir werden dabei gentechnisch manipuliert. Und selbst die besten Forscher wissen nicht, was dabei herauskommt. Es können Autoimmunkrankheiten, ... es können Krebskrankheiten dabei herauskommen. Das wissen wir erst in 5 bis 10 Jahren."

Die Behauptungen über Covid-19-Impfstoffe sind falsch. Forscher haben ihre möglichen Nebenwirkungen geprüft - auch die sogenannten mRNA-Impfstoffe können Geimpfte nicht "gentechnisch manipulieren". Anerkannte Wissenschaftler halten es zudem für abwegig, dass Impfstoffe erst nach Jahren Krankheiten auslösen. Mit der menschlichen DNA kommt mRNA aber nicht Kontakt, denn diese befindet sich isoliert im Zellkern. Auch eine Integration von RNA in DNA ist nicht möglich. Denn die menschliche Zelle besitzt keine Möglichkeit, ein mRNA-Stück in ein DNA-Stück umzuschreiben, da dazu die notwendigen Enzyme (Eiweisse) fehlen. Lediglich DNA kann in mRNA umgewandelt werden.

In Bezug auf den mRNA-Impfstoff heisst das: Die menschliche DNA bleibt unangetastet und wird nicht umgeschrieben, wenn der Impfstoff im Körper ist.

 

 

"Der Impfstoff ist bei so einer schnellen Zulassung nicht sicher"

Falsch! Für die zugelassenen Corona-Impfstoffe sind die gleichen Schritte erfolgt, wie üblich. Im Unterschied zu anderen Impfstoffen liefen die Schritte jedoch teilweise parallel statt hintereinander, wodurch eine schnellere Zulassung möglich war. Der Vergleich mit den bisherigen Impfprojekten wird zwar häufig herangezogen, hinkt aber. Die notwendigen Phasen der Impfstoffentwicklung gelten auch während einer Pandemie. Bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs ist die Situation einfach eine andere. Da die ganze Welt betroffen ist, ist das Interesse viel grösser als sonst. Es gab diesmal deshalb keine Startschwierigkeiten, keine Finanzierungsprobleme oder bürokratische Hürden, usw.

Es wurde trotz der schnellen Zulassung kein einziger Schritt ausgelassen, sodass Wissenschaftler fest davon ausgehen, dass der Impfstoff sicher ist. In Bezug auf die Anforderungen an Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit wurden keine Abstriche gemacht. Auch, wenn mRNA-Impfstoffe an sich neu sind, wird schon lange an ihnen geforscht, sodass viel über ihre Sicherheit bekannt ist.

 

"Langzeitfolgen des Impfstoffs sind noch unklar"

Richtig. Durch die Wirkweise des mRNA-Impfstoffs ist allerdings nicht von Langzeitfolgen auszugehen. Das Risiko für Nebenwirkungen liegt im Bereich von 0,0001 Prozent. Schwere Impfschäden treten zudem meist sehr zeitnah auf – in der Regel zeigen sich langfristige Nebenwirkungen spätestens nach acht Wochen. Was danach im Körper passiert, kann nicht mehr direkt mit dem Impfstoff zusammenhängen, da der Impfstoff selber längst vom Körper abgebaut ist. Durch die Wirkweise des mRNA-Impfstoffs ist daher nicht von Langzeitfolgen auszugehen. Diese Aussage ist daher an sich richtig, jedoch gibt es keinen Grund zur Sorge!

 

Mögliche Nebenwirkungen: An der Einstichstelle kann es zur Rötung, Schwellung und auch leichten Schmerzen kommen. Auch Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit sowie Schüttelfrost und gelegentlich Fieber zählen zu den Nebenwirkungen, die in den ersten drei Tagen nach der Impfung auftreten können. Denn beim Ankurbeln des Immunsystems macht der Körper keinen Unterschied zwischen einem echten Infekt und dem durch Impfung nur „vorgetäuschtem“. Deshalb entsprechen manche Nebenwirkungen den Symptomen eines leichten Infekts.

 

Eine schwere Nebenwirkung von Impfungen kann ein anaphylaktischer Schock sein. Das ist eine massive allergische Reaktion des gesamten Körpers, die lebensbedrohlich verlaufen kann und die direkt in den Minuten nach der Impfung einsetzt. Deshalb bleiben Geimpfte nach der Impfung auch noch für einige Minuten unter Beobachtung durch medizinisches Personal, das im Notfall ein Gegenmittel spritzen kann. Menschen, die zu schweren allergischen Reaktionen neigen, sollten sich deshalb vor der Impfung im Impfzentrum beraten lassen.

 

Andere sehr seltene Nebenwirkungen werden sich in den Statistiken erst zeigen können, wenn mehrere Millionen Menschen geimpft wurden. Auch Spätfolgen der Impfung müssen sich, wenn es sie denn gibt, erst noch zeigen. Allerdings werden Impfstoff im Körper recht schnell wieder abgebaut. Daher sind späte unerwünschte Nebenwirkungen, die erst nach Monaten oder gar Jahren auftreten, nicht zu erwarten.

Um mögliche Folgen der Impfung frühzeitig zu erkennen und zu überwachen, führt die Europäische Arzneimittelagentur EMA seit Sommer 2020 europaweite Beobachtungsstudien durch. Sehr seltene Nebenwirkungen zeigen sich oft erst, wenn sehr viele Menschen geimpft wurden, daher ist eine kontinuierliche Beobachtung und Aufmerksamkeit richtig und wichtig. 

 

"Die Impfung macht Frauen unfruchtbar"

In den sozialen Netzwerken hält sich das Gerücht, dass die COVID-19-Impfung bei Frauen zu Unfruchtbarkeit führt, hartnäckig. Ein Blick auf seriöse Daten und Fakten bringt allerdings auch hier Entwarnung, denn es gibt bislang keine Belege, die diese These stützen.

Begründet wird die Behauptung damit, dass das sogenannte Spike-Protein, mit dem das Coronavirus an menschliche Zellen andockt, einem anderen körpereigenen Protein namens Syncytin-1 ähneln soll. Bei gebärfähigen Frauen ist Syncytin-1 etwa für die Bildung der Plazenta verantwortlich, über die das ungeborene Kind in der Gebärmutter mit Nährstoffen versorgt wird. Da der Körper nach einer Impfung mit den zugelassenen mRNA-Impfstoffen (BioNTech/Pfizer, Moderna) Antikörper gegen das Spike-Protein bildet, um das Virus zu neutralisieren bzw. zu bekämpfen, weite sich diese Antikörper-Reaktion auch auf das Syncytin-1 aus und verhindere so die Bildung der Plazenta, so die These.

 

Laut Experten ist diese Vermutung allerdings falsch. Demnach gebe es keine besondere Ähnlichkeit zwischen den beiden Proteinen, wodurch auch eine Kreuzreaktion unmöglich sei. Prof. Dr. Ingo Drexler, Stellvertretender Institutsleiter der UKD-Virologie und Leiter der AG "Molekulare Virologie", erklärt: "Ein Sequenzvergleich zwischen den beiden Proteinen zeigt, dass die wenigen übereinstimmenden Abschnitte (insgesamt 6) zwischen den beiden Proteinen viel zu kurz sind, als dass der Impfstoff eine Reaktion gegen das Syncytin-1 auslösen kann." Lars Dölken, Professor für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg ist zudem der Ansicht: Selbst wenn beide Proteine Ähnlichkeiten aufweisen, könne man nicht schlussfolgern, dass die körpereigenen Abwehrkräfte gegen das Coronavirus auch das Protein Syncytin-1 angreife. Es gibt derzeit weder wissenschaftliche Belege noch einen begründetet Verdacht in den bisher durchgeführten Studien, dass die Impfstoffe die weibliche Fruchtbarkeit beeinflussen.

 

Auch Priv.-Doz. DDr. Michael Feichtinger, ärztlicher Leiter des "Wunschbaby Institut Feichtinger" in Wien betont: "Es gibt bisher keinerlei Hinweise, dass sich eine Corona-Impfung negativ auf die Fruchtbarkeit oder die Schwangerschaft auswirkt. Die internationalen Fachgesellschaften haben ihre Empfehlungen überarbeitet und empfehlen deshalb seit kurzem die Impfung auch für Frauen mit Kinderwunsch."

Einer der mRNA-Impfstoff-Hersteller (BioNTech/Pfizer) gebe zudem in seinem Informationsblatt an, dass Auswirkungen der Impfung auf die Fertilität nicht bekannt sind. Derzeit laufen diesbezüglich noch präklinische Toxizitätsuntersuchungen im Tiermodell. In der Gebrauchsinformation zur Anwendung des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer heisst es lediglich: "Wenn Sie schwanger sind oder stillen, oder wenn Sie vermuten, schwanger zu sein oder beabsichtigen, schwanger zu werden, fragen Sie vor dem Erhalt dieses Impfstoffes Ihren Arzt oder Apotheker um Rat."

 

"Die Impfstoffe enthalten gesundheitsschädliche Stoffe"

Auch diese Behauptung ist falsch. In den Covid-19-Impfstoffen sind kaum Substanzen enthalten, die eine allergische Reaktion auslösen könnten. So enthalten sie kein toxisches oder tierisches Material, wie etwa Formaldehyd, Hühnereiweiss oder Konservierungsmittel. Auch erzeugen sie keine infektiösen Partikel, sodass kein Risiko der Umwandlung zu einem vermehrungsfähigen Virus besteht.

 

"Eine Corona-Infektion ist weniger schlimm als unbekannte Langzeitfolgen"

Stimmt nicht. Gerade in der zweiten Welle gibt es auch bei jungen Menschen schwere Verläufe und Genesene mit Spätfolgen, die sich über Monate hinziehen können. Demnach ist das Risiko von Komplikationen bei einer Corona-Infektion viel höher – nicht nur für Risikopatienten, sondern auch für junge, gesunde Menschen. Die Langzeitschäden durch die Erkrankung sind real und viele Genesene leiden noch immer unter Long-Covid.

Beim mRNA-Impfstoff ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Folgen einer Impfung schlimmer sein sollten als eine Corona-Infektion. Wissenschaftler, Forscher und Ärzte gehen aufgrund des Aufbaus des Impfstoffs nicht von Langzeitfolgen aus. Mit einer Impfung werden neben den Antikörpern auch Immunzellen trainiert, die Corona-infizierte Zellen erkennen und zerstören können. Auch wenn diese erzeugten Antikörperspiegel nach der Impfung nach einigen Monaten abfallen können, kann eine schützende Immunantwort durch eine Impfung erreicht werden. Die Behauptung, dass in dem Fall die Schutzimpfung nicht mehr wirkt, ist falsch. Wie lange der Schutz anhält, wird im Rahmen der klinischen Prüfungen auch nach einer Zulassung weiter ermittelt.

 

"Eine Impfung kann eine schlimme Infektion verhindern"

Richtig! Aktuell ist davon auszugehen, dass sogar im Falle einer erneuten Infektion mit Sars-CoV-2 der Verlauf deutlich milder ist.

 

"Es gibt eine Impfpflicht"

Falsch! Die Impfung erfolgt freiwillig, die meisten Regierungen sprechen eine klare Empfehlung aus.

Die Impfung gegen das Coronavirus ist freiwillig. Die Behauptung, es werde eine Impfflicht geben, ist falsch. Es wird jedoch eine starke Impfempfehlung ausgesprochen, um sich nicht nur selbst, sondern die Gemeinschaft zu schützen.

 

"Private Interessen spielen eine Rolle bei der Impfstoffentwicklung"

Richtig! Jedes forschende Unternehmen will mit einem künftigen Impfstoff auch Geld verdienen, insofern spielen immer privatwirtschaftliche Interessen bei der Impfstoffentwicklung eine Rolle. Ein sicherer Impfstoff muss gut erforscht sein, das funktioniert nur mit einer erfolgreichen Forschung. Die Erforschung und Entwicklung schneller voranzutreiben und diesen Impfstoff gerecht zu verteilen - das ist das vornehmliche Anliegen der "Global Response"-Initiative, die auch von Nichtregierungsorganisationen, wie der Bill-und-Melinda-Gates Stiftung, unterstützt wird. Hier spielen privatwirtschaftliche Interessen keine Rolle. Die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung verkauft selbst keine Impfstoffe und verdient auch nicht am Vertrieb von Impfstoffen. Sie setzt sich seit mehr als 20 Jahren für die Erforschung und Entwicklung von Impfstoffen ein.

 

"Menschen sind nach einer Impfung gestorben"

Nein. Es gibt Berichte, dass Menschen kurz nach einer Impfung gegen Covid-19 gestorben sind. U.a. verfolgt auch das Paul-Ehrlich-Institut diese Fälle und geht davon aus, dass nur ein zeitlicher Zusammenhang zu den Impfungen besteht. Die eigentliche Todesursache aber in der schweren Grunderkrankung und dem Alter der Patienten liegt.

 

"Die Corona-Schutzimpfung löst Krebserkrankung aus"

In den durchgeführten Studien zur Untersuchung sämtlicher Impfstoffe wurde ein solcher Zusammenhang nicht festgestellt. Ein Impfstoff wird nur dann zugelassen, wenn er an ausreichend vielen Personen getestet wurde und bestätigt wurde, dass die Wirkung gegenüber den aufgetretenen Nebenwirkungen deutlich überwiegt. Auch nach der Zulassung wird das positive Nutzen/Risiko Profil im Rahmen klinischer Prüfungen und weiteren Studien kontinuierlich überprüft.

 

"Kann sich das Virus trotz Impfung in der Nase und im Mund vermehren?"

Genauso ist es schon mal gekommen: So konnte der erste Impfstoff gegen die Kinderlähmung nur die Geimpften vor der Krankheit schützen, eine Ansteckung jedoch nicht verhindern. Experten vom Robert-Koch-Institut halten das auch beim Coronavirus für denkbar. So könnte sich das Virus trotz Impfung in der Nase und im Mund vermehren. Der Geimpfte könnte dann ansteckend sein. Aber wahrscheinlich nicht mehr so stark wie ohne Impfung sagt Klaus Cichutek vom Paul-Ehrlich-Institut: “Wir gehen allerdings davon aus, dass bei einer Verminderung der schweren Verläufe doch auch zumindest eine Reduktion der Viruslast in den oberen Atemwegen passiert.”

 

 

Abstands- und Hygieneregeln auch weiterhin wichtig

Doch reicht das für einen kompletten Impfschutz gegen die Krankheit und die Ansteckung? Weil diese Frage noch nicht abschliessend beantwortet ist, müssen Geimpfte laut Ständiger Impfkommission auch weiterhin Masken tragen und sich an Abstands- und Hygieneregeln halten.

 

Was bedeutet das für die Herdenimmunität?

Immer wieder heisst es, dass 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung sich impfen müssten, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Doch wenn zumindest einige Menschen trotz Impfungen ansteckend sind, müssten sich womöglich noch mehr Menschen impfen lassen. Nur dann wäre eine Herdenimmunität erreichbar.

Eine Herdenimmunität kann nur dann erreicht werden, wenn sich möglichst viele Menschen gegen das neue Coronavirus impfen lassen und diese auch möglichst wenig andere Menschen anstecken.

 

Sind über Mund oder Nase verabreichte Impfstoffe vielleicht wirksamer?

Sollten die aktuellen Impfstoffe nicht vor Ansteckungen schützen, dann könnten eventuell andere Impfstoffe, die gerade noch entwickelt werden, später einen kompletten Impfschutz ermöglichen. Zur Zeit sind weltweit mehrere Impfstoffe in der Entwicklung, die über den Mund oder die Nase verabreicht werden können.

Möglicherweise könnte so eine Infektion besser simuliert werden und Ansteckungen vielleicht vermieden werden. Ob wir wirklich auf alternative Impfstoffe angewiesen sein werden, ist noch unklar.

 

 

Allgemeine Bedenken der Impfgegner (bei Kindern) im Faktencheck

Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

 

„Früher hat man Kinderkrankheiten auch gut überstanden“

Es stimmt, Infektionskrankheiten wie Masern, Röteln, Mumps und Keuchhusten heilen meist folgenlos aus. Das bedeutet aber nicht, dass solche „Kinderkrankheiten“ harmlos sind.

Bestes Beispiel sind die Masern: Bei einem von 1000 Kindern, die an Masern erkranken, entwickelt sich eine Entzündung des Gehirns, die sogenannte Masern-Enzephalitis. Sie verursacht häufig bleibende Hirnschäden oder verläuft sogar tödlich. Nach einer Impfung kann sie zwar auch auftreten, doch das 1000 Mal seltener als nach einer Masern-Infektion.

 

Auch andere „Kinderkrankheiten“ sind nicht ungefährlich: Mumps kann den Patienten ertauben lassen und bei jungen Männern die Zeugungsfähigkeit zerstören. Erkrankt eine Schwangere an Röteln, kann das ungeborene Kind geschädigt werden.

 

Besseres Immunsystem?

Ungeimpfte Kinder haben ein besser trainiertes Immunsystem, sagen Impfgegner. Dabei vergessen sie, dass die Impfstoffe den Abwehrzellen im Körper dieselben Alarmsignale geben wie krankmachende Viren. Sie sind aber nicht infektiös. Da die Impfseren zudem hoch speziell sind, kommt auch das Abwehrsystem geimpfter Kinder täglich mit Tausenden anderen Erregern in Kontakt, gegen die es sich aus eigener Kraft wehren muss.

 

„Man kann trotz Impfung krank werden“

Stimmt: Keine Impfung schützt hundertprozentig. Trotzdem lohnt sich der Aufwand. Denn Impfungen senken die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken. Wenn man trotz Impfung erkrankt, verläuft die Krankheit oft deutlich milder. Das gilt auch, wenn eine Auffrischimpfung nicht rechtzeitig durchgeführt wurde oder sich der Immunschutz noch nicht vollständig aufgebaut hat.

 

Übrigens: Auch wer eine Infektionskrankheit durchgemacht hat, ist nicht 100-prozentig geschützt. An Tetanus, Diphtherie oder Keuchhusten kann man mehrfach im Leben erkranken. Es sind sogar einige Fälle bekannt, in denen ein Mensch zweimal Masern bekam.

 

„Impfungen können Krankheiten auslösen, vor denen sie schützen sollen“

Relativ häufig treten nach Impfungen neben Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle auch Fieber oder Müdigkeit auftreten. Das ist aber eine Rektion des Immunsystems auf die Impfung und kein Anzeichen einer Erkrankung.

Die meisten Impfstoffe enthalten heute lediglich abgetötete Erreger oder nur typische Bestandteile der Erreger. Nur in manchen Fällen werden noch Lebendimpfstoffe verabreicht. Sie stimulieren das Immunsystem mit abgeschwächten Krankheitserregern. Dann können tatsächlich Krankheitsanzeichen auftreten.

So gab es beispielsweise Fälle von Kinderlähmung nach Schluckimpfungen. Das ist heute nicht mehr möglich, da für Kinderlähmung kein Lebendimpfstoff mehr verwendet wird.

Anders bei der Masernimpfung, die ein Lebendimpfstoff ist. Hier entwickeln etwa fünf Prozent der Geimpften sogenannte Impfmasern mit Hautausschlägen. Aber Mittelohr- und Lungenentzündungen, unter denen Masern-Infizierte häufig leiden, werden nach einer Impfung nicht beobachtet. Die Masern-Enzephalitis – eine gefürchtete Hirnhautentzündung – ist nach der Impfung eine absolute Seltenheit: Sie befällt etwa einen von einer Million Geimpften. Bei einer echten Maserninfektion ist davon jedes tausendste Kind betroffen.

 

„Ungeimpfte Kinder sind gesünder“

Schutzimpfungen gibt es nur gegen eine Handvoll Erkrankungen. Das Immunsystem von geimpften Kindern muss sich daher genauso mit Krankheitserregern auseinandersetzen wie das von ungeimpften. Ausserdem ist jede Impfung ebenfalls eine Trainingseinheit für die Abwehrkräfte.

 

Manche Eltern berichten aber, dass ihre Kinder nach einer durchgemachten Krankheit einen Entwicklungsschub durchmachen. Belege dafür, dass ungeimpfte sich besser entwickeln oder seltener krank werden, als Geimpfte gibt es aber nicht. Fest steht jedoch, dass schwere Erkrankungen und Komplikationen die Entwicklung des Kindes stark zurückwerfen können. Auch dauerhafte Schäden und sogar der Tod können die Folge von Infektionen sein, die von manchen Eltern als harmlos eingestuft werden.

 

„Mein Baby wird durch die Muttermilch geschützt“

In der Muttermilch stecken tatsächlich Abwehrstoffe. Gemeinsam mit den Antikörpern, die das Kind im Mutterleib bekommen hat, schützen sie das Neugeborene. Doch dieser sogenannte "Nestschutz" baut sich schnell ab, sobald die Mutter aufhört zu stillen.

Er ist überdies nicht so stark, wie der Schutz, den das Immunsystem später selbst aufbaut. Das gilt vor allem für Frühchen. Gegen Krankheiten, gegen die die Mutter selbst keinen Immunschutz hat, ist auch das Kind nicht geschützt. Das gilt sogar für manche Infektionen, die die Mutter durchlebt hat, wie beispielsweise Keuchhusten.

 

„Geimpfte Mütter geben ihren Babys weniger Immunschutz mit“

Bei Masern, Mumps und Röteln ist das tatsächlich der Fall. Die Impfungen stimulieren das Immunsystem der Mutter weniger als eine Infektion. Entsprechend impfen Ärzte gegen diese Erkrankungen schon Babys. Doch es gibt auch den umgekehrten Fall: Gegen Diphtherie sind Kinder geimpfter Mütter geschützt. Bei Kindern von Müttern, die selbst eine Infektion durchgemacht haben, ist dagegen kein Schutz gegen Diphtherie-Erreger nachweisbar.

 

„Frühe Impfungen sind riskant“

Frühe Impfungen sind in vielen Fällen wichtig. Denn an manchen Infektionen erkranken Säuglinge erheblich schwerer als ältere Kinder. Das gilt beispielsweise für Keuchhusten, der bei jedem vierten Baby unter einem halben Jahr mit Lungenentzündung oder Atemstillständen einhergeht. Darum impft man hier schon nach dem vollendeten zweiten Lebensmonat.

 

Ohnehin vertragen Säuglinge Impfungen nicht weniger gut als ältere Kinder. Besonders beobachtet werden nach Impfungen allerdings Frühchen, um bei Komplikationen schnell regieren zu können. Doch auch die benötigen die frühen Impfungen, weil sie im Krankheitsfall besonders gefährdet sind.

Viele Impfungen wie die Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln erfolgen ohnehin erst nach dem ersten Lebensjahr. Das gilt auch für die Impfung gegen Meningokokken, die Hirnhautentzündungen provozieren können.

 

„Zu viele Impfungen überlasten das Immunsystem“

Richtig ist: Heute erhalten Kinder mehr Impfungen als früher. Doch enthalten die modernen Impfstoffe deutlich weniger Antigene. Antigene sind jene Bestandteile des Impfstoffs, die das Immunsystem stimulieren und für den jeweiligen Krankheitserreger trainieren. Heute enthalten alle für Kinder empfohlenen Impfungen zusammengenommen 150 Antigene. Früher enthielt allein der Keuchhustenimpfstoff 3000 Antigene. Das bedeutet, das Immunsystem von Kindern hat insgesamt sogar weniger Arbeit durch Impfungen als früher. Im Vergleich zu den Antigenen, mit denen sich die Abwehrkräfte täglich im Alltag auseinandersetzen müssen, fällt das überhaupt nicht ins Gewicht.

 

„Mehrfachimpfstoffe sind riskant“

Insbesondere vor Mehrfachimpfstoffen schrecken manche Eltern zurück. Doch auch für diese gibt es keine Hinweise, dass sie das Immunsystem überlasten. Die modernen Impfschemata sind genau auf die Entwicklung des Kindes abgestimmt und beziehen mit ein, in welchem Alter Kinder von welcher Impfung am meisten profitieren.

Mehrfachimpfstoffe ersparen den Kindern zudem unnötigen Belastungen. Statt 20 Einzelinjektionen sind heute nur knapp die Hälfte nötig, um den vollständigen Impfschutz aufzubauen.

 

„Die wahren Risiken von Impfungen sind unbekannt.“

Fest steht: Impfstoffe können wie alle Medikamente auch Nebenwirkungen verursachen. Die Problematik ist insofern heikel, als die Menschen, die geimpft werden, gesund sind und dennoch ein gewisses Risiko eingehen. Doch wie hoch ist dieses wirklich?

Um Komplikationen durch Impfungen aufzudecken, sind Ärzte angehalten, Beschwerden, die nach Impfungen auftreten, zu melden. Dieses untersucht die Fälle anschliessend.

Ein Hauptproblem der Risikoeinschätzung ist, dass Beschwerden ganz zufällig nach der Impfung auftreten können. Umgekehrt können aber Komplikationen auch übersehen werden, beispielsweise wenn sie erst zeitverzögert auftreten.

 

Insgesamt liegt die Zahl der anerkannten, also dauerhafte Impfschäden jedes Jahr mit durchschnittlich 37 Fällen sehr niedrig. Angesichts vieler Millionen Impfungen ist das sehr wenig. Selbst wenn die Dunkelziffer sehr viel höher ist, ist das Risiko für den einzelnen Impfling extrem gering.

Damit ist klar, dass das Risiko für schwere Komplikationen durch die Erkrankungen selbst sehr viel höher ist als das Risiko für schwere Impfkomplikationen.

 

„Die Impfung gegen Hepatitis B ist für Kinder überflüssig.“

Richtig ist, dass Hepatitis B in der Regel beim Sex übertragen wird. Steckt sich ein Baby dennoch an (z.B. über Kontakt mit Blut oder Speichel infizierter Menschen), verläuft die Erkrankung oft sehr schwer und chronisch. Darum haben sich Impfexperten entschieden, schon Kinder den Impfstoff gegen Hepatitis B zu verabreichen, zusammen mit der Impfung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Haemophilus influenzae und Polio. Davon profitieren die Kinder spätestens, wenn sie zu Jugendlichen heranwachsen und sexuell aktiv werden.

 

"Impfungen fördern Allergien“

Richtig ist: Heute wird mehr geimpft als früher. Und mehr Kinder leiden unter Allergien. Diese Parallele ist aber kein Beweis, dass Impfungen tatsächlich Allergien begünstigen. Grössere Studien zeigen vielmehr, dass eher das Gegenteil der Fall ist. 

Doch es gibt auch Studien, die scheinbar das Gegenteil zeigen. So stellten Forscher fest, dass Kinder von Eltern, die Impfungen ablehnten, seltener allergische Erkrankungen wie Asthma oder  Heuschnupfen entwickelten. Allerdings wich der Lebensstil der Kinder in vieler Hinsicht von denen aus Haushalten ab, die Impfungen gegenüber offener waren. Beispielsweise rauchten die Eltern weniger – und Rauchen kann tatsächlich bei Kindern Allergien begünstigen.

 

„Impfungen können schwere Störungen wie Autismus verursachen“

Immer wieder tauchen Spekulationen auf, dass Impfungen verschiedene schwere Erkrankungen begünstigen könnten. Dazu gehören Autismus, Diabetes, Multiple Sklerose und selbst plötzlicher Kindstod. Untersuchungen haben diese Hypothesen bisher immer wieder entkräften können.

 

Bekanntestes Beispiel ist, dass der Masern-Röteln-Mumps-Impfstoff der Hypothese des britischen Arztes Andrew Wakefield zufolge Autismus verursachen sollte. Tatsächlich hatte der Arzt das aber nur an zwölf Kindern untersucht. Später traten so viele Ungereimtheiten auf, dass die Studie zurückgezogen und dem Mediziner schliesslich die Approbation entzogen wurde.

 

„Impfstoffe enthalten giftige Chemikalien“

Tatsächlich enthalten manche Impfstoffe Substanzen, die giftig wirken können. Aluminiumhydroxid verstärkt die Immunantwort, Formaldehyd tötet Krankheitserreger ab, Quecksilber und Phenol machen das Impfmittel haltbarer. Die Konzentrationen dieser Stoffe sind aber sehr gering. Sie liegen unterhalb der Grenzwerte, ab denen sie dem Menschen schaden können.

 

„Impfstoffe können Krankheitserreger wie HIV und BSE enthalten.“

Eiweisse aus Blutspenden werden benötigt, um bestimmte Lebendimpfstoffe stabiler zu machen. Sie werden aber vor ihrer Verwendung systematisch auf HIV, Hepatitis und andere Krankheitserreger getestet. Im weiteren Verarbeitungsprozess werden möglicherweise unentdeckt gebliebene Krankheitserreger abgetötet.

BSE wiederum wurde in der Vergangenheit vor allem durch den Verzehr von Rindfleisch auf Menschen übertragen. Seren von Kälbern, die zur Produktion mancher Impfstoffe notwendig sind, stammen daher aus dem BSE-freien Neuseeland.

 

„Sogar manche Ärzte sind gegen das Impfen“

Ärzte, die grundsätzlich gegen das Impfen sind, gibt es nur sehr wenige. Oft spielen hier weniger medizinisch-wissenschaftliche Überlegungen als individuelle Erfahrungen oder spirituelle Überzeugungen eine Rolle. Auch eher alternativmedizinisch orientierte Ärzte lehnen das Impfen nur selten ab. So weist der deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte ausdrücklich darauf hin, dass die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sorgfältig erwogen seien und den aktuellen Stand des Wissens berücksichtigten.

 

„Impfungen sind unnötig, weil die anderen geimpft sind."

Diese Haltung bezieht sich auf den sogenannten Herdenschutz. Je mehr Menschen gegen eine Erkrankung geimpft sind, desto seltener tritt sie auf. Und umso geringer ist das Risiko für Ungeimpfte. Gerade die Impfmüdigkeit lässt diesen Schutz jedoch bröckeln. So treten immer wieder gehäufte Ausbrüche von Masern auf, die entstehen, weil zu wenig Menschen geimpft sind. Das gefährdet vor allem die Schutzlosesten: noch ungeimpfte Säuglinge sowie Menschen mit Immunschwäche, bei denen Impfungen nur schlecht wirken.

 

„Die Krankheiten, gegen die geimpft wird, gibt es sowieso nicht mehr“

Manche Infektionskrankheiten sind hierzulande tatsächlich sehr selten geworden, Kinderlähmung beispielsweise oder Diphtherie. Beispiele aus anderen Ländern zeigen jedoch, wie schnell sich das ändern kann, wenn nicht mehr ausreichend geimpft wird. So erkrankten in den Nachfolgestaaten der UdSSR in den 1990er-Jahren in Folge sinkender Impfraten über 150.000 Menschen an Diphtherie. Mehr als 6.000 starben daran.

 

„Impfen ist überflüssig, weil man heute Antibiotika hat“

Viele Erkrankungen, gegen die geimpft wird, sind Viruserkrankungen, bei denen Antibiotika nicht helfen. Dazu gehören Masern, Röteln, Windpocken und Mumps. Bakterielle Infektionen wie Tetanus, Hirnhautentzündungen und Keuchhusten lassen sich trotz Antibiotika häufig nur schwer behandeln und können auch heute noch zum Tode führen.

 

„Dass Impfungen wirken, wurde nie bewiesen“

Fakt ist: Ein Impfstoff wird nur dann zugelassen, wenn bewiesen ist, dass er tatsächlich wirkt. Den Nachweis muss der Hersteller in strengen wissenschaftlichen Studien erbringen. Innerhalb der EU werden die Ergebnisse unter der Regie der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA geprüft. In Deutschland übernimmt dies das Paul-Ehrlich-Institut.

Wohl noch mehr ins Gewicht fällt der Praxistest. Mit dem routinemässigen Einführen von Impfstoffen wurden viele Krankheiten erfolgreich zurückgedrängt. Beispiel Kinderlähmung (Poliomyelitis): Erkrankten z.B. in der Bundesrepublik 1961 noch fast 4700 Kinder daran, waren es nach Einführung der Schluckimpfung bereits 1965 weniger als 50.

Inzwischen ist die Krankheit fast verschwunden. Die Pocken gelange es dank Impfungen sogar weltweit auszurotten. Für Masern, die vereinzelt schwere Hirnschäden hervorrufen oder sogar tödlich verlaufen können, ist dieses Ziel noch nicht erreicht. Noch immer sind nicht genügend Menschen gegen Masern geimpft. Darum flammen diese immer wieder auf.

 

„Dass die Krankheitserreger existieren, wurde nie bewiesen“

Selbst winzige Krankheitserreger kann man heute nicht nur nachweisen, sondern sogar sehen: Hochmoderne Elektronenmikroskope liefern detaillierte Bilder von Viren, Bakterien und Pilzen. In vielen Fällen kennt man sogar ihre Baupläne bis zum letzten Gen.

Zudem werden Impfstoffe auf der Basis von abgeschwächten und toten Krankheitserregern beziehungsweise ihren molekularen Bestandteilen hergestellt. Mit ihrer Hilfe lernt das Immunsystem, den speziellen Keim zu erkennen, und wird für seine Bekämpfung trainiert. Ohne einen Krankheitserreger gibt es also keinen Impfstoff.

 

„Dass es weniger Kranke gibt, liegt an verbesserter Hygiene und Ernährung – nicht an den Impfungen“

Eine verbesserte Hygiene und sauberes Trinkwasser können viele Infektionen verhindern – Typhus, Cholera und Hepatitis A beispielsweise. Gegen diese schützt man sich per Impfung heutzutage nur bei Reisen in Länder mit schlechten Hygienestandards. Andere Erreger werden rein von Mensch zu Mensch übertragen wie Masern- und Polioviren. Hier schützen bessere hygienische Bedingungen kaum.

Auch eine bessere Ernährung der Bevölkerung hält Krankheiten zweifellos in Schach. Wer besser ernährt ist, verkraftet eine Infektion besser, kann sich aber dennoch infizieren. So stecken sich beispielsweise nach wie vor 90 Prozent der Ungeimpften im Kontakt mit Maserkranken an.

 

„Impfungen füllen nur die Kassen der Pharmaindustrie.“

Dass Impfstoffhersteller mit ihren Produkten Geld verdienen wollen, ist selbstverständlich. Im Vergleich zu anderen Arzneimitteln ist der Kuchen bei Impfstoffen aber eher klein.

 

Beispiel Deutschland: Von den knapp 200 Mrd. Euro, die die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) im Jahr 2017 ausgegeben hat, entfielen 37,7 Mrd. Euro auf Arzneimittel, aber lediglich 1,4 Mrd. Euro auf Impfstoffe.

Insbesondere die Entwicklung von Medikamenten für chronisch Kranke lohnt sich– denn die müssen die Patienten über viele Jahre nehmen. Schutzimpfungen fallen aber wenn überhaupt nur in grösseren Abständen an.

 

 

Autoren- & Quelleninformationen

Autorin: Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

 

Quellen:

www.reki.de, Antworten des Robert Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts zu den 20 häufigsten Einwänden gegen das Impfen, Stand: 22.4.2016

 

Weitere verwendete Quellen: helios-gesundheit.de, www.swissmedic.ch


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Kommentare: 2
  • #1

    Andrea Keller (Dienstag, 30 März 2021 20:57)

    Genial geschrieben und sehr aufschlussreich. Vielen Dank

  • #2

    Imbert Rouven (Dienstag, 03 August 2021 19:29)

    Einmal mehr genial geschrieben! Danke!