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Gescheitertes Schweden hat nicht dazugelernt und will trotz massiv steigender Corona-Zahlen lockern

DMZ – INTERNATIONAL ¦ Walter Fürst & Anton Aeberhard ¦

KOMMENTAR

 

Bereits Mitte 2020 stand fest, dass der Sonderweg von Schweden gescheitert ist. Bisher sind im Zehn-Millionen-Land Schweden  831'191 Corona-Infektionen nachgewiesen worden. Rund 13'498 Menschen sind bisher am Coronavirus Covid-19 gestorben. Nun wird trotz gemachter negativer Erfahrungen ein dreigliedriger Stufenplan vorgestellt und obwohl die 7-Tagesinzidenz bei mehr als 350 Infektionen liegt. Schweden gilt als "Hochinzidenzgebiet", mit einem besonders hohen Infektionsrisiko durch besonders hohe Inzidenzwerte.

 

Aktuelle Infektionswerte für Schweden

In Schweden wurden bislang 813.191 COVID-19 Infektionen erfasst, bei 13.498 Corona-Todesfällen (Stand: 02.04.2021). Dies entspricht einer Infektionsrate von 8,05% sowie eine Todes- bzw. Letalitätsrate von 1,66%.

 

Neuinfektionen in Schweden

Die Anzahl der Neuinfektionen in Schweden liegt aktuell bei 8.305. Im Durchschnitt der letzten 7 Tage wurden 5.643 erfasst. Aufgrund unterschiedlicher Erfassung und Übermittlung neuer Daten ist der 7-Tage-Durchschnitt der Neuinfektionen oft aussagekräftiger. In der letzten Woche wurden in Schweden 391,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet ("7-Tage-Inzidenz").

 

Reisewarnung für Schweden

Aufgrund der aktuellen Situation wird Schweden als COVID-19 Risikogebiet eingestuft, verbunden mit einer Reisewarnung durch die deutschen Behörden. Schweden gilt als "Hochinzidenzgebiet", mit einem besonders hohen Infektionsrisiko durch besonders hohe Inzidenzwerte.

 

Vergleich mit anderen Ländern

Schweden belegt den 16. Platz im Vergleich der höchsten Infektionsraten aller Länder. Unter allen Ländern hat Schweden die 102. höchste Letalitätsrate.

Das schwedische Gesundheitsamt will jetzt Hoffnung vermitteln – ein Stufenplan für den Abbau der ohnehin nicht sehr rigiden Corona-Massnahmen wurde am Montag in der Zeitung Dagens Nyheter publik. Und das inmitten steigender Fallzahlen.

 

Geschäfte wieder voll

Die Behörde sieht demnach einen dreigliedrigen Stufenplan vor, wobei sich Schweden derzeit in der höchsten Stufe befindet. Dennoch will Planungschefin Sara Byfos bald die Begrenzungen von Personen etwa in Geschäften lockern. Derzeit ist nur eine Person pro zehn Quadratmeter erlaubt. Ob Restaurants, die derzeit bis 20.30 Uhr offen haben, künftig die Zeit nach hinten ausdehnen können, blieb offen.

 

 

 

Immer wieder wurde und wird vom “Schwedischen Sonderweg” gesprochen. Grund dafür ist, dass es in Schweden keine landesweiten Ausgangssperren und Kontaktverbote gab. Bis Ende März gab es auch keinen offiziellen Lockdown. Die Schulen blieben – bis zur neunten Klasse – offen, statt offizieller Verbote entschieden sich die Behörden zunächst für Empfehlungen und Appelle an die Vernunft der Menschen und setzten auf deren Eigenverantwortung.

 

Vergleich mit Deutschland

Vor allem in der ersten Welle zu Beginn der Pandemie zahlten die Schweden dafür einen hohen Preis. Insgesamt sind innerhalb eines Jahres Pandemie 13'498 Menschen in dem skandinavischen Land an Corona gestorben. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 77’244, allerdings leben in Deutschland rund achtmal so viele Menschen. Rechnet man dies auf die Bevölkerung runter, so starben in der ersten Welle in Schweden vier- bis fünfmal so viele Menschen an Corona.

 

Deutlich mehr Tote

Inzwischen haben sich die Zahlen allerdings angenähert: Auf eine Millionen Einwohner kommen in Schweden 1.307 Corona-Tote, in Deutschland 896. Damit ist der Anteil der Verstorbenen in Schweden aktuell “nur” noch knapp anderthalbmal (1,46) größer als in Deutschland. Allerdings liegt die Zahl der Corona-Toten in Schweden deutlich höher als in den skandinavischen Nachbarländern Norwegen, Finnland und Dänemark.

 

Im Februar und März stieg die Zahl der täglichen Neuinfektionen wieder stark an. Es gibt Hinweise darauf, dass es auch in Schweden zu einer dritten Welle kommt. 

 

Chefepidemiologe Andres Tegnell sagt zu ARD im Interview: "Wir haben Auflagen für Restaurants, für grosse Kaufhäuser, für Museen und ähnliche Einrichtungen. Wir haben uns dafür entschieden, uns auf die Stellen zu fokussieren, bei denen wir aus eigener Erfahrung oder aus den Erfahrungen anderer Länder wissen, dass eine erhöhte Infektionsgefahr besteht."

 

Schweden gibt ursprüngliches Corona-Impfziel auf

Schweden verabschiedet sich angesichts von Verzögerungen bei der Impfstoff-Lieferung von seinem Ziel, bis zur Jahreshälfte allen Erwachsenen eine Corona-Schutzimpfung angeboten zu haben. Für diese Zielmarke stehe einfach nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung, sagte Sozialministerin Lena Hallengren am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Stockholm.

 

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