Keine Überraschung - Gölä ein Verschwörungstheoretiker

DMZ – BILDUNG ¦ Walter Fürst ¦

KOMMENTAR

 

Der Möchtegern Büezer und trotzdem Millionär Gölä, der in der Erziehung findet, dass

"Eine Ohrfeige zum richtigen Zeitpunkt noch nie geschadet hat", Propagandamann und Tagebuchschreiber der Weltwoche ist, äussert sich in der Weltwoche jetzt sogar zu Daniele Ganser, dem bekanntesten Schweizer Verschwörungstheoretiker. Offenbar liest Gölä gerade dessen Buch, was wiederum Ganser freut und gleich als Werbung benutzt und in seinen Kanälen postet: "Der Schweizer Mundartrocker Gölä liest gerade mein neues Buch "Imperium USA", wie er im Interview mit der Weltwoche sagt. Das freut mich! Toll auch, dass er sich durch den derzeit weit verbreiteten Kampfbegriff "Verschwörungstheoretiker" nicht abschrecken lässt und gerne selber denkt, unabhängig davon was Politiker und andere Autoritäten sagen." Die Mechanismen beider Exponenten sind bekannt: Sie machen schlicht alles, um Geld zu machen.

 

Dass gerade Verschwörungstheoretiker grundsätzlich nicht selber denken und lediglich weitergeben, was sie aufschnappen, gehört oder gelesen haben ist bekannt. Allerdings ist diese Tatsache noch nicht zu diesen Fanatikern durchgedrungen. Auch wird laufend das Wort "Wahrheit" ausschliesslich von solchen Theoretikern verwendet, was sie jeweils gleichzeitig als solche outet. Denn dieses Wort benutzt keine Wissenschaftlerin, kein Wissenschaftler, denn sie wissen, dass sie "die Wahrheit" nicht kennen. Sie nähern sich ihr höchstens an. Allerdings fallen die Jüngerinnen und Jünger der Verschwörungstheoretiker ganz plump darauf herein. Auch Ganser verwendet das Wort laufend (Plakate, Videos, Vorträge). Inzwischen wird auch seine erst relativ positiv besprochene Dissertation anders beurteilt, weil er darin im Grunde schon in die Verschwörungstheorie verfällt. 

Der Wissenschaftsjournalist Beat Glogger verortet Gansers Publikum "im rechtspopulistischen, aber auch im links-esoterischen Lager und natürlich bei Verschwörungstheoretikern". 

 

Dass nun ausgerechnet der SVPler Gölä sich auch hier äussert, war nur eine Frage der Zeit. Er bedient sein Publikum immer mit dem, was es will. Verschwörungstheroretiker nehmen an, dass nichts durch Zufall geschieht, also alles einem Plan folgt. Sie behaupten, nichts sei so, wie es scheine, dass man immer hinter die Kulissen schauen müsse. Und das alles miteinander verbunden sei; Personen, Institutionen stünden in Verbindungen, die man nicht für möglich halten würde. Das ist seit der Mitte des 20. Jahrhunderts verpönt in der Wissenschaft, weil die Welt so nicht funktioniert. Menschen haben Intentionen, sind sich derer aber mitunter gar nicht bewusst. Systeme haben eine Eigenlogik, gerade in komplexen Gesellschaften. Da ist nicht immer alles geplant, Chaos und Zufall spielen eine grosse Rolle. Wer das nicht sieht oder sehen will, der neigt zu Verschwörungstheorien.

 

Strategiespiel des Daniele Ganser

In seinen Büchern gibt Daniele Ganser derartigen Verschwörungstheorien selbst Auftrieb und nimmt sie als Quellen ernst. Und vielleicht geht es bei diesem Widerspruch letztlich einfach ums Finanzielle: Die Grauzone zwischen Wissenschaft und Verschwörungstheorie, in der sich Ganser positioniert, macht ihn in diesen verwirrenden und seltsamen Zeiten vermutlich erst für viele so richtig interessant. Zumindest fallen auch hier die Gläubigen darauf herein und glauben dem Verschwörungstheoretiker ungeprüft jedes Wort. Also kommt hier der stets bemühte Vorwurf der Verschwörungstheoriengläubigen bei ihnen selbst zum Tragen: Man glaubt alles ohne selber zu denken, so auch Gölä, der es mit (natürlich nicht) seinen Worten sagt: "Verschwörungstheoretiker? Das wird ja heute jeder, der es noch wagt, selber zu denken." Dieser einfache Satz kann man ausnahmslos in jedem Profil von Verschwörungstheoretikern und Anhängern wirrer Theorien lesen. Der gehört zur Standartausrüstung, so wie viele andere Absurditäten.

Er singt auch davon, wie er, der Büezer, vom Staat betrogen werde, während die faulen Studenten kiffen und die "Penner" vor dem Denner ihre Biere trinken dürfen. Eine Rhetorik, die überall Scheininvalidität und Sozialschmarotzertum vermutet. Bei Ganser ist schwer zu sagen, ob er seine Verschwörungstheorien selber glaubt oder bestimmte Interessen verfolgt. Allerdings ist ganz eindeutig, dass er schaut, was bei seiner Community gut ankommt und sich dann entsprechend positioniert. So ist er auch bei den Corona-Skeptikern aufgesprungen. Er war zum Beispiel bei der ersten Demo in Berlin im August, das hat er vorher zwar nicht öffentlich bekanntgegeben. Als es dann entdeckt wurde und er gemerkt hat, dass das in seiner Community gut ankommt, wenn er sich skeptisch über die Corona-Massnahmen äussert und die offizielle Version anzweifelt, macht er das regelmässig.

 

Gölä wott nume Chöle

Seine Texte und Aussagen richten sich sowieso an eine konservative Hörerschaft, sie keine eigene Meinung hat, sondern genau wie Gölä nachplappert, was deren Gurus vorgeben. "Ich kann nicht einfach schweigen und zusehen, wie alles, was wir in unserem Land aufgebaut haben, den Bach runtergeht." Mag sein, dass man im Oberland den Eindruck gewinnen kann, dass alles so aussieht, wie es Gölä, bzw. seine Vorkauer mit solchen Sprüchen vorgeben. Aber auf die Schweiz trifft das definitiv nicht zu, und dass sich immer diese destruktiven Verhinderer als Leute sehen, die irgend etwas aufgebaut haben, ist zumindest mehr als schleierhaft. Diese Rhetorik, Geld und Macht kleinzureden und sich als volkstümliche Büezer zu geben, kennen wir natürlich von unserer Volkspartei. In diesem politischen Spektrum ist einer wie Gölä auch zu verorten.

Die unbequeme Tatsache, dass er nicht die hellste Kerze ist, unaufgeklärt und ungebildet, liefert Gölä seiner Community jeweils gleich selbst. Mit Aussagen wie z.B.: "Gegen Penner habe ich nichts, aber gegen eine Politik, die zulässt, dass die Leute als 'Penner vor dem Denner' enden. Unser System fördert es geradezu, dass junge Menschen das Geld vom Sozialamt erhalten, selbst wenn sie gar nicht krank sind. Und am Schluss hängen viele nur noch herum, trinken Bier und bekiffen sich. Oder sie hocken den ganzen Tag zu Hause und schauen sich dumme Serien an. Das regt mich auf!" Auch hier eine Standardphrase, die er typischerweise für rechtsgelagerte Verirrte und sonstige SVPler, sowie Verschwörungstheoretikerjünger nachbrabbelt, ohne eigene Meinung zu haben, aber fest im Glauben zu sein, dies sei seine Meinung. So funktioniert die Gehirnwäsche bei den genannten seit Jahrzehnten. Traurig und beunruhigend ist es allemal, dass einer der sich oben sieht stets gegen unten tritt. Damit beweist er, dass er eines ganz bestimmt ist: Ein selbstgefälliger Blender und empathielos.

 

Verschwörungstheorien lassen sich nicht wissenschaftlich diskutieren. Inzwischen wissen wir aus einer Reihe von Studien, dass man absurde Positionen schon allein dadurch aufwertet, dass man sie so ernst nimmt. Etwa wenn man einen Klima-Leugner mit einem führenden Klimatologen in ein Fernsehstudio setzt, wie das lange in den Welt-Medien gang und gäbe war. Die Ergebnisse, was die Polarisierung der Gesellschaft oder die Wissenschaftsfeindlichkeit angeht, sehen wir ja heutzutage oder bekommen sie jeden Tag  vor Augen geführt. Da sind wir, zum Glück in der Schweiz noch weit davon entfernt. Das liegt auch daran, dass man Leuten wie Herrn Ganser kein Forum bietet.


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