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Zunehmende Häufigkeit von Infektionskrankheiten wegen Rodungen?

DMZ – UMWELT/GESUNDHEIT ¦ Patricia Jungo ¦

 

Dass Wälder eine stattliche Anzahl an positiven Wirkungen haben, wird wohl niemand abstreiten. Dabei können vor allem Klimaschutz (natürlicher CO2-Speicher) und Förderung der Gesundheit (Waldspaziergänge) genannt werden. In einer Studie haben sich Forscher vom Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung in Frankreich nun mit einem weiteren Zusammenhang befasst. Sie wollten die Wirkung der Abholzung von Wäldern auf die Ausbreitung von Zoonosen untersuchen.

 

Diese Infektionskrankheiten werden von Tieren auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung kann entweder direkt oder durch einen Überträger wie etwa Stechmücken erfolgen. Das Zurückgreifen auf Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und der Weltbank erlaubte es den französischen Forschern, einen Überblick über die weltweiten grösseren Abholungen im Zeitraum von 1990 bis 2016 zu gewinnen. Im Anschluss glich man diese Ergebnisse mit den nachgewiesenen Ausbrüchen von Infektionskrankheiten im gleichen Zeitraum ab. Dies ermöglichte es den Forschern, einen eindeutigen statistischen Zusammenhang zu belegen.

 

Seitens der Biologen besteht diese Vermutung schon seit längerem und sie haben auch eine nachvollziehbare Erklärung dafür. Wenn ein Ökosystem intakt ist, hält die Natur von alleine das Gleichgewicht der Arten. Nur das Eingreifen des Menschen beeinträchtigt die korrekte Funktionsweise dieses natürlichen Mechanismus. Demzufolge breiten sich einige Arten verstärkt aus und andere werden aber geschwächt und anfälliger für Krankheitserreger. Beide Effekte sind verantwortlich, dass es häufiger zu einer Krankheitsübertragung vom Tier auf den Menschen kommt. Natürlich ist nicht allein die Abholzung von Bäumen problematisch. Alle schwerwiegenden Eingriffe in die lokalen Ökosysteme sind ein Problem. Der statistisch nachgewiesene Zusammenhang blieb auch bestehen, wenn die abgeholzten Wälder durch Palmölplantagen ersetzt wurden, da es sich auch hier in der Regel um das Ersetzen eines intakten Mischwaldes durch eine reine Monokultur handelt. Den Forschern gelang es aufzuzeigen, dass auch menschliche Aufforstung zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten beitragen kann.

 

Hält man sich an die obige Logik, ist dies bei jedem Eingreifen in ein intaktes Ökosystem ohne entsprechenden Ersatz der Fall. So hat es aus Sicht des Schutzes vor Zoonosen eher Nachteile, wenn eine bis anhin weitgehend unberührte Graslandschaft einem Wald einer Monokultur Platz machen muss. Die Art der Krankheiten, die sich durch die menschlichen Eingriffe stärker verbreiten, ist teilweise vom Klima vor Ort abhängig. So kam es in tropischen Ländern zur vermehrten Ausbreitung von Malaria und Ebola. In eher gemäßigten Zonen treten vor allem Krankheiten wie Lyme-Borreliose, die von Zecken übertragen werden, verstärkt auf.

 

 

Quellen:

±Der Standard/trendsderzukunft.de±


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