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Vom Schenken

DMZ – LEBEN ¦ Patricia Jungo ¦

 

Beim Wort «Geschenk» fangen Kinderaugen an zu glänzen und verraten Freude und Ungeduld auf liebevolle Weise. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob gerade Weihnachten, Geburtstag oder ein stinklangweiliger Montag ist. Die Kinder leben im Hier und Jetzt und in vollkommener Freiheit empfangen sie, was ihnen da als Geschenk in Herz und Arme flattert. Natürlich kann auch ihre Reaktion mit «derselben Freiheit» ausfallen und durchaus nicht immer nur unter dem Zeichen der Begeisterung und Freude stehen.

 

Aber niemals würde es einem Kind einfallen, ein Geschenk mit den Worten «Ach, das wäre nun doch wirklich nicht nötig gewesen», entgegenzunehmen. Kinder geben frei und nehmen frei an. Einmal mehr sind sie unsere wahren Lehrer. Sie fühlen die Freude, die Freiheit, die Liebe und sehen darin niemals einen Tausch. Wir Erwachsenen tun uns darin weit schwerer und sind oft eher ungeschickt im Umgang mit Geschenken. Es ist dabei nicht von Bedeutung, ob es sich um materielle Geschenke, Wortgeschenke oder eine andere Art von Geschenken handelt. Bekommen wir ein Geschenk, sei es auch nur in Form eines Lobes, wollen wir uns unverzüglich «revanchieren» und mit einem Lob an den Schenkenden reagieren. Dies hindert die Entwicklung der wahren Glücksgefühle, wie eben die Kinder sie noch ganz natürlich spüren, wenn sie ein Geschenk, in welcher Form auch immer, erhalten.

 

Warum fällt es uns oft schwer, ein Geschenk wirklich anzunehmen, uns auf «Empfang» zu schalten? Kann es sein, dass immer noch sehr viele Menschen das Gefühl haben, sie hätten das bestimmt nicht verdient und dürften es demnach auch nicht annehmen? Dies lässt sich sehr gut beobachten, wenn man jemandem ein Kompliment macht. Wie unangenehm, auf einmal so im Scheinwerferlicht zu stehen und womöglich noch analysiert zu werden!! In vielen Fällen wird ein Kompliment also entweder heruntergespielt, entwertet oder mit einem Gegenkompliment zum Verschwinden gebracht. Ein natürliches und ehrliches «Danke» scheint nicht zu genügen. Schliesslich hat man auch gelernt, höflich zu sein und etwas «zurückschenken» gehört in der Gesellschaft vielerorts zu den guten «Manieren». Zudem sind wir ja keine Kinder mehr und es ist für uns Erwachsene in der Tat nicht so einfach Komplimente und Geschenke anzunehmen. Oft ist dies sogar eine sehr anspruchsvolle Lebensaufgabe für viele Menschen.

 

Je mehr wir im Selbstvertrauen sind und uns wirklich annehmen, wie wir sind, desto einfacher können wir auch Geschenke annehmen. Statt zurückschenken, dürfen wir weiterschenken. Glück soll sich ja vermehren, wenn man es teilt. Schenken wir ehrlichen Herzens wie die Kinder, dann wollen wir etwas weitergeben, nicht etwas zurückbekommen. Ob an Weihnachten, Geburtstag, Valentinstag, Muttertag oder an allen anderen Tagen: Schenken wir all das Positive, das wir empfangen dürfen, mit offenem Herzen weiter. So dürfen auch Licht, Dankbarkeit und Liebe auf die Reise gehen und in die Welt strahlen.


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