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Ohne Impfungen bei Kindern und Jugendlichen ist es unmöglich, die Herdenimmunität zu erreichen

DMZ – MEDIZIN / WISSENSCHAFT ¦ Walter Fürst ¦

 

Nach bisherigen Erkenntnissen erkranken Kinder im Vergleich zu Erwachsenen meist weniger schwer an COVID-19 und haben eine deutlich bessere Prognose. Dennoch: etwa 0,18 Prozent der Kinder mit klinisch manifester COVID-19 sterben, meist infolge eines pädiatrischen entzündlichen Multisystemsyndroms (PIMS). Auch unter 18-Jährige müssten geimpft werden, sagen Infektiologen. Das sei wesentlich, damit schnellstmöglich eine Herdenimmunität erreicht werden kann. Hersteller der COVID-19-Vakzinen arbeiten mit Hochdruck daran, Studiendaten zur Impfung von Kindern ab 12 Jahren und auch jünger zusammenzutragen und eine entsprechende Zulassung zu erhalten.

 

Impfen zentral

Auch Kinder und Jugendliche gegen das Coronavirus zu impfen, ist laut Experten zentral. Und zwar wegen der Herdenimmunität: Falls sie erreicht werden kann, ist das Coronavirus "besiegt". Dafür müsste ein Grossteil der Bevölkerung gegen das Virus immun werden. Ursprünglich gingen Forschende davon aus, dass 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung immun sein müssen, um Covid-19 den Garaus machen zu können. Doch wegen der Virusmutationen ist dieser Wert gestiegen. Mindestens 80 Prozent der Bevölkerung müssten laut Experten zur Erreichung der Herdenimmunität über die entsprechenden Antikörper verfügen.

 

Zulassung in der EU

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist in der EU für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen worden. Durch die Corona-Mutanten hat sich die Lage geändert und auch Menschen unter 50 Jahren infizieren sich vermehrt mit SARS-CoV-2. Das kann auch für Mütter gefährlich werden, wenn sie schwanger sind und sich bei ihrem Nachwuchs anstecken. Oder für Neugeborene, wenn sie sich bei der Mutter anstecken. Kinder mit Vorerkrankungen würden direkt von einer Impfung profitieren und bei gesunden Kindern gilt es, Risiken und Nutzen abzuwägen. Um eine Herdenimmunität zu erlangen ist dies notwendig. Also nicht einfach nur, um den Schul- und Vereinsbesuch zu ermöglichen. Denn die Infrastruktur von Schulen und vernünftige Materialien für Online-Unterricht müssen vom Staat gestellt werden, für Präsenzunterricht braucht es Hygienekonzepte und nicht einfach eine Impfung.

 

In den USA laufen zudem bereits Studien zur Wirksamkeit des Biontech/Pfizer-Impfstoffs bei noch jüngeren Kindern zwischen sechs Monaten und elf Jahren. Erste Ergebnisse für Kinder ab 5 Jahren könnten laut Biontech im Sommer 2021 vorliegen. 

Das US-Unternehmen Moderna hat am 7. Juni 2021 die Zulassung des hauseigenen Corona-Impfstoffs für Kinder ab zwölf Jahren in der EU und Kanada beantragt. Die USA sollen folgen. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) ist optimistisch, dass es noch im Laufe dieses Jahres, sowohl für die Jugendlichen, als auch für jüngere Kinder zugelassene Impfstoffe geben wird.

 

Es traten bei den Kindern und Jugendlichen bisher nur die üblichen möglichen Impfreaktionen auf und waren mild bis moderat. Genannt wurden Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Fieber. Es gab keine Fälle von Thrombosen oder anaphylaktischen Schocks.

 

Die Zahl der in der Studie geimpften Kinder ist den Experten allerdings noch zu gering, um eine belastbare Aussage über die Sicherheit in dieser Altersgruppe zu machen. Kinder mit Vorerkrankungen wird man voraussichtlich anders behandeln als gesunde Kinder.

 

Braucht es auch Corona-Schutzimpfung für kleine Kinder? Christian Drosten ist sich unsicher

Viele Erwachsene hätten im Herbst ihre Impfung ein halbes Jahr hinter sich, und deren Schutz werde schwächer. Dabei gehe es dann weniger um die Gefahr einer eigenen Erkrankung der geimpften Erwachsenen als um das Risiko der Weitergabe des Virus an Kinder.

Die Studien zu Impfungen kleinerer Kinder seien kompliziert und dauerten. Drosten sei sich nicht so sicher, ob man so schnell kleinere Kinder impfen könne. Allerdings steht für Christian Drosten auch fest, dass man entweder geimpft wird oder man erkrankt. 


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