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VW-Chef Diess: „Einen Großteil der Arbeitsplätze kann man retten“

DMZ –  WIRTSCHAFT ¦ Dirk Specht ¦

KOMMENTAR

 

Was Diess in einem dpa-Interview sagt, ist alles richtig. Entscheidend ist, was er nicht sagt bzw. nur andeutet. Bei der reinen Fertigung von Fahrzeugen mag die Transformation auf neue Technologien gelingen. Die Zukunftsfrage ist aber, ob die industriell hochwertige Fertigung noch der entscheidende Faktor ist. Es gibt nicht wenige Studien, die einen fundamentalen Wandel des Automobilmarktes voraussagen.

 

Das reicht von den Geschäftsmodellen – will die Mehrheit zukünftig Autos besitzen oder nur bedarfsweise nutzen – über die nachgefragten Eigenschaften – ist das Gros zukünftiger Autos vielleicht primär klein, praktisch und preiswert – bis zu den relevanten Kernkompetenzen für die Hersteller – Konzeption, Software, vielleicht Batterietechnologie.

 

Derzeit führen zwei Hersteller, Tesla und BYD, die mit eigener Software und Batterietechnologie arbeiten. Aber bereits die Modellpolitik ist sehr unterschiedlich. Während Tesla eher dem bisherigen Trend hoher Leistung und entsprechender Preise folgt, baut BYD immer preiswertere Modelle. Zugleich entwickeln sich im Zulieferbereich Spezialisten für Batterien, die den beiden Autoherstellern diese Kompetenz möglicherweise streitig machen. Die Strategie Teslas könnte mittelfristig genau falsch sein, BYD beginnt bereits, die Batterien auch an andere Hersteller zu liefern.

 

Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Markt sich ähnlich wie bei den Smartphones entwickelt. Fertigungskompetenzen haben hier viele, die Foxconns liefern sich einen brutalen Wettbewerbs und die Apples diktieren ihnen die Konditionen. Die Marktführer haben ihre Kompetenzen in Konzeption, Design und vor allem in der Software, deren Bedeutung viele gar nicht wahrnehmen – was übrigens ein Gütesiegel dafür ist. Von Rang sind trotz Hunderter Hersteller von Geräten nur zwei Unternehmen übrig geblieben: Google und Apple.

 

Hier hat die deutsche Automobilindustrie Nachteile, die sie dringend aufholen muss. Kommen aber alle Entwicklungen zugleich, von anderen Preis/Leistungsanforderungen über Geschäftsmodelle bis zu erforderlichen Kernkompetenzen, ist sie vielleicht zu spät aufgebrochen. Wer sich den aktuellen Stand der Betriebssoftware von Autos der etablierten Industrie ansieht – und das ist nur ein Bruchteil dessen, was zukünftig zum Funktionsumfang gehört – kann man kaum optimistisch sein. Da gilt es schon als Krönung, wenn man Updates ohne Besuch der Werkstatt fahren kann – und dabei zudem nichts schief läuft.

VW hat das erkannt. Der Software-Chef wurde vor nicht langer Zeit ausgewechselt, der Konzern sucht vor allem IT-Spezialisten. Ich wünsche dem Unternehmen sehr, dass es nicht zu spät ist. Das Auto der Zukunft wird von den Konzeptern und Programmierern bestimmt, nicht mehr von den Ingenieuren.


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