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RRRrrrr Renners Rasende Randnotiz - Der Club der 27 und was dies mit Malerei zu tun hat

Alon Renner (Potrait von Olivia Aloisi)
Alon Renner (Potrait von Olivia Aloisi)

DMZ – KOLUMNE ¦ Alon Renner ¦                        

 

Zurück aus der Sommerpause, möchte ich Euch ganz herzlich zu meiner neuen Kolumne willkommen heissen. Heute geht es um die Geschichte, die ich anlässlich des Literaturfestivals www.dierahmenhandlung.com geschrieben habe. Ihr wisst schon, das Festival, das bei mir Zuhause stattfindet. Ich erlaube mir, sie in den nächsten Wochen als Fortsetzungsroman zu veröffentlichen.

Die Grundlage für die Erzählung bildet Marco Meronis Ausstellung „18 Abwesende aus Ton“ die wir anlässlich der Rahmenhandlung zum ersten Mal zeigen. Siehe auch: https://bit.ly/3kTcLvV

 

Der Club der 27 und was dies mit Malerei zu tun hat

Tatsächlich macht wohl kaum etwas so unsterblich wie ein unverhoffter Tod, noch vor der Zeit. Das gilt zumindest für die Welt des Showgeschäfts, des Spitzensports und mitunter auch für die Politik.

Willkommen im Club 27, für dessen exklusive Mitgliedschaft niemand ein Vermögen ausgibt oder stundenlang frierend vor dem Eingang ansteht. Auch wenn dessen VIP Bereich die sagenumwobensten Künstler der neueren Musikgeschichte umfasst. Jim Morrison, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Kurt Cobain und Amy Winehouse sind die bekanntesten Gesichter einer illustren Schar äusserst talentierter Interpreten, die vor allem zwei wesentliche Merkmale miteinander verbindet: ihre Drogensucht und ihr Tod im Alter von 27 Jahren. Mitglied wird man hier also nur post mortem und nur, wenn man auch wirklich mit 27 stirbt.

Um den Club ranken sich zahlreiche Legenden. Unzählige Theorien, Spekulationen und Verschwörungen beschäftigen sich mit den Ursachen für das frühe Ableben der Stars und den möglichen Zusammenhängen. Auch gibt es dutzende Romane, Filme, und Bühnenstücke, die sich mit diesem erlesenen Zirkel auseinandersetzen. Und Merchandising-Produkte. Ja, die gibt es tatsächlich auch.

Es ist so ein bisschen wie bei Elvis. Gar manche meinen, dass die Musiker gar nicht gestorben sind, sondern im Verborgenen noch unter uns weilen...

 

Was aber nur die wenigsten wissen, ist, dass dem Club 27 ein Maler angehört. Ein Maler, dessen Bedeutung und Ausstrahlungskraft für die jüngere Geschichte der Kunst, für das Selbstverständnis des Schwarzen Amerikas und für die Entwicklung von Hiphop nicht genügend betont werden kann. Denn Hiphop ist weit mehr als Musik. Hiphop fusst auf den mächtigen Säulen des Rap, des Djing, des Tanzes und von Graffiti. Und da gibt es nicht nur Keith Haring und Banksy zu entdecken, sondern vor allem auch Jean-Michel Basquiat, dessen Gemälde «Skull», auf Deutsch Schädel, 2017 für unglaubliche 110 Millionen US Dollar bei Christies versteigert wurde. Und dessen weltweiter Kunsthändler der Gleiche war wie derjenige von Andy Warhol: der Schweizer Bruno Bischofberger.

 

Geboren wurde Jean-Michel Basquiat am 22. Dezember 1960 in Brooklyn, New York. Sein Vater stammte aus Haiti, die Mutter war das Kind Puerto-Ricanischer Einwanderer. Mit vier konnte er schon lesen und schreiben. Und da seine Familie zur aufstrebenden Mittelschicht gehörte, konnte es sich diese leisten, ihren Sohn auf eine katholische Privatschule zu schicken. Er muss sechs oder sieben Jahre alt gewesen sein, als er spielend vor dem Haus von einem Auto erfasst wurde. Die Folge war ein mehrwöchiger Spitalaufenthalt bei dem ihm seine Mutter eine Kopie von Gray’s Anatomy schenkte. Und wir sprechen hier nicht etwa über einen Roman, der die Grundlage für die US Amerikanische TV Serie bildet. Sondern von Henry Gray’s Anatomy of the Human Body. Dem Klassiker im englischen Sprachraum, was die Anatomie anbelangt. Und selbstverständlich fungiert das Buch als Namensgeber für die TV Serie. Genauso selbstverständlich, wie dieses Buch dem kleinen Jean-Michel seine Knochenbrüche erklärte und ihm eine nie wieder weichende Faszination für den menschlichen Körper und dessen Skelett bescherte.

 

Oft besuchte er mit seiner an Kunst interessierten Mutter, die selber zeichnete und malte, das Brooklyn Museum, für das er künftig eine Jahreskarte erhielt. Später dann das Guggenheim, das Whitney Museum und MOMA, das Museum of Modern Art. 1968 jedoch trennte sich Matilda von ihrem Mann Gerard und liess ihre Kinder bei ihm zurück. Diese Trennung sollte Jean-Michel ein Leben lang verfolgen. Denn die Beziehung zu seinem Vater war eine zunehmend zerrüttete. Und diejenige zu seiner Mutter fragil. Äusserst fragil und glich einem Tanz auf rohen Eiern. Denn seine Mutter hatte eine psychische Krankheit befallen.

Schon mit elf sprach er neben Englisch fliessend Französisch und Spanisch. Alles schien darauf hinzudeuten, dass er eine besonders erfolgreiche Schulkarriere absolvieren würde... Doch, es sollte anders kommen.

Besuchte seine erkrankte Mutter ihre Kinder, blieb sie mit ihnen auf den Treppenstufen vor dem Haus sitzen. Ins Gebäude hinein, wollte sie auf keinen Fall. Der Geborgenheit der häuslichen Gemeinschaft entflohen, empfand sie das Haus ihrer ehemaligen Ehe als Bedrohung. Dieses Unwohlsein, dieser Widerwille gegenüber der Welt ihres Ex Mannes muss sich auf Basquiat übertragen haben...

 

Denn die Auseinandersetzungen mit seinem Vater wurden über die Jahre immer heftiger, immer lauter, immer erbitterter. Und sie waren derart, dass er öfters von Zuhause weglief. Mit siebzehn sogar für immer...

Hat sie Euch bis anhin gefallen, meine kleine Geschichte? Fein. Nächste Woche geht es weiter. Versprochen.

 

Ganz liebe Grüsse

Euer Alon

 

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