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Wiederaufnahme der Corona-Pooltests in den öffentlichen Schulen des Kantons Bern

DMZ –  POLITIK ¦  Edith Leibundgut ¦                                    

GASTKOMMENTAR

 

Das BAG meldete gestern Montag, 15. November 2021, 9702 neue Corona-Fälle für das Wochenende. Der Kanton Bern meldet im gleichen Zeitraum 1284. Damit ist der Kanton Bern zunehmend überdurchschnittlich am Pandemiegeschehen der Schweiz beteiligt. Wo liegen die Gründe?

 

Schulen werden zunehmend zur Drehscheibe der Pandemie. Wir sind klar der Meinung, dass die Schutzmassnahmen des Kantons Bern an den Schulen unzureichend sind. Es gilt aufgrund der exponentiell ansteigenden Zahlen jetzt schnell zu handeln.

 

Die neue Teststrategie des Kantons ordnet erst eine Ausbruchstestung an, wenn in einer Klasse drei oder mehr Fälle innerhalb von fünf Tagen vorkommen. Da Kinder oft symptomlos sind und längst nicht alle Eltern ihre Kinder bei einem Verdacht testen lassen, können einige Tage vergehen, bis drei Fälle gemeldet werden. Zu diesem Zeitpunkt ist in der Regel die halbe Klasse infiziert, wie die Zahlen jetzt aufzeigen. Der Kanton wiegelt ab, er habe alles im Griff. Davon kann, seit ganze Dörfer durchgetestet werden müssen, keine Rede mehr sein. Es gilt jetzt und hier umzukehren und die regelmässigen Pooltests wieder einzuführen. Fehler zu machen, mag in dieser Situation unglücklich sein. Fehler nicht einzugestehen ist jedoch viel dramatischer. Sowohl Eltern als auch Lehrpersonen und Elternorganisationen erwarten ein Umdenken. Wir fordern den Kanton mit der Einreichung dieser Petition nachdrücklich dazu auf, sich von Beschönigungen und Fehlentscheidungen zu distanzieren und jetzt Verantwortung zu übernehmen, indem der Kanton fortan agiert statt reagiert.

 

«Mit der aktuellen Teststrategie befinden wir uns im Blindflug bei dichtem Nebel in den Bergen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Flugzeug an einer Felswand zerschellt.» Andrea Dähler

 

Schulschliessungen verhindern

Offene Schulen sind wichtig. Darin sind sich die kantonalen Behörden, Eltern, Elternorganisationen, Lehrpersonen und Wissenschaft einig. Dass jedoch ausgerechnet die Kantone keine wissenschaftsbasierten Schutzmassnahmen, welche eine Niedriginzidenz garantieren könnten, einführen, lässt viele von uns ratlos zurück. Durch regelmässiges präventives Testen werden Infektionsfälle rasch erkannt, können Infektionsketten unterbrochen sowie Quarantäne, Isolation und Schulschliessungen verhindert werden.

 

Das Zirkulierenlassen des Virus dort, wo es relativ ungefährlich ist - vorgeschlagen von Pädiatrie Schweiz als Durchseuchungsstrategie für die Jüngsten – wird von den Elternorganisationen scharf kritisiert und gilt inzwischen weltweit als unethisch und unwissenschaftlich. Durch die Präsenzpflicht können Kinder nicht ausweichen, sie sind Sars-CoV-2 auf Gedeih und Verderben ausgeliefert. Eltern, die ihre teils vulnerablen Kinder zu deren Schutz von der Präsenzpflicht dispensieren lassen möchten, laufen bei den Behörden und Schulleitungen noch und noch auf und riskieren gar rechtliche Konsequenzen. Nicht selten wird ihnen von Schulleitungen mit der KESB gedroht. Dass Behörden eine solche Macht über die Gesundheit und Unversehrtheit unserer Kinder haben, dass Staatsangestellte eine Infektion mit Sars-CoV-2 selbst Menschen mit Vorerkrankungen «zufügen» können ist irgendwie monströs.

 

Schattenfamilien sind von der Pandemie in besonderem Ausmass betroffen und gehen oft vergessen. Es leben in vielen Familien vulnerable, vorerkrankte Personen. Sie bedürfen eines besonderen Schutzes und müssen bis zur Zulassung und Durchführung einer Impfung ein Recht auf Dispensation ihrer Kinder haben.

Aussagen wie «Kinder sind keine Treiber der Pandemie» sind inzwischen widerlegt. Da für Kinder unter 12 Jahren noch keine Impfung zugelassen ist, die Delta-Variante um ein Mehrfaches ansteckender ist als der Wildtyp, verlagert sich das Pandemiegeschehen zunehmend auf Kinder, auf ungeimpfte Erwachsene und auf all jene, deren Impfschutz mangels Booster nachlässt. Wir stehen vor einem sehr schwierigen Winter, welcher für viele Menschen Krankheit und Tod bringen wird.

 

Eine Durchseuchung ist so kurz vor der Zulassung der Impfstoffe nicht notwendig. In den USA ist der Impfstoff für 5 – 12 Jährige bereits zugelassen. Auch in der EU läuft die Zulassung. Wir können für den Schutz der Kinder viel mehr tun. Dies zeigt die PH-Strategie für Schweizer Schulen unserer besten und weltweit anerkannten Wissenschaftler https://smw.ch/article/doi/SMW.2021.w30086. Leider haben die verantwortlichen Behörden die Meinung von Pädiatrie Schweiz, man könne das Virus dort zirkulieren lassen, wo es relativ ungefährlich sei, als fachlich fundierte Aussage verstanden. Sie ist jedoch weder fachlich korrekt noch ethisch vertretbar. Elternorganisationen und Wissenschaft sind sich einig, auch dies dürfte für die Behörden ein Fingerzeig sein, welche Handlungsrichtung erfolgsversprechend ist!

 

Die Aussage, die Kinder würden sich auch im Sportverein und bei Freunden anstecken stellt die Situation falsch dar. Im privaten Umfeld hat jede Familie die Möglichkeit, selbst über Schutzmassnahmen zu entscheiden. Präsenzpflicht hingegen wird mit Staatsgewalt durchgesetzt. Werden Kinder in den Schulen vor Ort durchseucht verletzt der Staat die ihm übertragene Fürsorgepflicht. Dies ist letztlich einklagbar. Die Arbeitsgruppe «Kinder schützen – jetzt!» zeichnet in verschiedenen Kantonen Fälle akribisch nach, um bei einem späteren Zeitpunkt nachweisen zu können, dass die Infektionsketten in den Schulen ihren Anfang nehmen und das Virus breit in die Familien und in die Öffentlichkeit tragen (Details dazu gerne auf Anfrage).

 

Schulen sind längst zur Drehscheibe der Pandemie geworden. Hier werden Infektionen weitergereicht und in die Familien getragen. Aufgrund fehlender Booster kommt es zunehmend zu Durchbrüchen bei Eltern, Grosseltern und Lehrpersonen. Die kantonalen Gesundheits- und Schuldirektionen stehen damit auch in der Verantwortung dafür, dass es im Spitalwesen nicht zu einer Überlastung und zum Zusammenbruch kommt.

 

Widerrede zur Antwort des Kantons auf die Petition

  • Die repetitiven Massentests brachten aufgrund der freiwilligen Teilnahme und des grossen zeitlichen Abstandes nicht den erwarteten Mehrwert.
    Nachdem der Bundesrat die repetitiven Tests nicht nur bezahlt, sondern auch noch organisiert hat, wäre es für den Kanton einfach, zweimal wöchentlich zu testen. Andere Kantone wie zum Beispiel Zug, schaffen das.
    Wer dort nicht testen will, muss eine schriftliche Dispensation mitbringen. Eine gute Möglichkeit bildet auch das Konzept der «Grünen Schulen». Ziel ist, dass die Schule virenfrei wird. Dies wird durch regelmässiges Testen und das Tragen von Masken sowie eine hohe Luftqualität erreicht. Ist die Schule virenfrei, können die Massnahmen gelockert werden. Wer nicht testet trägt ganz einfach weiterhin Maske. Es müsste schon Schülerinnen und Schülern klar gemacht werden, dass wir Menschen unser Gegenüber nicht gefährden wollen. So können Lehrende den Lernenden aus der Praxis im Alltag zeigen, was Solidarität und Gemeinschaft bedeuten und wie wichtig sie sind.
  • Der Kanton spricht die gesetzlich festgelegte «epidemiologische Notwendigkeit» an, die für repetitives Testen nicht gegeben sei.
    Aufgrund dessen, dass wir uns in einer Pandemie mit einem hoch ansteckenden Virus befinden und der Tatsache, dass die Regierung für die Unversehrtheit unserer Jüngsten verantwortlich ist, ist diese Antwort nicht nachvollziehbar. Die Bedingungen von Art. 30 des Epidemien-Gesetzes zur Verhältnismässigkeit dieser Massnahmen kann als erfüllt betrachtet werden.
  • Der Kanton weist darauf hin, dass die Variante nicht zu schwereren Verläufen führt als der Wildtyp.
    Aber Delta ist massiv ansteckender. Damit ist davon auszugehen, dass viel mehr Menschen bei massiv höherer Virenlast in der Bevölkerung erkranken.
  • Die Krankheitslast sei geringer als bei anderen respiratorischen Viren, PIMS selten.
    Das wirkliche Problem von Long-Covid wird hier gar nicht erst erwähnt. Dies ist schwer zu fassen, führt doch gerade Long-Covid bei jungen Menschen zu einer massiven Einschränkung von Lebensperspektiven.
  • Die gesamte impfwillige Bevölkerung sei geimpft
    In der Altersgruppe derjenigen jungen Menschen, die der obligatorischen Schulpflicht unterstehen, sind nur sehr wenige geimpft. Für 5 – 12-jährige ist kein Impfstoff zugelassen. Sie werden aufgrund der mangelhaften Schutzmassnahmen einfach durchseucht. Aufgrund des nachlassenden Impfschutzes kommt es inzwischen auch zunehmend zu Impfdurchbrüchen bei Eltern und Grosseltern.

Die Antwort der kantonalen Gesundheitsdirektion ist für uns nicht nur unbefriedigend, sondern entspricht auch nicht dem heutigen wissenschaftlichen «State of the Art».

Fazit

Kinder haben in den letzten 19 Monaten auf Vieles verzichtet und stehen jetzt voll im Regen.

Für Erwachsene gibt es jetzt Booster-Impfungen, für schutzlose Kinder nicht einmal adäquate Massnahmen. Sie werden dem Virus hilflos ausgesetzt und ohne zu fragen durchseucht. Dabei gefährden sie aufgrund des nachlassenden Impfschutzes ungewollt zunehmend auch Eltern und weitere Bezugspersonen. Dies ist eine grosse Belastung für die Kinder.

Die Schulen sind im Kanton Bern längst zur Drehscheibe der Pandemie geworden. Höchste Zeit jetzt wissenschaftsbasierte Massnahmen umzusetzen. Der Kanton Bern steht in der Verantwortung.

 

Stimmen betroffener Eltern

Argumente gegen die aktuelle Teststrategie in den Schulen im Kanton Bern

Schon vor den Herbstferien hatten sicher einige Eltern ein ungutes Gefühl, die Kinder unter den momentan geltenden Bedingungen wieder zur Schule zu schicken. Viele verbrachten ihre Ferien im Ausland und kehrten zurück, als die Infektionszahlen schon zu steigen begannen. Der Rest ist Geschichte – die Zahlen steigen momentan schweizweit exponentiell. Was aber viele Eltern im Kanton Bern bis heute und immer stärker beschäftigt – wieso wurde das repetitive Testen in den Schulen einiger Kantone eingestellt, als die Infektionszahlen bereits in die Höhe schossen? Diese Pooltests gaben doch eine gewisse Sicherheit und Orientierungshilfe!? Vor allem konnten auch symptomlose Kinder rechtzeitig gefunden werden. Auch funktionierte die Information der Schulen während der laufenden Pooltests besser.

Fakt ist, dass wir unter der aktuellen Teststrategie (Ausbruchstesten) und der momentan mangelhaften Informationspolitik an den Schulen des Kantons Bern als Eltern unsere Verantwortung nicht wahrnehmen können! Dies vor allem aus folgenden Gründen:

 

  • Der Datenschutz in den Volksschulen des Kantons Bern tabuisiert so zu sagen die Erkrankung am Coronavirus und die Informationen an Eltern und entsprechende Massnahmen gegen die Verbreitung von Sars-CoV2 an Schulen können nicht oder nur zu spät umgesetzt werden. Ein Auszug dazu:

 

Die Schulen geben an, sich an die kantonalen Vorgaben halten zu müssen und dass es bei zu viel Information zu Stigmatisierungen führen könne. Der Kanton dagegen schiebt den Schwarzen Peter den Schulen zu. Ein einheitliches Vorgehen aller Kantone und eine abgestimmte und transparente Informationspolitik der Schulen wäre in der jetzigen Situation nicht nur wünschens- und erstrebenswert, sondern unerlässlich!

 

„Wir befinden uns auf einem Blindflug bei dichtem Nebel in den Bergen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Flugzeug an einer Felswand zerschellt.“

 

Um die Ansteckungskette wenigstens ein wenig zu bremsen – man kann ja nicht mit gutem Gewissen von «unterbrechen» schreiben – sollten die Eltern aber möglichst zeitnah informiert werden, um die Kinder nach engem Kontakt zu positiv getesteten Kindern so schnell wie möglich in Quarantäne zu behalten und bei Fällen in der Klasse wenigstens häufiger selbst zuhause zu testen. Mit der aktuellen Informationspolitik befinden wir uns dagegen tatsächlich in einem Blindflug. Wie sollen wir als Eltern unsere Eigenverantwortung wahrnehmen, wenn wir keine Informationen erhalten und somit achtsam sein können?

 

Es geht hier nicht nur um den Schutz der Kinder, sondern auch um den Schutz von vulnerablen Personen, der Eltern, der Grosseltern und der älteren Generation! Die Kinder tragen das Virus von den Schulen in die Familien – sie werden zur Drehscheibe der Pandemie! Fakt ist also auch hier – die Eltern müssen zuerst eine gewisse Ahnung und Informationen über das Geschehen und die Zustände in den Schulen haben, um handeln zu können!

 

Beim Pooltesten wusste man als Eltern zumindest, ob es in den Klassen positive Fälle gab und konnte entsprechend achtsamer sein und zeitnah handeln. Hier stellt sich auch die Frage, wieso es bei der damaligen Teststrategie keine Rolle spielte, dass die Eltern wussten, in welcher Klasse positive Kinder waren und nun bei der neuen Teststrategie schon? Der geltende Datenschutz war doch derselbe!?

Die Aussage der GDK, dass es nicht gereicht habe, einmal wöchentlich zu testen, tröstet kaum und ist für viele nicht nachvollziehbar. Es wäre einfach gewesen, zweimal pro Woche diese Spucktests mit den Kindern durchzuführen. Wenn es sein muss, auch dreimal. Die Kinder hatten sich an diese Tests gewohnt und es gehörte vor den Sommerferien praktisch zum Alltag. Finanzielle Gründe kann das Absetzen dieser Tests wohl auch kaum haben – würden doch die repetitiven Tests in den Schulen vom Bund übernommen.

Das Contact Tracing ist momentan wohl auch ziemlich überlastet, was auch dazu führt, dass oft auch ihrerseits nicht oder erst zu spät gehandelt bzw. informiert wird.

 

Eine Stimme sollen hier auch Eltern von vulnerablen Kindern erhalten. Für sie ist die momentane Situation noch viel unerträglicher und eine grosse psychische Belastung. Die tägliche Angst, dass sich das eigene Kind mit dem Virus infizieren könnte und man wüsste nicht, was es für Folgen hätte. Wie wir wissen, zeichnen Studien dazu ein düsteres Bild. Dazu kommt die Präsenzpflicht! Momentan haben vulnerable Eltern oder Eltern vulnerabler Kinder keine Möglichkeit, ihr Kind vom Präsenzunterricht zu befreien. Allgemein haben Eltern diese Möglichkeit nicht – die Kinder werden gegen unseren Willen durchgeseucht. Will man sich und die Kinder schützen und behält sie zu Hause, macht man sich strafbar.

 

Wollen wir als Eltern Eigenverantwortung gegenüber der Gesellschaft übernehmen, brauchen wir zeitnah konkrete Informationen um achtsam sein und handeln zu können! Unter den momentanen Umständen ist dies nicht möglich und die Situation an den Schulen läuft aus dem Ruder. Also bitte handelt endlich!

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