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Wie eine Busfahrt den Wandel einläutete

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Wie ein entschiedenes "Nein" eine Bewegung in Gang setzte und eine Schneiderin zu ihrer Gallionsfigur wurde.

 

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Linienbus und werden plötzlich aufgefordert, Ihren Platz frei zu machen. Nicht etwa für eine ältere Dame – oder jemanden mit Gehbehinderung - sondern einzig und allein wegen der Farbe Ihrer Haut.

 

Das ist es, was Rosa Parks passiert, als sie am 1. Dezember 1955 in der Stadt Montgomery im US-Bundesstaat Alabama auf dem Heimweg ist. Die 42jährige Schneiderin soll ihren Sitzplatz einem weißen Fahrgast überlassen – weil sie schwarz ist. Rosa Parks hat solche Szenen in ihrem Leben schon viele Male erlebt, doch diesmal sagt sie nein… und löst damit eine Bewegung aus, die Amerika für immer verändern sollte.

 

Doch erst einmal wird Rosa Parks festgenommen und ins Gefängnis gesteckt, weil sie die Rassengesetze in den Südstaaten missachtet hatte. Schwarzen war der Zutritt zu vielen Restaurants, Geschäften und Hotels verboten. Sie durften häufig nicht dieselben Toiletten benutzen wie die Weißen, und nicht dieselben öffentlichen Wasserspender. In Bussen hatten sie im hinteren Abschnitt zu sitzen – wer weiter vorne saß, musste seinen Platz räumen, wenn ein weißer Fahrgast ihn beanspruchte.

 

Vier Tage nach ihrer Festnahme wird Rosa Parks vor Gericht wegen ungebührlichen Verhaltens zu einer Geldstrafe verurteilt. Doch dieser Fall war damit nicht erledigt. Bürgerrechtler riefen zum Boykott der städtischen Busse auf – an der Spitze der Proteste ein junger Pastor, dessen Name damals noch weitgehend unbekannt war: Martin Luther King. Die schwarze Bevölkerung Montgomerys folgte ihm, man bildete Fahrgemeinschaften, teilte sich Taxen oder ging einfach zur Fuß zur Arbeit. Die Busse blieben halb leer – mehr als ein Jahr lang – bis zu dem Tag, an dem der Oberste Gerichtshof die Rassentrennung in den städtischen Verkehrsmitteln von Montgomery für verfassungswidrig erklärte.

 

Die Bürgerrechtsbewegung hatte einen Etappensieg errungen – doch es sollten weitere sieben Jahre vergehen, bis die Rassentrennung in den USA im Jahre 1964 schließlich vollständig aufgehoben wurde.

Und Rosa Parks? Ihre Weigerung, im Bus Platz zu machen für einen Weißen, war der Funke, der den Widerstand gegen die tägliche Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung befeuert hat.

"Mein Gefühl hat mir damals gesagt, ich habe das Recht, zu bleiben wo ich war", sagte sie später in einem Interview.

 

Rosa Parks wurde 92 Jahre alt. Zu ihrem Andenken steht heute eine Bronzestatue im Capitol von Washington. Sie zeigt Rosa Parks aufrecht sitzend – mit erhobenem Kopf und entschlossenem Gesichtsausdruck – wie bei jener Fahrt im Bus, im Jahr 1955.

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