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AT: COVID-19: Viele Gründe für die Kinderimpfung

DMZ – WISSENSCHAFT¦ Markus Golla ¦                           

 

Mehr Aufklärung von Eltern und Kindern notwendig

Egal, ob Schutz vor schwerem Verlauf, Verringern des Risikos für Long-COVID oder das Gewährleisten eines normalen Schulunterrichts – es gibt viele Gründe, die für die COVID-19-Impfung von Kindern und Jugendlichen sprechen. Wirksamkeit und Verträglichkeit wurden von der EMA ausführlich geprüft, weltweit – insbesondere in den USA – Millionen Kinder bereits geimpft. Das nationale Impfgremium (NIG) in Österreich hat eine eindeutige Empfehlung für alle Kinder ab fünf Jahren ausgesprochen. Eine Impfempfehlung vom NIG für die gesamte Bevölkerung* gibt es übrigens auch für die Influenza-Impfung. Die Gefahr einer zusätzlichen Influenza-Epidemie zur COVID-19-Pandemie besteht nach wie vor und erhöht sich mit der Wiederaufnahme der Reisetätigkeit.

 

Fotografie: v.l.n.r.: Mag.a Renée Gallo-Daniel, Präsidentin des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH); Dr. Florian Götzinger, Kinderarzt und Kinderinfektiologe an der Klinik Ottakring, Programmdirektor für Kinderinfektiologie Wiener Infektiologie-Netzwerk; Susanna Öllinger, Bundesschulsprecherin und AHS-Landessschulsprecherin in Oberösterreich; MR Dr. Rudolf Schmitzberger, Leiter des Impfreferats der Österreichischen Ärztekammer; Priv.-Doz.in Mag.a Dr.in Maria Paulke-Korinek, PhD, DTM, Leiterin Abteilung für Impfwesen, Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Mitglied des Nationalen Impfgremiums; Priv. Doz.in Dr.in Monika Redlberger-Fritz Leiterin des Nationalen Referenzlabors für die Erfassung und Überwachung von Influenza-Virusinfektionen, Mitglied des Nationalen Impfgremiums

 

Hohes Infektionsgeschehen bei Kindern

In den vergangenen Wochen war das Infektionsgeschehen insgesamt und im Speziellen bei Kindern in Österreich besonders hoch. „Bei den 5-14-Jährigen lag die Inzidenz zwischenzeitlich bei über 2100 und damit so hoch wie in keiner anderen Altersgruppe“, berichtet MR Dr. Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referates für Impfangelegenheiten der Österreichischen Ärztekammer. „Wir wissen natürlich, dass schwere Verläufe einer COVID-Infektion bei Kindern sehr selten sind, aber dennoch kommen sie vor und enden in Einzelfällen auch tödlich.“ Dr. Florian Götzinger, Kinderarzt und Kinderinfektiologe an der Klinik Ottakring, erläutert: „Bei manchen Kindern kommt es einige Wochen nach einer Infektion mit dem Virus zum sogenannten MIS-C /PIMS-TS, einem Hyperinflammationssyndrom.“ Dieses sei eine überschießende Immunreaktion.

 

Recherchen der Österreichischen Gesellschaft der Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) haben ergeben, dass es bis zum 31. März 2021 in Österreich 51 Fälle dieses Syndroms gab. Götzinger ergänzt: „Auch wenn es gut behandelbar ist, kann es beim Hyperinflammationssyndrom Langzeitfolgen geben. Bei manchen Kindern bilden sich Koronaraneurysmen, also Ausbuchtungen einer Koronararterie. In diesem Fall kann es passieren, dass die Kinder lebenslang gerinnungshemmende Medikamente einnehmen müssen.“

 

Long-COVID auch bei Kindern möglich

Mittlerweile weiß man außerdem, dass es auch bei Kindern zu Long-COVID kommen kann. „Selbst wenn wir uns bei den entsprechenden Studien im untersten Bereich orientieren, nämlich bei zwei oder drei Prozent Long-COVID Fällen unter Kindern und Jugendlichen, sind das unglaublich viele Kinder, die langfristig darunter leiden müssen“, betont Schmitzberger. Bundesschulsprecherin Susanna Öllinger weiß wie das ist: „Seit ich an COVID-19 erkrankt bin, leide ich an Asthma und Konzentrationsstörungen, die ich davor nicht hatte. Vor COVID war ich gesund und sportlich.“

 

Impfstoffe für Kinder und Jugendliche hoch effektiv und gut verträglich

Damit dies und Schlimmeres weiteren Kindern und Jugendlichen erspart bleibt, können diese nun auch gegen COVID-19 geimpft werden. „Das Nationale Impfgremium (NIG) empfiehlt die Impfung für alle 12-15-jährigen Kinder und Jugendliche, insbesondere jenen mit Risikofaktoren und engen Kontakten zu Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf von COVID-19“, erläutert Priv.-Doz.in Mag.a Dr.in Maria Paulke-Korinek, PhD, DTM, Leiterin der Abteilung für Impfwesen im Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Ganz ähnlich schauen die Impfempfehlungen des NIG für die 5- bis 11-Jährigen aus, die bereits unmittelbar nach der Zulassung durch die EMA herausgegeben wurden.

 

Für diese Altersgruppe wird nur ein Drittel des Impfstoffes von Erwachsenen eingesetzt. „Auch mit dieser Dosis konnte in den Zulassungsstudien gezeigt werden, dass die Impfung bei Kindern ab fünf Jahren eine vergleichbare Immunantwort wie bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auslöst“, erklärt Paulke-Korinek. „Sowohl in der Gruppe der 12- bis 15-Jährigen als auch in jener der 5- bis 11-Jährigen wurden bereits Millionen Kinder geimpft, ohne Signale für Sicherheitsprobleme.“ Wichtig sei, dass sich die Kinder beziehungsweise Jugendlichen nach der Impfung drei Tage körperlich schonen und eine Woche auf Sport verzichten.

 

Mehr Aufklärung nötig

„Eltern und Schüler*innen müssen verstehen, dass sie keine Versuchskaninchen für die Impfung sind, sondern dass sie sich dadurch aktiv vor schweren Folgen einer impfpräventablen Erkrankung schützen können“, betont Schulsprecherin Öllinger. Die impfkritische Haltung von Schüler*innen und Eltern hätte ihre Ursache oft in mangelndem Wissen rund um die Impfung. Zusätzlich würden Fake News und Ängste viele skeptisch machen. Dabei sei gerade die Schule ist ein Ort, wo viel Aufklärung stattfinden könne. Sie plädiert aber auch dafür, bei den Eltern anzusetzen. Bisher entschieden sich nur wenige Schüler*innen mit impfskeptischen Eltern, die das aufgrund ihres Alters theoretisch könnten, für die Impfung, um Schwierigkeiten zuhause zu entgehen. Und das, obwohl sich von den noch nicht geimpften Jugendlichen viele gerne impfen lassen würden. „Diese Eltern sollte man zu einem Impfaufklärungsgespräch mit Expert*innen einladen“, fordert sie. Auch Kinderarzt Schmitzberger plädiert in Elterngesprächen für absolute Transparenz. „Bei allen Ängsten hilft es nur, wenn die Sorgen der Eltern auch ernst genommen werden.“

 

Auch an Influenza-Impfung denken

Ernst nehmen müsse man auch ein weiteres Virus, nämlich das Influenza-Virus, ergänzt Priv. Doz.in Dr.in Monika Redlberger-Fritz, Leiterin des Nationalen Referenzlabors für die Erfassung und Überwachung von Influenza-Virusinfektionen und Mitglied des Nationalen Impfgremiums. „Mit zunehmender Reisetätigkeit und dem Ende des Lockdowns erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass auch Influenza-Viren eingeschleppt und verbreitet werden“, erläutert sie. Worst case wäre eine Influenza-Epidemie gleichzeitig mit der COVID-19-Pandemie. Dabei ist noch ein weiterer Aspekt zu beachten: „Mit der Gefahr für eine Influenza-Epidemie steigt auch jene für sogenannte Doppelinfektionen“, so Redlberger-Fritz. Das Immunsystem müsse dann gleichzeitig gegen zwei Krankheitserreger kämpfen. Die Konsequenz für den* die Betroffene*n sei meist ein wesentlich schwererer Krankheitsverlauf. Die gute Nachricht: Dieses Risiko lässt sich durch eine Impfung gegen COVID-19 und Influenza deutlich reduzieren.

 

 

*Ab dem Alter von sechs Monaten

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