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Wir sollten Exponentialrechnung besser verstehen

DMZ –  POLITIK ¦ Dirk Specht ¦                                 

KOMMENTAR

 

Leider etwas, was schon während Corona viele überforderte: Ein exponentieller Prozess. Faktor sieben seit dem zweiten Weltkrieg, nach Jahrtausenden Homo sapiens auf dem Planeten.

 

Dabei, um noch etwas Essig in den Wein zu geben, wird CO2 leider zu Unrecht so hoch gehängt. Es ist halt recht gut feststellbar und wir sehen gerade Klimaeffekte. Tatsächlich ist es ein Indikator für die viel breitere exponentiell wachsende Ausbeutung endlicher Rohstoffe, die wir in Abfälle und Emissionen verwandeln. Geht so nicht weiter, objektiv, keine Diskussion. Das Klima ist nur ein Faktor, kein Ökosystem kann so etwas lange vertragen, ohne dass es kippt – was auch immer das dann genau bedeutet.

 

Dieser Prozess muss stoppen und wie bei allen exponentiellen heißt das: Je später oder zögerlicher man ihn stoppt, desto schwieriger wird es und desto länger dauert es. Jedes verschenkte Jahr, kostet viele Jahre des Gegensteuerns mehr. Kein Jahr der Verzögerung erzeugt irgendeinen Gewinn, jedes weitere erhöht nur den Verlust und der Kostenfaktor weiterer Verzögerung steigt immer weiter – nonlinear, er verdoppelt sich immer schneller.

 

Es ist übrigens falsch, das gemäß diesen Chart-Segmenten zu bewerten und zu sagen, die Chinesen sollten mal anfangen. Tatsächlich haben die blau gefärbten Regionen große Teile ihrer industriellen Produktion nach Asien ausgelagert und beziehen nun von dort Produkte. Die Grafik zeigt nur, wo das CO2 anfällt, nicht wo es kausal verursacht, also konsumiert wird. Seriöse Studien, die das aufteilen, gibt es leider nicht. Natürlich konsumieren die Asiaten auch selbst, daher ist es rechnerisch kaum sauber abzugrenzen – muss aber bei den Jubelmeldungen über sinkende Emissionen in den westlichen Industrienationen einfach dazu gesagt werden: Ob die kausal wirklich sinken, wissen wir nicht, es ist leider zu bezweifeln.

 

Das Thema geht also alle an, es wird von allen verursacht und alle müssen sich bewegen. Natürlich gilt das auch für Asien und hier ganz besonders für China. Da wir dort so viel produzieren, sollten wir dringend Einfluss nehmen, wie das passiert.

 

Die Energiewende ist dabei als Mutter aller Ressourcen zentral. Die Frage, wie für die industrialisierte Menschheit Energie in ausreichender Menge produziert werden kann, ohne das Ökosystem zu zerstören, ist überlebenswichtig für Homo sapiens. Hinweise, dass es schwierig oder teuer ist, ändern an dieser Tatsache genau gar nichts. Dieser Prozess bedroht nicht unser Geld oder unsere Arbeitsplätze, sondern unsere Existenz. Ihn zu stoppen, ist keine Frage von Technologie oder Machbarkeit, sondern eine unseres Willens – wozu auch die Frage der Fähigkeit zur Einigung gehört.

 

Das ist keine Panikmache, sondern Realität und deshalb so deutlich erforderlich, weil leider die Feststellung zu Beginn des Textes von vielen falsch eingeordnet wird: Eben weil es ein exponentieller Prozess ist, erlaubt er weder eine Bewertung über die letzten 20 Jahre, noch sagt er, dass wir noch 20 Jahre über die Frage diskutieren können, wie relevant er ist. Genau diese Trägheit in unseren Reaktionsmustern entspricht nicht der Natur, in der wir uns bewegen. Wir denken leider viel zu linear, unser Ökosystem funktioniert aber weitgehend anders.

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