Covid-19 - Ärzte warnen: Kawasaki-Symptome bei Kindern - Wie gefährdet sind Kinder wirklich?

Das Kawasaki-Syndrom tritt vor allem bei Kindern unter fünf Jahren auf. Ein Auslöser könnte Covid-19 sein.
Das Kawasaki-Syndrom tritt vor allem bei Kindern unter fünf Jahren auf. Ein Auslöser könnte Covid-19 sein.

DMZ – WISSENSCHAFT / FORSCHUNG ¦ MEDIZIN / GESUNDHEIT ¦

 

In New York häufen sich schwere Krankheitsverläufe bei Kindern, die Covid-19 haben. Das Bild ähnelt dem Kawasaki-Syndrom. Gibt es einen Zusammenhang?

Die schwere Entzündungskrankheit trat bereits letzte Woche vereinzelt bei Kindern auf. Ein Auslöser könnte Covid-19 sein.

 

Wenn sich Kinder oder Jugendliche mit dem neuartigen Coronavirus infizieren, dann verläuft die Krankheit mild: ein wenig Husten, ein bisschen Fieber oder auch gar keine Symptome. Das zeigen sowohl internationale Studien (Pediatrics: Dong et al., 2020) als auch aktuelle Zahlen. Bisher wurden mehrere 10.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 0-19 Jahren positiv auf das Coronavirus getestet. Auch in dieser Altersgruppe wurden auch Todesfälle gemeldet, die mit dem Erreger assoziiert werden (Robert Koch-Institut, 11.05.2020). Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) hat zudem ein Meldesystem eingerichtet, das Krankheitsverläufe von Covid-19 bei Kindern erfasst, die einen Krankenhausaufenthalt erfordern. Demnach wurden bisher 130 Heranwachsende z.B. in Deutschland stationär behandelt, 18 auf der Intensivstation.

 

Auf Intensivstationen in Grossbritannien, Italien, Spanien und der Schweiz gibt es mehr Fälle von Kindern mit starken Entzündungsreaktionen, die dem Kawasaki-Syndrom ähneln. 

Ärzte aus Grossbritannien, Italien, Spanien und der Schweiz berichten, dass sie neuerdings vermehrt Kleinkinder intensivmedizinisch behandeln müssen, die starke Entzündungsreaktionen zeigen. Die Zahl der jungen Patienten sei gering, aber höher als sonst. In Paris wird von 15 Kindern berichtet, in London wurden bisher zehn Kinder behandelt. In der Schweiz werden drei junge Patienten im Genfer Uni-Spital gepflegt. Ein möglicher Zusammenhang mit der Corona-Pandemie wird nicht ausgeschlossen.

 

Kinder müssen intensivmedizinisch behandelt werden - Besteht ein Zusammenhang mit dem Coronavirus?

Eine Erkrankung, die dem Kawasaki-Syndrom ähnelt, werde aktuell vermehrt bei Kindern in Grossbritannien beobachtet, so die offizielle Mitteilung der britischen Kinder-Intensivärztevereinigung vom vergangenen Montag. Drei Kinder mit einer mysteriösen Entzündungskrankheit werden derzeit auch in der Schweiz, am Universitätsspital in Genf gepflegt. Ein möglicher Zusammenhang mit der Corona-Pandemie wird nicht ausgeschlossen. Eines von ihnen wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Man nehme diese Meldung sehr ernst, sagt Christoph Aebi, Kinderarzt und Infektiologe an der Kinderklinik des Inselspitals Bern.

Beunruhigt sei er aber deswegen nicht: «Wir kennen die Krankheit sehr gut und Kinderärzte sind hervorragend ausgebildet, diese zu erkennen.» Die Diagnose sei nicht einfach, die Krankheit aber behandelbar. 

 

Daniel Koch sprach am Mittwoch von einer Immunitätsreaktion

Der Delegierte des Bundes für die Corona-Pandemie, Daniel Koch, sprach am Mittwoch, 6.5.2020,  von einer Immunitätsreaktion als Folge einer Infektion mit dem Coronavirus. Das Virus löse einen Entzündungssturm im Körper aus, eine Überreaktion des Immunsystems, sagte der Genfer Kantonschemiker Jacques-André Romand.

Die Kinder hätten Magen-Darm-Probleme, Atemprobleme oder auch Probleme mit dem Herzen, wird Damien Bonnet, Chef der Herzpädiatrie am Necker-Spital in Paris, in einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP zitiert.

 

Das Kawasaki-Syndrom

Das Kawasaki-Syndrom ist seit den 1960er-Jahren bekannt und tritt normalerweise vor allem bei Kleinkindern unter fünf Jahren auf. Ohne Behandlung kann es die Herzkranzgefässe angreifen. Als möglicher Auslöser für das Syndrom wird seit Langem eine virale Infektion diskutiert. Ein möglicher Kandidat sind auch Coronaviren. Sowohl solche, die wir als Erkältungsviren schon länger kennen – oder eben nun Sars-Cov-2.

«Es ist denkbar, dass Covid-19 einer von verschiedenen infektiösen Auslösern ist, die es braucht, damit diese Krankheit überhaupt manifest wird», sagt Kinderarzt Aebi. Ob das tatsächlich so sei, lasse sich aufgrund der dünnen Datenlage aber noch nicht sagen.

Ja, es gibt bei Kindern schwere Verläufe. Aber sie sind extrem selten.

 

Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Ulm will sich noch nicht dazu äussern

Das sei untypisch, sagt Klaus-Michael Debatin, ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Ulm: «Ich würde gerne lesen, was die Patienten wirklich hatten. Ich warte auf eine Zusammenstellung der Daten, die in einem ordentlichen Journal erscheinen und nicht auf solche, die zuerst irgendwie durch die Presse flitzen.»

 

Aktuell sind momentan auch Kindermediziner aufmerksam. Der Grund: Es häufen sich immer noch Berichte über schwerkranke Kinder, die möglicherweise mit dem Coronavirus zusammenhängen. Das Gesundheitsministerium in New York vermeldete kürzlich 64 schwere Krankheitsfälle unter jungen Patienten und Patientinnen. Bei den meisten fiel der Test auf das neuartige Coronavirus positiv aus. Ähnliche Meldungen gab es zuvor aus England, Spanien oder Italien – aus Ländern also, die von der Pandemie besonders betroffenen sind. Anders als bei Erwachsenen steht bei den Kindern aber nicht die Lunge im Vordergrund, sondern ein sogenanntes Hyperinflammationssyndrom.

 

Der Begriff Hyperinflammation beschreibt eine stark überschiessende Entzündungsreaktion. In den Berichten aus New York oder London ist die Rede von Entzündungen der Gefässe und oft auch des Herzmuskels, Patientinnen litten zudem häufig an Fieber, Hautausschlägen oder Magen-Darmbeschwerden. In besonders schlimmen Fällen erlitten die Kinder gar einen kardiogenen Schock. Das ist ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem die Pumpleistung des Herzens nicht mehr ausreichend ist, um das Blut im ganzen Körper zu verteilen. Die Krankheit verläuft so schwer, dass die Kinder auf die Intensivstation gebracht werden müssen.

 

Das Krankheitsbild ist wie gesagt nicht neu und ähnelt den bereits bekannten klinischen Bildern eines Kawasaki- beziehungsweise toxischen Schocksyndroms. Auch bei diesen beiden Erkrankungen liegt eine überschiessende Entzündungsreaktion teils im ganzen Körper vor.

 

Was genau das Kawasaki-Syndrom auslöst, ist nicht klar. Medizinerinnen und Mediziner vermuten unter anderem, dass dem Syndrom eine virale Infektion des Atemtraktes vorausgeht, wie auch Coronaviren sie auslösen können. Möglicherweise reagiert das Immunsystem fälschlicherweise zu stark auf diese Viren – eine überschiessende Entzündungsreaktion kann die Folge sein (Pediatrics: Turner et al., 2015). Auch das neuartige Coronavirus könnte in dieses Bild passen und möglicherweise zu den beschriebenen Krankheitsverläufen bei Kindern führen.

Fakt ist aber: Momentan ist ein direkter Zusammenhang nicht bewiesen.

"Man muss diese Fälle nun analysieren und schauen, wie viele am Ende tatsächlich positiv auf das Coronavirus getestet werden", sagt der Kindermediziner. Auch plane man für das Jahr 2020 alle in Deutschland aufgetretenen Kawasaki-ähnlichen Krankheitsverläufe zu erfassen und sie mit Zahlen vergangener Jahre zu vergleichen. Erst dann könne man sagen, ob es sich eher um eine zufällige Häufung im Monat Mai handle oder ob die Gesamtfallzahl über das Jahr tatsächlich gestiegen sei. Vergleichswerte aus Vorjahren in Deutschland liegen hierfür zwischen 430 und 500 Fällen pro Jahr bei Kindern im Alter von unter fünf Jahren. Etwa 80 Prozent aller Fälle fallen in diese Altersgruppe.

 

 

 

Quellen:

  • https://www.kispi.uzh.ch/de/patienten-und-angehoerige/fachbereiche/rheumatologie/Documents/Kawasaki-Syndrom.pdf
  • https://kinderklinik.uniklinikumgraz.at/paed-kardiologie/abteilung/Krankheiten/Entzündliche_Herzerkrankungen/Seiten/Kawasaki.aspx
  • https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Kawasaki-Syndrom-durch-Rotavirus-Impfung-290778.html ¦ 
  • https://www.praxisvita.de/was-ist-das-kawasaki-syndrom-alle-infos-ueber-die-kinderkrankheit-7687.html