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Dritte Studie bestätigt erneut: Die Sterberate ist bei Covid-19 dreimal so hoch wie bei einer Grippe

DMZ – WISSENSCHAFT ¦ Anton Aeberhard ¦

 

Die Sterberate von Menschen, die an Covid-19 sterben, ist etwa dreimal so hoch wie die von Grippe-Patienten. Was bereits zwei Studien (Frankreich und USA) zeitgleich  aufgezeigt haben, wird nun durch eine weitere Studie, diesmal aus der Schweiz bestätigt. Die Sterberate von Menschen, die im Krankenhaus an Covid-19 sterben, ist dreimal so hoch sein wie die von Grippe-Patienten. 

 

Laut der Studie aus Frankreich sind 16,9 Prozent der Corona-Infizierten, die im Frühjahr in eine Klinik eingeliefert wurden, verstorben. Bei den in einer Klinik behandelten Grippekranken waren es im Winter 2018/2019 nur etwa 5,8 Prozent. Das Ergebnis sei besonders eklatant, da die Grippesaison 2018/2019 in Frankreich die tödlichste innerhalb der letzten fünf Jahre gewesen sei.

 

Die Studie bestätigte Ende 2020, dass Covid-19 viel gravierender ist als die Grippe. Dies sagte Studienleiterin Catherine Quantin vom Universitätsklinikum in Dijon laut einer Mitteilung. Die Ergebnisse sind im Fachblatt "The Lancet Respiratory Medicine") erschienen.

 

Die Studie in den USA kam zum gleichen Ergebnis

Eine Untersuchung aus den USA kommt zwar zu anderen Zahlen, aber zum gleichen Ergebnis: Wissenschaftler von der Saint-Louis-Universität in Missouri berichten, dass bei Covid-19 sowohl die Sterbe- als auch die Komplikationsrate deutlich höher als bei der saisonalen Grippe ist. Die Patienten entwickeln auch häufiger Komplikationen wie Nierenversagen, neu auftretenden Diabetes, septischen Schock oder Herzinfarkt. Die Ergebnisse der Studie sind im British Medical Journal veröffentlicht worden.

 

Aktuelle Studie aus der Schweiz: Covid-19-Patienten haben dreimal höheres Sterberisiko als Grippekranke

Schweizer Forscher haben den Verlauf von Influenzaerkrankungen und Covid-19-Erkrankungen in 14 Krankenhäusern verglichen. Das Ergebnis der Studie: Grippepatienten waren im Schnitt älter und hatten häufiger Vorerkrankungen – trotzdem starben mehr Corona-Patienten.

 

Covid-19 ist also auch laut der aktuellsten Studie zufolge deutlich tödlicher als eine Influenzaerkrankung. Demnach ist das Sterberisiko bei Covid-19 dreimal so hoch wie bei einer Grippe, wie die Forscher berichten. Den Krankenhausdaten zufolge starben 4,4 Prozent der untersuchten Influenzapatienten und 12,8 Prozent der untersuchten Covid-19-Patienten. „Covid-19 ist mehr als eine kleine Grippe“, sagte Mitautor und Infektiologe Rami Sommerstein von der Hirslanden Klinik St. Anna in Luzern dem „Schweizer Radio und Fernsehen“ (SRF). Das zeigen auch die Erkenntnisse aus der Studie: Die Forscher werteten die Daten von mehr als 2800 Corona-Patienten und fast 1400 Grippepatienten in 14 Schweizer Krankenhäusern aus.

Dieses dreifach erhöhte Sterberisiko durch das Coronavirus kommt nicht dadurch zustande, dass die ins Spital eingelieferten Patienten älter gewesen wären oder mehr Vorerkrankungen gehabt hätten als jene in der Vergleichsgruppe mit Influenza, so Sommerstein.

 

Im Gegenteil, sagt Infektiologe: «Die Influenza-Patienten sind beim Eintritt etwas älter und hatten häufig schon vorbestehende Krankheiten. Die Tumor- oder die hämatologischen Erkrankungen waren deutlich häufiger.» Im Schnitt waren die Influenza-Patienten 74 Jahre alt, jene mit Covid-19 aber 67, also jünger.

Covid-19 Kranke waren nicht gebrechlicher

Es ist auch nicht so, dass die Covid-19-Patientinnen und -Patienten überdurchschnittlich oft aus dem Altersheim kamen und anfälliger für einen schweren Verlauf und Tod waren, sagt Sommerstein: «Wir haben eine kleine Sub-Analyse gemacht, indem wir jene Patienten ausgeschlossen haben, die aus dem Altersheim gekommen sind. Auch das hat nichts am Resultat verändert.»

Nämlich: Covid-19 ist im Spital trotz aller Pflege dreimal tödlicher als Influenza.

Die 14 Spitäler in der Studie sind über die ganze Schweiz verteilt, es sind grosse und kleine Kliniken dabei. Die Untersuchung dürfte damit ein repräsentatives Bild abgeben.

 

 

Zwei verschiedene Krankheiten

Der Arzt Thierry Fumeaux war bis vor kurzem Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin und nicht an der Studie beteiligt. Er sagt: «Influenza und Covid haben verschiedene Aspekte gemeinsam, aber es sind zwei verschiedene Krankheiten. Und das zeigt diese Studie.»

Im Hinblick auf die Debatte, welche Massnahmen gegen Covid-19 notwendig seien, fügt Fumeaux an: «Man kann schon finden, die Massnahmen wären nicht nötig gewesen. Aber wenn wir keine hätten, wäre die Situation viel schwerer.»

Das heisst, es wären in der ersten Welle viel mehr Menschen gestorben als 1700 – und es würden auch jetzt noch mehr sterben, als es sowieso passiert.

Denn sowohl Fumeaux als auch Sommerstein sagen: In der zweiten Welle wissen die Ärztinnen und Ärzte zwar etwas mehr als in der ersten Welle, die die Studie untersucht hat und sie haben ein zusätzliches Medikament in der Hand. Aber Grundlegendes habe sich dadurch nicht geändert. Das Sars-Cov-2 Virus töte im Spital auch heute noch viel mehr Patientinnen und Patienten als eine Influenza.


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