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Schauspiellegende Jean-Paul Belmondo mit 88 verstorben

Jean-Paul Belmondo
Jean-Paul Belmondo

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"Bébel", wie die Franzosen ihn nennen, war einer der grössten französischen Filmstars überhaupt. Vor der Kamera gab Jean-Paul Belmondo den Actionheld, Draufgänger oder Gauner, wie etwa in Godards Meisterwerk "Ausser Atem".

Er überzeugte auch in ernsthafteren Rollen wie in der eines französischen Widerstandskämpfers in "Das Ass der Asse".

 

Der Schauspieler ist am Montag in Paris im Alter von 88 Jahren verstorben. Belmondo spielte in knapp 100 Kinofilmen mit und war in über 40 Theaterrollen zu sehen. Filme wie "Und dennoch leben sie" mit Sophia Loren, "Eine Frau ist eine Frau", "Die Millionen eines Gehetzten" und "Angst über der Stadt" liessen Belmondo zu einer Kultfigur des französischen Kinos werden. Er spielte an der Seite von Claudia Cardinale, Gina Lollobrigida, Brigitte Bardot und Jeanne Moreau und arbeitete zusammen mit Regisseuren wie François Truffaut, Louis Malle und Claude Sautet. Zuletzt war Belmondo 2008 in "Ein Mann und sein Hund" auf der Leinwand zu sehen.

 

Leben

Jean-Paul Belmondo wurde als Sohn des renommierten Pariser Bildhauers Paul Belmondo (1898–1982) und der Tänzerin Madeleine Belmondo geboren. Der Vater, der im Alter von 17 Jahren aus Sizilien nach Paris gekommen war, zählte bekannte Autoren und Künstler wie Albert Camus zu seinen Freunden, die regelmässig bei ihm zu Besuch waren. 

 

Belmondo hatte ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Vater, der seine vielfältigen Talente stets förderte und ihn frühzeitig für Kunst und Kultur interessierte. Als Schüler galt Belmondo als schwierig und undiszipliniert, er musste mehrmals die Schule wechseln. Am Gymnasium begeisterte er sich für den Boxsport und bestritt ab seinem 13. Lebensjahr mehrere Kämpfe. „Ich übte diesen Sport nie aus, um daraus einen Beruf zu machen. Es war für mich einfach ein Spiel, bei dem man viel zu zahlen hatte, um zu gewinnen.“ Mit 16 Jahren wurde der an Tuberkulose erkrankte Belmondo zur Genesung in die Auvergne geschickt. Dort machte er sich Gedanken über seine Zukunft und fasste den Entschluss, Schauspieler zu werden.

 

Bereits in den frühen 1950er Jahren betätigte sich Belmondo als Amateurschauspieler und trat beispielsweise auf einer Tournee durch Pariser Krankenhäuser auf. Sein Vater vermittelte den Kontakt zu André Brunot, einem Mitglied der angesehenen Comédie-Française. Belmondo sprach dem erfahrenen Schauspieler vor und erhielt von diesem den freundschaftlichen Rat, auf keinen Fall eine Schauspielkarriere anzustreben, da ihm augenscheinlich das Talent dazu fehle. Er gab aber nicht auf und bereitete sich sechs Monate lang auf die Aufnahmeprüfung am Pariser Konservatorium vor, wo er als Schauspielschüler aufgenommen wurde. 

 

1957 drehte er seinen ersten Film. 1959 gelang ihm in der Hauptrolle von Ausser Atem (Regie: Jean-Luc Godard) schliesslich der Durchbruch zum Kinostar. Im selben Jahr heiratete er die Tänzerin Renée „Elodie“ Constant. Aus der Ehe, die 1965 geschieden wurde, gingen die drei Kinder Patricia, Florence und Paul hervor. Paul Belmondo verfolgte in den 1980er und 1990er Jahren eine Karriere als Autorennfahrer. Patricia starb 1994 bei einem Brand.

 

Von 1963 bis 1966 war Jean-Paul Belmondo Vorsitzender der Interessenvertretung der französischen Schauspieler. Von 1966 bis 1974 lebte er mit der Schauspielerin Ursula Andress zusammen.

Am 8. August 2001 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich aber rasch wieder erholte. 2002 heiratete er seine zweite Frau Nathalie, mit der er eine weitere Tochter hat. Im September 2008 bestätigte der Schauspieler, dass die Ehe geschieden wurde.

 

2016 erschien seine Autobiografie "Mille vies valent mieux qu'une" im Pariser Verlagshaus Librairie Arthème Fayard. Die deutsche Übersetzung verlegte der Heyne-Verlag 2018 unter dem Titel "Meine tausend Leben: die Autobiografie".

 

2010 geriet der Star wegen seiner jungen Geliebten Barbara Gandolfi, der er eine grössere Geldsumme überwiesen haben soll, in die Schlagzeilen. Gandolfi soll das Geld an ihren Ex-Ehemann weitergeleitet haben, gegen den die Polizei unter anderem wegen Geldwäsche und Zuhälterei ermittelt. Im Oktober 2012 wurde bekannt, dass der Schauspieler diese Beziehung beendet hat.


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