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Basel bekommt den »Chemical Landmark« zu Ehren von Paracelsus

DMZ - HISTORISCHES ¦ Marco Perroulaz ¦

 

Die diesjährige Auszeichnung der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) »Chemical Landmark« ehrt das Schaffen des Schweizer Arztes, Alchemisten und Naturphilosophen Paracelsus, mit bürgerlichem Namen Theophrastus Bombast von Hohenheim, und geht somit nicht zum ersten Mal nach Basel.

 

Paracelsus (1493-1541) revolutionierte die Medizin und ist ein Wegbereiter der modernen Biochemie. Vor fast fünfhundert Jahren praktizierte und lehrte Paracelsus in der Stadt Basel. Unter anderem arbeitete er im Haus Zum Vorderen Sessel am Totengässlein 3, wo sich heute das Pharmaziemuseum der Universität Basel befindet. Dieses wird nun als historische Stätte der Chemie ausgezeichnet und eine Gedenktafel soll an den berühmten wie streitbaren Medicus erinnern.

 

Paracelsus war in Basel auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Dank seiner Stellung konnte er seine medizinischen Thesen öffentlich vortragen – und die hatten es in sich. Statt theoretisches Gelehrtenwissen nachzubeten, solle sich ein Arzt an praktischen Erfahrungen und Experimenten orientieren, forderte er: »Nicht meinen, sondern wissen!« Paracelsus war einer der Ersten, die naturwissenschaftliches Verständnis als essenziell für eine erfolgreiche Medizin erachteten.

Seine wohl bekannteste Erkenntnis «Was ist, das nicht Gift ist? Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist» stellt eine zentrale Säule der modernen Toxikologie dar.

 

Nicht nur mit seiner Kritik an der klassischen Medizin machte sich Paracelsus viele Feinde. Indem er seine Vorlesungen auf Deutsch hielt und die meisten seiner Schriften nicht in der Gelehrtensprache Latein verfasste, ermöglichte er auch Laien Zugang zu seinem Wissen. Zudem wollte er die nicht akademischen Erfahrungen von Badern, Scherern und Heilern in sein Fach integrieren. Sein cholerisches Temperament trug nicht zur Entspannung bei. Nachdem er Lehrbücher der klassischen Medizin öffentlich verbrannt hatte, musste er bereits 1528 aus Basel flüchten. Er verstarb am 24. September 1541 in Salzburg.

 

Vom 17. bis 22. November 2020 organisieren die Universität Basel und das Pharmaziemuseum eine Paracelsus-Woche mit öffentlichen Führungen, Workshops und einer alchemistischen Vorlesung.

Mit dem »Chemical Landmark 2020« zeichnet die SCNAT seit 2009 Stätten in der Schweiz aus, die in der Geschichte der Chemie eine wichtige Rolle gespielt oder an denen bedeutende Chemikerinnen und Chemiker gewirkt haben. Unter den posthum Geehrten befinden sich nebst verschiedenen Universitäten auch frühe Labore und chemische Betriebe. Im Jahr 2018 der ehemalige Sitz der Wander AG in Bern und 2019 die hochalpine Forschungsstation Jungfraujoch.

 

 

 

Quelle: Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT); naturwissenschaften.ch


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