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Im Ausland schliessen bereist wieder erste Restaurants - in der Schweiz fordert Gastrosuisse weitere Lockerungen

Forderungen des Gastrosuisse-Präsidenten an die Adresse des Bundesrats kommen nicht überall gut an.
Forderungen des Gastrosuisse-Präsidenten an die Adresse des Bundesrats kommen nicht überall gut an.

DMZ – WIRTSCHAFT ¦ Wirtschaftsredaktion ¦

KOMMENTAR

 

Dass die Wirtschaft geschlossen das Geld über Menschenleben setzen wurde in den letzten Wochen mehr als deutlich. Beschämend. Einige Betriebsleiter, die sich dahingehend geäussert haben, werden sicherlich mit Einbussen rechnen müssen, weil Kunden aus Prinzip solchen Betrieben fern bleiben.

 

Trotz Schliessungen von Restaurants in Deutschland und Italien, nach den Lockerungen, teils wegen neuen Infektionen, teils wegen Nichteinhalten der geltenden Regeln, fordert Gastrosuisse weitere Lockerungen.

 

Italien: Gedränge auf den Plätzen, Bars vorzeitig geschlossen

Im von der Pandemie stark betroffenen Italien haben dieses Wochenende viele ihre neuen Freiheiten für nächtliche Feiern vor Bars und Strandbesuche genutzt. In Städten wie Rom, Neapel, Genua oder Brescia strömten die Menschen in die Ausgehviertel. Dabei standen viele auch dicht gedrängt vor den Bars und auf den Plätzen und missachteten die Abstandsregeln. In einigen Städten liessen die Bürgermeister deswegen die Bars vorzeitig wieder schliessen.

 

Politiker äusserten sich deshalb besorgt, dass diese Ansammlungen wieder zu mehr Virusinfektionen führen könnten. Innenministerin Luciana Lamorgese nahm speziell die Jungen in die Pflicht: «Die Jugendlichen haben nach so langer Zeit des zu Hause Eingeschlossenseins die Grenzen aus dem Blick verloren, an die sie sich bisher gehalten haben.»

Italiens Regierung hatte am 18. Mai den Lockdown erheblich gelockert. Restaurants, Bars und Läden sind wieder offen, es gelten allerdings strenge Hygiene- und Abstandsregeln.

 

Deutschland Restaurantschliessung und Quarantäne

Bei einem Restaurantbesuch im Landkreis Leer in Niedersachsen haben sich offenbar sieben Menschen mit dem Coronavirus infiziert. "Die Infektionen stehen vermutlich in Zusammenhang mit einem Besuch in einem Lokal", teilte der Landkreis am Freitag mit. Diese neuen Fälle hätten dazu geführt, dass bereits für mindestens 107 Menschen "vorsorglich häusliche Quarantäne" angeordnet worden sei. Weitere Testergebnisse stünden noch aus. 

 

Und dann kommt der Gastrosuisse-Präsident und fordert vom Bundesrat weitere Lockerungen. Als ob er etwas zu fordern hätte. Eine Anmassung.

Zwei Meter Abstand, nicht mehr als vier Personen an einem Tisch und Sperrstunde ab Mitternacht seien zu streng. Viele Wirte litten unter diesen Vorschriften, einige hätten bereits wieder schliessen müssen, sagte Platzer, selbst Gastwirt, in der "Tagesschau" des Schweizer Fernsehens vom Samstagabend.

 

Platzer schlägt dem Bundesrat vor, den Mindestabstand in Gastrobetrieben zu verringern. Als Beispiel gibt er Österreich an, wo von den Behörden nur ein Meter gefordert werde.

Der Epidemiologe Christian Althaus von der Universität Bern - auch Mitglied der vom Bundesrat einberufenen wissenschaftlichen Covid-19 Task Force - warnt allerdings in derselben Sendung vor einer allzu raschen Lockerung der Massnahmen gegen die Coronavirus-Ausbreitung. Man müsse erst einmal die weitere Entwicklung der Fallzahlen bei den Neuansteckungen abwarten, sagte er.

 

Gastrosuisse: Wiedereröffnete Gastrobetriebe machen nur 40 Prozent des Umsatzes

Die Umsätze der Gastrobetriebe seit der Wiedereröffnung nach dem Corona-Lockdown liegen durchschnittlich 60 Prozent unter den Vorjahreswerten. Dies obschon die meisten Kurzarbeit für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anmelden konnten und vielen die Mieten der letzten zwei Monate erlassen wurden. Man muss sich fragen, wie diese Betriebe das unternehmerische Risiko sehen. Alle können kaum auf dem letzten Loch pfeifen, nur weil ein paar Wochen die Läden dicht sind. In Ferienzeiten geht es ja auch. Es wird gejammert auf sehr hohem Niveau, was andere Branchenvertreter massiv verärgert. Auch einige Betriebe wurden erwischt, die Kredite erhielten, um bereits vorhandene Schulden zu tilgen, eine Straftat. Zudem bestehen im Gastrobereich seit Jahren vielerorts auch massive Probleme (Personalmangel, miserable Löhne, schlechte Behandlung, inkompetente Geschäftsführung, schlechtes Angebot, Schwarzarbeit, illegale Beschäftigungen, Hygieneprobleme u.v.m. - um diese sollte sich der Verband doch wohl eher kümmern.

 

Scheitern von Betrieben

In einem Gastbeitrag von Markus Eirund - Gastronomieberater, Experte und Makler aus Düsseldorf - ist detailliert zu lesen, wieso so viele Gastronomen jetzt scheitern. 

Das Thema Scheitern und Schliessung von Restaurants ist in aktueller Zeit leider ein grosses Thema geworden. Es wäre sicherlich sehr hilfreich, wenn mehr Gastronomen über ihr Scheitern berichten würden damit wir über die Branche und ihre Probleme offener sprechen können. Ein gutes Besipiel hierfür ist die Startupszene, dort sprechen Gründer und Unternehmer ganz offen über Probleme, Schwierigkeiten und Fehler. Gastro-Experte Markus Eirund hat die Top 12 Gründe für ein Scheitern zusammengefasst, die er aus seiner Erfahrung oft festgestellt hat.

 

Gute Betriebe - gute Chancen

Man muss natürlich nicht alles negativ sehen, auch wenn die Probleme für die Gastronomie gerade kaum zu unterschätzen sind. Wer als Restaurantbetreiber mit seinem Vermieter hadert und im Dschungel der staatlichen Hilfen und Versicherungsleistungen verstrickt ist, leidet oft unter schlaflosen Nächten. Gut laufende Betriebe haben genügend Reserven auf der hohen Kante und/oder ihre Fixkosten im Griff.

An die Zukunft zu denken ist nie verboten und vermutlich sogar das richtige Instrument: Auch der Lockdown wird nicht ewig dauern. Nicht jedes Unternehmen wird überleben, keiner dürfte alle Schäden eins zu eins ersetzt bekommen. Das ist aber der Lauf der Zeit und stellt kein Problem dar. Und dass gut geführte Betriebe langfristig eine Chance haben, steht ausser Frage. Positive Beispiele gibt es zuhauf.

 

Laut Gastrosuisse wüssten 40 Prozent von über 3000 befragten Betrieben nicht, ob sie im Juni noch offen bleiben können oder wollen. Aber diese Frage stellt sich immer, egal unter welchen Umständen. Das nennt sich unternehmerisches Risiko. Insbesondere in einer Branchen wo Margen zu den grössten überhaupt gehören (62 - 92%!). 

 

Strafbestimmungen

Wer sich nicht an die erlassenen Verbote hält, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldbusse bestraft.

Weitere Informationen finden Sie in der Verordnung 2 über Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus (COVID-19) (COVID-19-Verordnung 2).


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