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Joe Biden gewinnt! - Trump: "Die Wahl ist noch lange nicht vorbei!"

DMZ – INTERNATIONAL ¦ Walter Fürst ¦

 

Die Entscheidung ist endlich gefallen: Joe Biden gewinnt die US-Wahlen 2020. Auch letztlich viele neue Sympathisanten weltweit. Er hat sich wie ein Staatsmann verhalten, währendessen der Ex-Präsident Donald Trump, als Karikatur seiner Selbst, nur noch hilflos "rumtrumpelte" und polterte. Er siegt gemäss «CNN» in Pennsylvania und holt sich damit mindestens 273 Elektorenstimmen.

 

Donald Trump hat am Freitag den Vorwurf erhoben, es würden «illegale Stimmen» gezählt, und angekündigt, alle rechtlichen Mitteln nutzen zu wollen. Seit der Wahlnacht hat Trump mehrfach behauptet, es gebe Wahlbetrug, ohne Beweise zu nennen. Er wollte am frühen Samstagabend (MEZ) vor die Medien treten (SRF).

Das Repräsentantenhaus bleibt in demokratischer Hand. Im Kampf um die Mehrheit im Senat sind die Republikaner aktuell im Vorteil.

 

CNN erklärt Biden zum Gewinner der Präsidentenwahl

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat nach Erhebungen und Prognosen amerikanischer Medien die Wahl in den Vereinigten Staaten gewonnen. Das berichteten der Nachrichtensender CNN, die Nachrichtenagentur AP und mehrere amerikanische Sender am Samstag übereinstimmend. Der republikanische Amtsinhaber Donald Trump hat in mehreren Bundesstaaten juristische Schritte gegen die Ergebnisse oder die weitere Auszählung abgegebener Stimmen eingeleitet.

 

Biden siegt im Schlüsselstaat Pennsylvania 

Die Nachrichtenagentur AP und mehrere US-Sender sahen am Samstag Biden nach dem Sieg im Schlüsselstaat Pennsylvania bei über 270 Wahlleuten und damit uneinholbar vor Amtsinhaber Donald Trump.

 

Trump will Sieg Bidens nicht anerkennen

Trump schreibt in einer Erklärung: «Die simple Tatsache lautet: Diese Wahl ist noch lange nicht vorbei.» Sein Wahlkampfteam werde am Montag juristische Schritte einleiten. Biden stelle sich fälschlicherweise als Sieger dar, hiess es weiter, ohne Belege für einen etwaigen Betrug zu liefern.

 

Applaus für Biden auf New Yorks Strassen

Kurz nachdem bekannt wurde, dass Biden die US-Wahl gewonnen hat, sind in New York bereits viele Menschen auf den Strassen. Sie feiern das demokratische Duo Joe Biden und Kamala Harris.

 

Harris äussert sich auf Twitter

Bidens Vize-Kandidatin Kamala Harris hat sich auf Twitter zum Sieg geäussert. «Bei dieser Wahl geht es um so viel mehr als um Joe Biden oder mich. Es geht um die Seele Amerikas und unsere Bereitschaft, dafür zu kämpfen. Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Lasst uns anfangen», so Harris.

 

Ein Mann wie im Film - eine Geschichte des Lebens

Bald ist er 78 Jahre alt, und ja, Joe Biden ist kein Junggebliebener. Immer wieder verwechselt oder vergisst er Namen, Gelegenheiten, Begebenheiten. Aber es wird ihm nachgesehen wie keinem Zweiten, weil er sein Leben in den Dienst am Vaterland gestellt hat. Nun steht er als 46. Präsident der USA fest.

 

37 Jahre hat Biden im Senat gesessen, gearbeitet und Strippen gezogen, acht Jahre als Vizepräsident, die Nummer 2, Barack Obama beraten, nicht zuletzt im Umgang mit dem Senat. So ein „Record“ ist einzig.

Darum jubeln sie ihm auch zu, wenn Biden im heimatlichen Delaware sagt: „Ich kenne keine roten oder blauen Staaten. Ich kenne nur die Vereinigten Staaten.“ Und: „Ich bin als demokratischer Kandidat angetreten. Ich will das Land aber als Präsident aller Amerikaner führen.“ E pluribus unum, das staatliche Motto, gilt auch für ihn.

 

"Amerika, ich fühle mich geehrt, dass ihr mich dazu ausgewählt habt, unser grossartiges Land zu führen", schreibt Joe Biden auf Twitter. "Vor uns liegt harte Arbeit", schreibt er weiter. "Aber ich verspreche euch Folgendes: Ich werde ein Präsident für alle Amerikaner sein, ob ihr mich gewählt habt oder nicht."

 

Das weitere Prozedere sieht so aus: Am 14. Dezember treffen sich die Wahlmänner und -frauen in den Hauptstädten der einzelnen Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Bis dahin hätte der amtierende US-Präsident Donald Trump Zeit, das Wahlergebnis anzufechten.

Die Ergebnisse der Wahl des "electoral college" müssen 23. Dezember in Washington eintreffen. Der neue Präsident wird am 20. Januar vereidigt.

 

Tausende jubeln und feiern in US-Grossstädten

Nur Sekunden, nachdem mehrere US-Medien den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden zum Sieger der Wahl in den USA erklärt haben, ist in vielen Grossstädten grosser Jubel ausgebrochen. Auf den Strassen New Yorks klatschten, schrien und jubelten die Menschen. Hunderte strömten zum Times Square und feierten. Viele Autofahrer betätigten pausenlos ihre Hupen. Auch nach einer Stunde hatte der andauernde Applaus noch kein Ende genommen.

Fernsehsender zeigten auch Bilder aus Philadelphia in Pennsylvania mit feiernden Menschen. Kurz nachdem einige noch ausstehende tausend Stimmen von dort bekanntgegeben wurden, hatten US-Sender Joe Biden zum Sieger ausgerufen. Auch vor dem Weissen Haus in Washington jubelten die dort versammelten Demonstranten.

 

Sommaruga: «Das ist ein starkes Zeichen»

Erste Glückwünsche aus der Schweiz: «Das ist ein starkes Zeichen», twittert Simonetta Sommaruga. «Die Schweiz ist überzeugt, dass sich unsere hervorragende Beziehung zu den USA unter der neuen Verwaltung weiterentwickeln und gedeihen werden.»

 

Macron gratuliert auf Englisch

Auch aus Europa gibt es nette Worte für die Wahlsieger Biden und Harris. «Die Amerikaner haben ihren Präsidenten gewählt. Gratulation an Joe Biden und Kamala Harris. Wir haben viel zu tun, um die heutigen Herausforderungen zu meistern. Lasst uns zusammen arbeiten», twittert der französische Präsident Emmanuel Macron.

Merkel gratuliert Biden: «Wünsche ihm von Herzen Glück und Erfolg»

«Ich freue mich auf die künftige Zusammenarbeit mit Präsident Biden. Unsere transatlantische Freundschaft ist unersetzlich, wenn wir die grossen Herausforderungen dieser Zeit bewältigen wollen.» So gratuliert Bundeskanzlerin Angela Merkel Biden zu seinem Sieg.

Ich wünsche Biden von Herzen Glück und Erfolg und gratuliere ebenso Kamala Harris, der gewählten ersten Vizepräsidentin ihres Landes.

 

 

Biden will sich nach Wahlsieg an die Nation wenden

Joe Bidens Ansprache mit der gewählten US-Vizepräsidentin Kamala Harris finde am Samstagabend (Ortszeit/Sonntag 2:00 Uhr MEZ) statt, berichteten mehrere US-Medien, darunter der Sender CNN, unter Berufung auf Bidens Wahlkampfteam.

Der Amtsinhaber will sich vor Gericht gegen seine Niederlage wehren: "Wir werden am Montag juristische Schritte einlegen", wie der Wahlkampfstab von Trump auf seiner Webseite schreibt. "Das amerikanische Volk habe eine ehrliche Wahl verdient. Das bedeutet, dass legale Stimmzettel gezählt werden, illegale nicht." Weiter heisst es: "Joe Biden ist nicht als Sieger irgendeines Staates bestätigt, ganz zu schweigen von den stark umkämpften Staaten."

 

Trump ist wie erwartet kein guter Verlierer... Der amtierende Präsident Donald Trump erkennt seine Wahlniederlage allerdings nicht an. "Fakt ist: Die Wahl ist noch lange nicht vorbei", erklärte Trump. Biden stelle sich "fälschlicherweise" als Sieger dar und werde dabei von seinen "Medien-Verbündeten" unterstützt. Kurz vor der Ausrufung des Wahlergebnisses hatte Trump noch in Großbuchstaben getwittert: "Ich habe diese Wahl gewonnen, mit klarem Abstand!" Twitter versah den Tweet mit dem Hinweis, das Rennen sei noch offen.

Wer ist Joe Biden? (Textübernahme aus https://www.usa-info.net/usa-wiki/joe-biden/)

Dieser Mann ist alles andere als ein Pessimist. Joe Biden ist trotz einiger Schicksalsschläge in seinem Leben stets mit dem Mut zum Optimismus einen ganz persönlichen Weg gegangen. Und eines hat er – nach eigenem Bekunden – schon immer gewusst: Die Amerikaner würden ihn irgendwann zu ihrem Präsidenten wählen.

 

Als seine Partei, die der Demokraten, ihn 2020 zu ihrem Kandidaten zur bevorstehenden Präsidentschaftswahl nominierten, verbanden die Delegierten damit die Hoffnung, in Joe Biden einen starken Widerpart und Herausforderer für Donald Trump gekürt zu haben. Manche ordnen ihn in seiner politischen Ausrichtung links von der Mitte ein. Für andere ist dieser Mann eher konservativ – mit einem ausgeprägten Hang zu Werten der Moral und traditioneller Verhaltensmuster. Vor allem aber ist Joe Biden ein Berufspolitiker alter Schule.

 

Steckbrief: Joe Biden

Name: Joe Biden

Geburtsdatum: 20. November 1942

Geburtsort: Scranton, Pennsylvania

Größe: 183 cm

Augenfarbe: blau

Ehepartnerin: Jill Biden (verh. 1977), Neilia Hunter (verh. 1966–1972)

Kinder: Hunter Biden (Sohn), Beau Biden (Sohn) , Ashley Biden (Tochter) , Naomi Biden (Tochter)

Eltern: Joseph Robinette „Joe“ Biden, Sr. , Catherine Eugenia „Jean“ Finnegan

Geschwister: James Brian (Bruder), Francis W. Biden (Bruder), Valerie (Biden) Owens  (Schwester)

Sternzeichen: Skorpion

Beruf: US-amerikanischer Politiker, Ex-US-Senator, Ex-US-Vizepräsident, Kandidat für US-amerikanische Präsidentschaftswahl 2020

Website: https://joebiden.com/

 

Kindheit und Jugend

Aufgewachsen in Scranton – einer Stadt im „Rostgürtel“ Amerikas

Der Rust Belt der USA verläuft vom Nordosten der USA bis zum Mittleren Westen.

Wenn man so will ist Joe Biden ein Berufs-Politiker. Einer, der sich mit der amerikanischen Seele identifizierte und nicht von ungefähr nach den höchsten Ämtern seines Landes strebt. Geboren wurde er am 20. November 1942 in Scranton im Bundesstaat Pennsylvania. Joe Biden wuchs auf in einer Kleinstadt, die einst typisch war für den sogenannten „Rust Belt“.

Darunter verstanden die Amerikaner den „Rostgürtel“, die älteste und flächenmässig grösste Industrieregion der Vereinigten Staaten. Als Knotenpunkt wichtiger Eisenbahnlinien und Umschlagsplatz für Kohle-Transporte machte sich der kleine Ort einen Namen. Joe Bidens Vater Joseph fand dort eine Beschäftigung als Händler für Gebrauchtwagen.

 

Der unerschütterliche Optimismus seines Vaters Joseph

Joe Biden beschrieb seinen Vater einmal so. Er sei ein Mann von unerschütterlichem Optimismus gewesen und er habe seinem Sohn zu verstehen gegeben, dass es nicht bedeutsam sei, wenn man einmal falle. Wichtiger sei es, so schnell wie möglich wieder aufzustehen.

Auch seine Mutter Catherine Eugenia, die alle nur „Jean“ nannten, habe dazu beigetragen, dass er schon als Schüler überaus selbstbewusst war. Joe wuchs mit seinen Brüdern James Brian und Francis W. sowie seiner Schwester Valerie auf und wurde im Geiste des römisch-katholischen Glaubens erzogen. Das entsprach auch der irischen Abstammung seines Vaters. Dessen Kinder besuchten die St. Paul’s Grundschule in Scranton.

 

Schulbesuch und Studium

Kampf gegen das Stottern und rezitierte Gedichte vor dem Spiegel

Nach eigenem Bekunden litt der junge Joe unter seinen Klassenkameraden, die ihn wegen seines Stotterns häufig hänselten. Sie verspotteten Biden Junior als „Dash“ oder „Joe Impedimenta“. Doch der junge Mann kämpfte gegen seine sprachlichen Defizite, lernte lange Gedichte auswendig und rezitierte diese zu Hause vor einem Spiegel. Als er dreizehn Jahre alt war, zog er mit seiner Familie nach Mayfield, einem Stadtteil von Wilmington im Delaware-County.

 

Die meisten Einwohner von Mayfield arbeiteten in dem überregional bekannten Chemieunternehmen DuPont. Joe Biden besuchte hier die St. Helena School, ehe er Aufnahme fand in der angesehenen Archmere Academy. Dabei handelte es sich um eine Hochschule, die ehemals von den Norbertiner Vätern gegründet wurde und für ein strenges akademisches Programm bekannt war.

 

Fensterputzer und Rasenmäher als Nebenbeschäftigung

Da seine Eltern nicht auf Rosen gebettet waren und Probleme hatten, ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen, suchte sich Joe Biden ein paar leidlich bezahlte Nebenbeschäftigungen. Er putzte die Fenster seiner Schule und mähte im Garten den Rasen. Doch seine eigentlichen Ausbildungsziele verlor er nicht aus den Augen, hatte auf seinem schulischen Weg kaum Probleme und war – so ganz nebenbei – auch noch ein guter Footballspieler der Academy. Das war einigermassen erstaunlich, denn Joe Biden verfügte keineswegs über die Figur eines Athleten. Einer seiner Trainer sagte später: „Er war für den Sport eigentlich viel zu dünn, doch er war einer der besten Pass-Spieler.“ 1961 beendete Joe Biden seine Zeit in Archmere.

 

Kennedys Amtseinführung als Inspiration für politisches Interesse

Joe Bidens Interesse an der Politik ist John F. Kennedy zu verdanken

Joe Bidens nächster Schritt bedurfte keines Ortswechsels. Er schrieb sich in der Universität von Delaware ein und studierte dort Politikwissenschaft und Geschichte. Viele Jahre später verriet er, dass er in den ersten beiden Jahren auf dem College eher für das Footballspiel schwärmte und Spass an Partys hatte als an seinem akademischen Schliff. Ausserdem wuchs bei ihm das Interesse an der Politik. Inspiriert wurde er dabei durch die Einführung von John F. Kennedy im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Während einer Reise zu den Bahamas lernte Joe Biden dann eine junge Studentin von der Syracuse University kennen: Neilia Hunter. Die stammte aus dem kleinen Ort Skaneateles bei New York, galt als gute Schwimmerin und spielte Hockey. Joe Biden verliebte sich in Nassau auf Anhieb in Neilia. Um fortan in ihrer Nähe zu sein, schrieb er sich als Jurastudent in der Syracuse University ein. Während seines Studiums erlitt er einen Rückschlag, weil er einen Artikel zur Gesetzesüberprüfung falsch zitierte.

 

Einstieg in die Politik

Ein junger Stadtrat und die Bewerbung um einen Sitz im Senat

Am 27. August 1966 heiratete Joe Biden seine Neilia, die „Liebe seines Lebens“. Aus dieser Verbindung gingen drei Kinder hervor: Joseph Robinette, der nur „Beau“ gerufen wurde, Hunter und Naomi Christina. Zwei Jahre nach seiner Hochzeit beendete Joe Biden das Studium an der juristischen Fakultät, zog mit seiner jungen Familie nach Wilmington/Delaware und arbeitete einige Zeit in einer Anwaltskanzlei.

Ausserdem entwickelte er eine aktive Mitgliedschaft in der Demokratischen Partei und wurde 1970 in den New Castle County Council gewählt. Er war nun Stadtrat, hatte bei den Demokraten viele Freunde gewonnen und machte sich als Anwalt selbstständig. Dass Joe Biden bereits zwei Jahre später von den Demokraten ermutigt wurde, sich um einen Sitz im Senat zu bewerben, überraschte den nunmehr 29-Jährigen.

 

US-Senator von Delaware

Der fünftjüngste Senator in der Geschichte der Vereinigten Staaten

Eigentlich rechnete sich Joe Biden bei seiner Kampagne zum Senatssitz nur geringe Chancen aus, denn sein Rivale war kein Geringerer als der beliebte Amtsinhaber J. Caleb Boggs. Auch der arbeitete als Anwalt und war ein Veteran des Zweiten Weltkriegs. Joe Biden startete einen engagierten Wahlkampf, wurde dabei durch seine Schwester Valerie als Managerin und durch seine Eltern stark unterstützt.

In seinen Wahlreden liess er keinen Zweifel daran, dass er den Mitbewerber Boggs nach dessen zwei Amtszeiten für zu alt hielt. In einem sehr engen Rennen gewann schließlich Biden als Herausforderer mit einem Plus von 1,4 Prozentpunkten. Damit war er der fünftjüngste US-Senator in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

 

Der Schicksalsschlag in der Vorweihnachtszeit des Jahres 1972

In der Woche vor Weihnachten des Jahres 1972 brach die bis dahin heile Welt des jungen Politikers binnen weniger Sekunden in sich zusammen. Bidens Frau Neilia befand sich auf dem Rückweg von einer Einkaufsfahrt in Delaware. Im Kofferraum ihres Wagens befand sich ein Weihnachtsbaum. Begleitet wurde sie dabei von ihrer Tochter Naomi und ihren Söhnen Beau und Hunter. Der Fahrer eines Sattelschleppers löste einen tragischen Unfall aus.

 

Joe Bidens Frau Neilia und Naomi starben noch am Ort des Geschehens. Beau wurde mit einem gebrochenen Bein ins Hospital gebracht, und Hunter erlitt einen Schädelbasisbruch. Biden legte seinen Amtseid als Senator Anfang 1973 am Krankenbett seiner kleinen Söhne ab. In seiner tiefen Glaubenskrise dachte er einige Zeit an Selbstmord, entschied sich dann aber dafür, seinen Söhnen ein guter Vater zu sein.

 

Eine zweite Ehe und die Geburt der gemeinsamen Tochter Ashley

„Ich hatte das Gefühl, dass Gott mir einen schlechten Streich gespielt habe“, sagte Joe Biden später. Fünf Jahre nach dem Unfall heiratete er ein zweites Mal. Jill Tracy Jacobs war die älteste von fünf Töchtern eines Bankiers, vier Jahre lang mit einem ehemaligen Baseballspieler verheiratet und lernte ihren zweiten Mann bei einem Blind Date kennen, den Joes Bruder Frank organisiert hatte.

Am 7. Juni 1977 fand die Hochzeit mit Joe Biden statt und vier Jahre später kam die gemeinsame Tochter Ashley zur Welt. Jill arbeitete in verschiedenen Bildungseinrichtungen als Englisch-Lehrerin, hatte zwei Master-Abschlüsse und promovierte mit 55 Jahren an der University of Delaware. Später veröffentlichte sie ein Buch, das die Kindheitstage ihres Ehemannes zum Thema hatte.

 

Politischer Aufstieg

Joe Bidens Wort hatte Gewicht im amerikanischen Senat

Joe Biden hatte sich inzwischen als Redner profiliert. Manche Zeitzeugen vertraten allerdings die Auffassung, dass ihr Abgeordneter, der den Bundesstaat Delaware im Senat vertrat, häufig zu lange am Rednerpult stehen würde. Die Kürze war nicht unbedingt die Würze des Politikers, der dennoch in fünf Wahlen triumphierte und schliesslich als Vorsitzender des United States Senate Committee on Foreign Relations einer der profiliertesten Aussenpolitiker des Kongresses war.

Etliche Jahre pendelte er täglich mit dem Zug zwischen Washington und seinem Wohnsitz Wilmington, um sich neben seinem Job auch seinen Söhnen und seiner Tochter widmen zu können. Sein Wort wurde im Senat gehört und hatte Gewicht, und er vertrat die Auffassung, die Vereinigten Staaten sollten sich zu einer strategischen Rüstungsbegrenzung mit der Sowjetunion durchringen. Biden war ausserdem ein strikter Gegner des Ersten Golfkrieges und trat für Stabilität auf dem Balkan ein.

 

Kopierte Bidon eine Rede des britischen Labour-Vorsitzenden?

Innenpolitisch war Joe Biden in den vielen Jahren seiner Zugehörigkeit zum amerikanischen Senat ein Befürworter strengerer Gesetze zur Bekämpfung von Verbrechen. Spätestens 1994 hatte er damit Erfolg – es wurden hunderttausend weitere Polizisten eingestellt und die Strafen zum Teil drastisch erhöht.

 

Nachdem er zwischen 1987 und 1991 Vorsitzender des Justizausschusses wurde, erhöhten sich seine Ambitionen, sich um das höchste Amt der Vereinigten Staaten zu bewerben. Im Juni 1987 erklärte er sich zur Kandidatur bereit, gab aber bereits nach sechs Wochen auf, weil in der amerikanischen Öffentlichkeit über Plagiatsvorwürfe gegen ihn diskutiert wurden. Angeblich hatte er eine Rede des britischen Labour-Vorsitzenden Neil Kinnock kopiert.

 

Schlechte Zeiten für Bilden – Gehirnoperationen im Jahr 1988

Es waren schlechte Zeiten für den Politiker Joe Biden, denn nach dem Abbruch der Kandidatur zur amerikanischen Präsidentschaft litt der Senats-Abgeordnete 1988 unter permanenten Kopfschmerzen. Wenig später stellten die Ärzte fest, dass Gehirnoperationen bei Biden notwendig wurden. Die wiederum führten zu Blutgerinnseln in der Lunge und zu einem weiteren Eingriff.

Sieben Monate war Biden ausser Gefecht gesetzt, doch dann nahm er sein Amt im Senat wieder auf. Es folgte eine lange Periode der politischen Enthaltsamkeit, ehe man Joe Biden im Jahr 2007 ermunterte, sich erneut um die US-Präsidentschaft zu bewerben. Doch sein Ruf hatte gelitten und in Versammlungen der Demokraten in Iowa erzielte er eine ausserordentlich geringe Stimmenzahl. Daraufhin gab er seine angedachte Bewerbung auf.

 

Vizepräsidentschaft (2009 – 2017)

Ein politisches Comeback an der Seite von Barack Obama

Barack Obama und Joe Biden

Doch trotz seiner Demission verglühte der Stern des Joe Biden am politischen Himmel der Vereinigten Staaten nicht. Als sich mit Barack Obama erstmals ein schwarzer Amerikaner um das höchste Amt im Staat bewarb, sicherte sich dieser die Mitarbeit von Biden. Der stammte aus einfachen Verhältnissen und aus der Arbeiterklasse und sollte für Obama von Bedeutung bei den Wahlen der sogenannten Swing-Staaten Ohio und Pennsylvania sein.

Im Gegensatz zum Präsidentschafts-Kandidaten galt Biden als erfahrener Politiker, der als Vizepräsident an der Seite des charismatischen Obama eine sinnvolle Ergänzung war. Das Duo gewann am 4. November 2008 den Wahlkampf, weil es in 28 Staaten die Mehrheit schaffte, während die Republikaner mit John McCain und Sarah Palin nur 22 Staaten für sich vereinnahmen konnten. Nach seinem politischen Comeback versicherte Biden dem neuen Präsidenten, er werde sich als Berater im Hintergrund halten und dessen Kurs in der Aussen- und Innenpolitik unterstützen.

 

„Ich bin Teil eines Moments der amerikanischen Geschichte…“

Offensichtlich fühlte sich Joe Biden wohl in seiner Rolle des Vizepräsidenten an der Seite Obamas. Eines Tages formulierte er das so: „Es sind historische Zeiten, und ich bin Teil eines Moments der amerikanischen Geschichte…“ Er genoss es, mit einem Mann zusammenarbeiten zu dürfen, der in Bidens Augen „ein unglaubliches Talent“ dafür entwickelte, das Spiegelbild eines neuen Amerika zu sein.

Vier Jahre später kandidierten Obama und Biden erneut für die beiden höchsten Ämter der USA und sicherten sich fast sechzig Prozent der Wählerstimmen. Fortan betätigte sich der Vizepräsident vor allem innenpolitisch und brachte ein überparteiliches Abkommen über Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen auf den Weg. Ausserdem war er in der emotional geführten Debatte über eine Kontrolle von Waffen in Amerika ein wichtiger Sprecher.

 

Ein zweiter Schicksalsschlag für die Familie des Joe Biden

Am 30. Mai 2015 schlug das Schicksal in der Familie Biden ein zweites Mal zu. Sohn Beau verstarb an den Folgen eines Hirntumors mit gerade einmal 46 Jahren. Es war eine neue frische Wunde im Leben des Politikers, der auf dem Parteitag der Demokraten rührende Worte über seinen verstorbenen Sohn fand und dabei nur mit Mühe seine Tränen unterdrücken konnte.

 

Seit 2017 ist Donald Trump US-Präsident

Biden verstand es, seine persönlichen Schicksalsschläge zu einer seiner politischen Kernbotschaften für die Amerikaner zu machen: „Ich weiss, wie dreckig es auch Euch gehen kann – aber ich verspreche Euch, es geht wieder aufwärts. Mit Euch, mit uns, mit der Nation.“ Als Präsident Obama nach zwei Amtszeiten nicht mehr um dieses Amt kandidieren durfte, kam Biden als Bewerber infrage, doch im Oktober 2015 gab er bekannt, nicht anzutreten. Aber im Wahlkampf gegen Donald Trump wollte er mitwirken und er wollte „nicht leise“ sein.

 

Die Presidential Medal of Freedom aus den Händen Obamas

In einer für Biden überraschenden Zeremonie überreichte Barack Obama seinem in acht Jahren erfolgreichen und zuverlässigen Begleiter im Weissen Haus die Presidential Medal of Freedom, die höchste Auszeichnung, die die Vereinigten Staaten an Zivilisten zu vergeben haben. Obama würdigte Biden als „Löwen der amerikanischen Geschichte.“

Im Beisein seiner Frau Jill und seinen Kindern sowie der Präsidenten-Gattin Michelle Obama antwortete Biden ebenso spontan wie emotionell. Einige Jahre später wurde Biden gefragt, ob er es jemals bereut habe, 2016 für die Präsidentschaft nicht zu kandidieren. Er antwortete ausweichend und beschied es mit dem Satz: „Man muss glauben, die qualifizierteste Person für diese Wahl zu sein. Und ich wusste, dass ich es nicht war.“

 

Präsidentschaftskandidatur 2020

Joe Biden ist Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2020

Als es um die Kandidatur zur Wahl 2020 ging, zögerte Joe Biden lange mit seiner Bereitschaft, sich zu stellen. „Wir haben viele gute Leute, und ich hoffe, dass einige auftauchen“, sagte er. Doch bei Meinungsumfragen stellte sich heraus, dass niemand ausser Biden in der Lage war, die Amerikaner bei dieser Wahl für sich einzunehmen. Und vor seiner Nominierung erklärte er: „Wenn mir vorgeschlagen wird, es zu tun, werde ich voller Respekt zuhören. Aber es war nicht meine Absicht, gegen Trump anzutreten.“ Biden sagte „Ja“ und konnte Mitte Juni 2020 einen neuen Rekord an Spenden verzeichnen. Gleichzeitig sickerte aber auch durch, dass eine seiner ehemaligen Mitarbeiterinnen, Tara Reade, sich von ihm vor fast dreissig Jahren sexuell genötigt fühlte. Biden äusserte sich so: „Diese Vorwürfe sind unwahr und nie passiert.“

 

Der „wahre Biden“ outet sich, wenn die Kameras ausgeschaltet sind

Kenner des Joe Biden haben unlängst ihre Eindrücke geschildert. Danach würde sich der „wahre Biden“ erst dann outen, wenn die Kameras ausgeschaltet seien. In seiner Heimatstadt Wilmington in Delaware ist man von der Integrität dieses Manns überzeugt. Eines Politikers, der es versteht, über Empathie und Anstand emotionale Bindungen herzustellen. Und dies ist auch die Geschichte über einen Amerikaner, den das persönliche Schicksal nicht verwöhnte."

 

 

Quellen:

 

  • CNN - https://edition.cnn.com/politics/live-news/trump-biden-election-results-11-07-20/index.html
  • Twitter - https://twitter.com/JoeBiden?s=20 ¦ https://twitter.com/KamalaHarris?s=20
  • SRF - https://www.srf.ch/news/international/us-wahlen-2020-joe-biden-gewinnt-die-us-wahlen-2020
  • https://www.usa-info.net/usa-wiki/joe-biden/

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