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Wirtschaft ist nicht die Kneipe um die Ecke

DMZ – GESELLSCHAFT / WIRTSCHAFT ¦ Dirk Specht ¦
KOMMENTAR 

 

Wer sich für die ökonomischen Folgen der Covid-19 Pandemie wirklich interessiert und das von der „Wirtschaft“ in Form der nächsten Kneipe unterscheiden möchte, sollte sich exemplarisch drei Meldungen sehr genau anschauen, die ich hier verlinke.

 

Erstens der Zwischenbericht der Continental AG, einer börsennotierten Gesellschaft, die gesetzlich verpflichtet ist, regelmäßig zu berichten:

https://www.dgap.de/.../continental-drittes-quartal.../...

Wir sehen hier eindrucksvoll, wie das Unternehmen seit März auf die rasch zusammenbrechenden internationalen Lieferketten sowie die Veränderungen in den Weltmärkten reagieren musste. Ebenso sehen wir, wie mühsam es ist, diesen Zusammenbruch nun schrittweise wieder zu beheben, also auf die seit Frühjahr langsam wieder aufgebauten Lieferketten sowie die Erholung der wichtigsten Absatzmärkte zu reagieren – und dass dieser Erholungsprozess natürlich viel länger dauert, als der in wenigen Tagen erfolgte Zusammenbruch. Die Weltwirtschaft ist binnen einer Woche komplett runter gefahren, anders herum dauert das leider viel länger.

Nun ist die Erholung, vor allem in Asien, aber aufgrund der massiven Stimulationen durch die Notenbanken in Nordamerika sowie teilweise in Europa aber zustande gekommen. Die Weltmärkte sind längst nicht da, wo sie zu Jahresbeginn lagen, aber sie laufen an. Daher geht es gerade in Deutschland mit seiner auf Export und industrielle Produktion ausgerichteten Ökonomie vor allem darum, die Produktion sicherzustellen. Das ist für unsere Wirtschaft in der Krise Chance und Risiko zugleich, denn es geht auf den Weltmärkten mit den Teilerholungen auch längst um Marktanteile: Wer kann liefern, wer kann es nicht. Wir sehen vor allem in Asien – und hier keineswegs nur in China -, dass die Märkte dort sehr gut anspringen und dass zugleich aber auch die dort ansässigen Unternehmen voll leistungsfähig sind.

 

In dieser Phase der Pandemie geht es nun darum, die Chancen zusätzlicher Marktanteile zu nutzen und zugleich den Wettbewerb zu sehen, der vor allem in Regionen mit bestem Pandemie-Management wieder voll im Einsatz ist. Entsprechend ist auch der „Lockdown light“ mit maximaler Schonung von Produktionsanlagen sowie der medizinisch/epidemiologisch unvertretbaren Aufrechterhaltung des Schulbetriebs zu verstehen.

Ich gehe davon aus, dass es leider nicht bei dieser Maßnahme bleiben kann. Auch die Schulen werden bald so unter Druck der Epidemie kommen, dass deren Betrieb für mich fraglich wird – mit entsprechenden Folgen für die Arbeitsprozesse betroffener Eltern.

Wie sehr wir bereits jetzt unter Druck geraten, zeigen zwei weitere Meldungen zu Einschränkungen in der Produktion bei ZF und bei Conti:

https://www.faz.net/.../zf-schliesst-wegen-corona...

https://www.manager-magazin.de/.../coronavirus-ausbruch...

Wer ernsthaft und ehrlich an den ökonomischen Folgen der Pandemie interessiert ist, sollte erkennen, dass diese letzten beiden Meldungen das zeigen, was uns richtig teuer zu stehen kommt – schlimmstenfalls sogar langfristig durch den Verlust von Marktanteilen auf den Weltmärkten. Die ökonomischen Schäden erzeugt die Pandemie, die Folgen sind auf den Weltmärkten und den Lieferketten zu sehen, unser nationaler Lockdown erzeugt zwar selbstverständlich unmittelbare Primärschäden bei zu schließenden Unternehmen, bei deren Belegschaft und den Inhabern, die daher zurecht auf die Folgen der Maßnahmen hinweisen.

 

Für die Gesamtökonomie gilt das aber nicht! Hier sehen die in der Wissenschaft ernsthaft damit befassten Ökonomen vollkommen klar, dass es zwischen Gesundheit und Wirtschaft keinerlei Widerspruch gibt. Gutes Pandemie-Management schützt auch die Wirtschaft, viele Länder Asiens sind uns da weit voraus und das wird Folgen haben. Daher rufen Ökonomen auch dringend dazu auf, einen kompletten Lockdown, der die Lieferketten und die Produktion betreffen könnte, unbedingt zu vermeiden. Dem muss unsere Strategie bis zur Verfügbarkeit von Impfstoffen gelten.

Freizeitleben und Feierlichkeiten haben in so einer Krise für ein Jahr lang mal nur eine einzige Bedeutung: Sie sind eine Gefahr für Leib und Leben sowie für unsere ökonomische Zukunft! 


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