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RRRrrrr Renners Rasende Randnotiz - Gedanken zur Konzernverantwortungsinitiative

Alon Renner (Potrait von Olivia Aloisi)
Alon Renner (Potrait von Olivia Aloisi)

DMZ – KOLUMNE ¦ Alon Renner ¦

 

Gerne möchte ich in diesem Zusammenhang an Adolf Eichmann, Hitlers leitenden Beamten, der für Nazi Deutschland den Holocaust organisierte, erinnern. Und dies explizit nicht, um die Taten gewisser Konzerne mit einem Genozid zu vergleichen. Oder gar der Shoa. Denn mit solchen Gräueltaten lässt sich nichts vergleichen. Auch wäre dies absurd. Aber das Motiv des Schreibtischtäters möchte ich an dieser Stelle gerne ins Scheinwerferlicht rücken.

 

Desjenigen, der morgens aufsteht, mit seiner Frau und seinen Kindern frühstückt, sie zum Abschied küsst, den Hund streichelt und auf dem Weg zum Auto den Nachbarn zuwinkt. Ihn, der es zu Vermögen gebracht hat, sich in Vereinen und Verbänden engagiert, den man mag, weil er oft zum Essen lädt, grosszügig ist und Parteien finanziert. Er, der stets ein frisch gebügeltes Hemd trägt, toll aussieht und gut riecht. Und sein Geld damit verdient, andere in Leid und Verderben zu stürzen. Der, der wenn nicht über Leichen, dann über vergiftete Böden, verschmutztes Trinkwasser und Schadstoffe in der Luft geht. Oder über Kinderarbeit. Und dem dies alles egal ist, Hauptsache die Gewinnmaximierung stimmt.

 

Er selbst ist nie bis selten am Ort des Geschehens anzutreffen. Denn seine Hände macht er nicht schmutzig. Seine Taten bestehen in Unterlassungen, Anweisungen, Anordnungen und Sitzungsbeschlüssen. Alles Dinge, die hier an Schweizer Pulten, vor dem Computer in unseren Städten, in Konferenzen und Besprechungen getan werden und irgendwo in einem anderen Kontinent ein Dorf, eine Stadt oder gar einen ganzen Landstrich verwüsten.

 

Im Gegensatz zu Adolf Eichmann, dessen Dienststelle IV D4, mit dutzenden von Mitarbeitern, den industriellen Mord von Millionen Menschen in ihren Büros plante, führen die Schreibtischtäter gewissenloser Konzerne per se nichts Böses oder Abscheuliches im Schilde. Im Gegenteil, sie helfen Rohstoffe zu generieren und wertvolle Waren für die Wirtschaft zu produzieren. Nur nehmen sie für diese Ziele Kollateralschäden in Kauf, die jeder Menschlichkeit spotten. Die Debatte ist daher komplex. Erst wenn wir uns vor Augen führen, was, nebst den Konsequenzen eines solchen Handelns in den Abbaugebieten und Produktionsorten, hier bei uns geschieht, geht uns eventuell ein Licht auf. Denn das Wegschauen, Kleinreden und Entschuldigen solcher Missstände schafft eine Kultur der Verrohung, der Amoral. Wenn wir den Schreibtischtäter als etwas normales, als «einen von uns» empfinden, dann stumpfen wir ab und öffnen Tür und Tor für weit Schlimmeres.

 

Firmen wie Glencore, Holcim, Syngenta usw stehen genauso wie unsere Uhren, das Taschenmesser, der Käse und die Schokolade für «Made in Switzerland». Sie sind ein Teil unserer Gesamtwirtschaft, die in einer beispiellosen zweihundertjährigen Erfolgsgeschichte ein Label geschaffen hat, über das man in der ganzen Welt spricht. Und auf das man hierzulande zur Recht sehr stolz ist.

 

Als jemand, der sein ganzes Leben lang Unternehmer war, möchte ich unsere Wirtschaft gerne in der Tradition des Schweizerischen Roten Kreuzes sehen und Moral und Ethik vor Schurkerei stellen. Das dies möglich ist, haben zehntausende KMUs und Konzerne seit dem 16ten Jahrhundert bewiesen. Mit der Konzernverantwortungsinitiative wollen wir einige wenige an die Leine nehmen, damit wir anderen auch weiterhin stolz auf unser Land und unsere Wirtschaft sein können.

 

 

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Eichmann

https://de.wikipedia.org/wiki/Eichmannreferat

Heinar Kipphardt – Bruder Eichmann. Verlag Rowohlt.

 

Mehr zur Konzernverantwortungsinitiative:

www.konzern-initiative.ch

Film: https://bit.ly/3f2hEzt

 

 


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