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Das Schweizer Volk scheint das einzige zu sein, das den Ernst der Lage noch nicht erfasst hat

DMZ – GESELLSCHAFT / LEBEN ¦ Anton Aeberhard ¦

KOMMENTAR

 

Diverse Länder wehren sich gegen die Pandemie mit Lockdowns, Ausgangssperren und anderen harten Massnahmen während die Schweiz immer noch kaum Massnahmen getroffen hat. Es wird immer offensichtlicher, dass die Schweiz von der Wirtschaft regiert wird und der Bundesrat keine Funktion hat, oder diese erfolgreich jedesmal frühzeitig ausser Gefecht gesetzt wird. Der Imageschaden für die Schweiz ist immens, das Ausland zeigt sich schockiert über die Untätigkeit und Empathielosigkeit der Schweizer Bürgerinnen und Bürger. Das Verständnis für die Bevölkerung ist im Ansehen der Nachbarländer gesunken, da diese die Untätigkeit zu begrüssen scheint. Zumindest macht dies den Eindruck, weil die Hauptthemen aktuell wirtschaftlicher und spasstechnischer Natur sind. Skifahren und Ausgang, Party und Geselligkeit scheinen über Menschenleben zu stehen.

 

Wirte schreiben offene Briefe oder demonstrieren, noch bevor Massnahmen getroffen wurden. Skigebiete sind proppenvoll, von Schutzkonzepten nichts zu sehen. Kontrollen fehlen – jeder macht sein Ding ohne Rücksicht auf Verluste. Werden Sünder kritisiert, antworten diese stets mit: „Wir haben ein Schutzkonzept“, als ob eine Anwendung und Durchsetzung nicht automatisch auch dazu gehören würde. Im Ausland zeigt man sich über soviel Arroganz betroffen. Wir erinnern. In der Schweiz gibt es nur wenige Massnahmen, viele davon werden nicht einmal umgesetzt. So gibt es auch im Tourismus und Gastrobereich sehr viele schwarze Schafe, die sich einen Deut um diese Massnahmen kümmern. Auch liest man überall nur noch von Forderungen. Wo sind wir hingekommen, wenn keiner mehr das Gespräch sucht und Argumente liefert und nur noch fordert. Nicht die Massnahmen sind nicht nachvollziehbar und inakzeptabel, sondern solches Verhalten. Das finden mittlerweile auch viele Menschen aus der Bevölkerung und bekunden in diversen Onlineforen bereits Boykottgedanken gegen solche Gastro- und Tourismusexponenten. Auch eine Lockdown gab es in der Schweiz noch nie. Nur einen Shutdown. Aber scheinbar ist ausgerechnet eines der reichsten Länder der Welt nicht in der Lage die Krise zu meistern.

 

Die bürgerlichen Politiker haben die Katastrophe, in welcher wir stecken, immer noch nicht erfasst und fordern bei stetig steigenden Zahlen immer noch auf die nichtbewährte Eigenverantwortung der Kantone. Was genau haben die verpasst. Sie sind verantwortlich für das Desaster und das Elend und sicherlich mitverantwortlich zu machen für die vielen Todesfälle. Kein Wort der Anteilnahme, keine Fahnen auf Halbmast, stattdessen Forderungen und die Regel „Wirtschaft vor Menschenleben“. Wie muss eine Bevölkerung gestrickt sein, die solche Politiker wählt. Denn deren Untragbarkeit zeigt sich nicht erst jetzt in dieser Krise.

 

Aber es gibt auch die andere Seite, die, die bisher ignoriert und übergangen wurde. Denn immer mehr Menschen und Politiker fordern angesichts der aktuellen Corona-Lage einen kompletten Lockdown für die ganze Schweiz. Ein längst überfälliger Schritt. Damit hätte man vor Wochen bereits viele Todesfälle verhindert und die katastrophale Ausgangslage der Schweizer Wirtschaft.

Für die Pflegekräfte ist die jetzige Lage schon eine extreme psychische und physische Belastung. Denn den Patienten geht es nicht nur extrem schlecht, sie haben auch grosse Angst. "Die Patienten haben Angst, die haben Angst um ihr Leben. [..] Sie wissen ja mittlerweile, was auf sie zukommt. Wenn sie auf eine Intensivstation kommen, dann wissen sie auch, dass sie eine Chance von 50 Prozent haben, zu versterben", so ein Mediziner.

 

Intensivmediziner warnen: "Wenn das so weitergeht, drei, vier Wochen noch, dann geraten wir wirklich an unsere Kapazitätsgrenzen. Das ist besorgniserregend und wenn wir dort so einen anhaltend hohen Infektionsanteil jeden Tag sehen, dann wird es eng werden. Spätestens Mitte Januar." Angesichts der steigenden Coronazahlen fordern Intensivmediziner die Politik schon lange auf, unverzüglich zu handeln. Jeder weitere Tag ohne strikten Lockdown koste Menschenleben.

Selbst ein sofortiger Lockdown lasse die Zahlen erst in zwei bis drei Wochen deutlich sinken. Die Qualitäten eines Volkes und deren Regierung zeigen sich in einer Krise. Oder, um es im Bezug auf die Regierung, in den Worten von Adrian Vatter zu sagen: „Der Bundesrat ist recht erfolgreich im Durchwursteln, wenn die Sonne scheint, aber konzeptlos, wenn es regnet. Die Europapolitik seit 1992, aber auch die Corona-Krise im Jahr 2020 zeigen dies exemplarisch.“  


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