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Wie Psychologen versuchen mit der Pandemie schnell Geld zu machen

DMZ – GESUNDHEIT / WISSEN ¦ Anton Aeberhard ¦

KOMMENTAR

 

Die Ideen und Thesen scheinen keine Grenzen mehr zu kennen. Da wird wild darauf los gedichtet, dass die arme Jugend verloren ist und ach so schwer unter den Massnahmen der Pandemie zu leiden hätten. Nimmt man sich die Zeit und spricht mit Jugendlichen, findet man niemanden, der sich beschwert, ausser diejenigen, die auch Schlagzeilen in ihrer Timeline entdeckt haben, die von verschiedenen Medien gestreut werden, die auch anderen Humbug verbreiten. Aber bei all diesen Verursachern von schlechten Nachrichten und Pessimismusarchitektur geht es nur um Eines. Geld verdienen - und zwar schnell.

 

Da werden Psychologen bemüht, die sich mit der Materie offenbar nicht selber befasst haben und so auch nur rein hypothetisch Annahmen und Mutmassungen vom Stapel lassen. Aber jeder Wissenschaftler weiss, dass man sich erst ein Bild machen kann, wenn man mit Betroffenen gesprochen, sich mit der Materie auseinandergesetzt und Erfahrungen gemacht hat. Natürlich ist und war es in einigen Branchen immer schon zu verlockend um widerstehen zu können, wenn es um das schnelle Geld ging. So auch bei Medien und vermeintlichen "Beratungsbüros".

 

Auch im Rahmen der angeheizten und produzierten "Krawallepisode" in St. Gallen outet sich eine Psychologin als Unwissende, die einfach drauflosphantasiert: "Jugendliche stehen unter massivem Druck". Nun, das standen sie schon immer und nicht erst seit der Pandemie. Zudem ist es etwas, das vor allem unserer Gesellschaft und Wirtschaft produziert wird. Die druckerpropten Jugendlichen lassen sich sicherlich wegen einfachem Maskentragen nicht aus der Ruhe bringen. Auch sorgt dieser Umstand nicht dafür, dass reihenweise Jugendliche verloren umherirren. Da braucht es sehr viel mehr. Wer also solchen Unfug verbreitet kennt weder das Leben noch die Jugendlichen.

 

Psychologen und Medien heizen die Stimmung mit unmöglichen Aussagen und Schlagzeilen gekonnt auf und warnen dann mit "Es herrscht eine aufgeheizte Stimmung!" Nur immer wieder und regelmässig wiederholen, dann wird das dann schon geglaubt. So die Devise. Leider funktioniert auch dies bei leichtgläubigen Menschen, die auch anderen Unfug glauben (z.B. QAnon, Great Reset und anderen Verschwörungstheorien). Letztlich sind es immer die selben Menschen, die solchen Manipulationen zum Opfer fallen. So führt vermeintlich die Coronakrise zu Verwerfungen in der Gesellschaft, unter anderem werden auch Diskrepanzen zwischen jungen und älteren Menschen offenbar deutlich. Das Prinzip "Aufheizen" funktioniert leider recht gut. Der Jugend wird sogar eine Mitschuld an der Ausbreitung der Pandemie gegeben. Vereinzelt wird bereits von einem Generationenkonflikt gesprochen. Seitdem hat die Kritik an den jungen Menschen eher zugenommen. Dem steht eine Realität gegenüber, die das Bild einer sich unsozial verhaltenden Jugend keineswegs bestätigt. Dies wird anhand von Statistiken und der Jugendforschung skizzenhaft dargestellt, um anschliessend die Forschungslage zur Jugend in Coronazeiten anzuschauen. Dabei wird der Blick vor allem darauf gerichtet, wie es um benachteiligte junge Menschen und Jugendliche aus der Kinder- und Jugendhilfe bestellt ist. Hier werden weder zitierte "Experten", noch so agierende Medien ihrer Verantwortung bewusst. Nur die eigenen Ziele zählen.

 

So sagt z.B. eine Zürcher Psychologin (Namen nennen wir zum Schutz der Person nicht) am Tag nach den Jugend-Ausschreitungen in St. Gallen zu Blick TV: Die Jugendlichen stehen angesichts der Corona-Krise unter "massivem Druck". Sie vergleicht die aktuelle Situation der Jungen mit einem Dampfkochtopf, der bei ständig steigendem Druck eben irgendwann explodiert. Dramatischer kann man etwas nicht beschreiben, das es so nicht gibt. Aber gerne verbreiten einige Medien solche Aussagen unreflektiert und ungeprüft weiter. Dies ist insofern verwerflich und gefährlich, da es wie bereits erwähnt, immer die selben Menschen trifft, die dies aufnehmen und sich nebst rüden Kommentaren auch zu anderen Taten verleiten lassen. 

Dabei sind und waren es nie einfach die Jugendlichen als solches, die randalierend durch die Strassen zogen und Straftaten begehen. Das "Phänomen2 von kleinen Gruppen von Chaoten kennt man generell von Demonstrationen. Neben Medienberichten können natürlich auch politische Kommentierungen zu Konflikten beitragen. Studien zeigen allerdings deutlich, dass die jungen Menschen keineswegs verantwortungslos(er) handeln als Erwachsene. Laut Robert-Koch-Institut und der Jugendstudie der TUI-Stiftung ist das Verhalten der jungen Menschen nur minimal abweichend von dem der Erwachsenen. 83% halten sich an alle oder überwiegend alle Vorschriften.  Die Studie zeigt auch auf, welche Faktoren sich positiv auf das Wohlergehen der jungen Menschen auswirken, als da wären z.B. familiäre Bindungen und Peerkontakte. 

 

Jugendliche haben meist generell Zukunftsängste. Sie sorgen sich um den Planeten, beobachten die Folgen der Globalisierung und Zustände wie die Massentierhaltung mit Sorge. Die Pandemie hängt so gesehen natürlich auch damit zusammen und verstärkt solche Ängste nur noch. Aber die Pandemie als Grund für eine gefährdete Jugend festzumachen ist absurd.


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