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Covid-19: In Grossbritannien steigen die Corona-Zahlen wieder an - Schulen zeigen sich erneut als Treiber

DMZ – INTERNATIONAL ¦ Anton Aeberhard ¦

 

In Grossbritannien breitet sich die Delta-Variante des Virus (ehemals Indische Variante) rund 40 Prozent schneller aus als die bisher in Grossbritannien dominierende Alpha-Variante. Aktuell dominiert klar die Delta Variante. Im Nordwesten Englands ist eine Offensive mit Impfungen und Massentests gegen die weitere Ausbreitung der Delta-Variante gestartet worden. 

Die für den 21. Juni in Aussicht gestellte Lockerungen in Grossbritannien sind in Gefahr. Es sei zu früh, um eine endgültige Entscheidung darüber zu fällen. Was diese besorgniserregende Entwicklung für das europäischen Festland bedeutet, ist noch unklar.

 

Die Inzidenz steigt auf fast 60 Fälle pro 100.000 Einwohner an

Grund für den Anstieg in Grossbritannien ist die zuerst in Indien entdeckte Delta-Mutation, die mittlerweile dominierend ist. Experten zeigen sich sehr besorgt, weil sich die zuerst in Indien aufgetauchte Delta-Mutation so stark ausbreitet. Eigentlich sollte der Sommer in Grossbritannien weitere Lockerungen bringen. Bislang war geplant, dass am 21. Juni die letzten Corona-Beschränkungen im Vereinigten Königreich fallen, doch aktuell geht die Angst vor einer vierten Welle um.

 

Alle Indikatoren weisen darauf hin, dass Grossbritannien vor einem erneuten Ausbruch der Pandemie steht, trotz des erfolgreichen Impfprogramms. Am Dienstag wurden fast 6000 Neuinfektionen gemeldet, die Inzidenz steigt weiter an. Eine vierte Welle sei „unvermeidlich“, sagte die walisische Gesundheitsministerin Eluned Morgan am Sonntag: „Die Frage ist, wie gross diese Welle sein wird.“

 

Deutschland hat Grossbritannien als Virusvariantengebiet eingestuft

Das heisst, dass Fluggesellschaften, Bus- und Bahnunternehmen nur noch deutsche Staatsbürger oder in Deutschland lebende Personen nach Deutschland befördern dürfen. Für Einreisende gilt eine zweiwöchige Quarantänepflicht, die auch nicht durch negative Tests verkürzt werden kann. Der Grund für eine höhere Ansteckungsfähigkeit der Delta-Variante ist noch nicht endgültig gefunden. Bekannt ist allerdings bereits, dass die Variante gleich mehrere Mutationen aufweist. Zwei relevante Mutationen betreffen dabei das sogenannte Spike-Protein, mit dem das Virus an die Zellen andockt. Sie werden auch mit der höheren Infektiosität in Verbindung gebracht. Gemäss britischen und deutschen Laborversuchen gibt es zudem Indizien, dass sich der Erreger besser in den Atemwegen vermehren und leichter in Darm- und Lungenzellen eindringen kann als andere Varianten.

 

Variante in der Schweiz

Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) wurde die indische Variante B.1.617 in der Schweiz erstmals in einer Probe von Ende März registriert. Eine Person aus dem Kanton Solothurn, die über einen Schweizer Transitflughafen eingereist war, hatte sich demnach infiziert. Am 8. Juni meinte Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim Bundesamt für Gesundheit, zu den Medien, dass die Schweiz im internationalen Vergleich relativ gut dastehe. Wie im Ausland würden auch in der Schweiz die Fälle sinken. Sie gab jedoch auch zu bedenken, dass gerade Grossbritannien eine Ausnahme bilde – und zwar wegen der Delta-Variante. Um die Verbreitung von Varianten hierzulande generell zu vermeiden, sei es notwendig, dass sich weitere Bürger impfen liessen, mahnte die Expertin.

 

Und wieder die Schulen - Besonders schnelle Ausbreitung

Mittlerweile ist Delta mit 75 Prozent aller Neuinfektionen die dominante Corona-Variante in Grossbritannien. Besonders in Schulen breitet sich das Virus erneut schnell aus. Innerhalb von vier Wochen wurden fast 100 Ausbrüche in Primar- und Sekundarschulen festgestellt. Wie das Fachjournal «The British Medical Journal» in einem Bericht von Anfang Juni schreibt,  gibt es in England zudem «wachsende Sorgen», dass sich die Variante vor allem unter Schülern ausbreitet, da es mehrere schwere Ausbrüche an Schulen gab.

Die Tatsache, dass sich Schulen erneut als Treiber zeigen, wird die weiteren Entscheidungen und Schritte der Politik massgeblich beeinflussen..
Die Sieben-Tage-Inzidenz in Grossbritannien, die Anfang Mai bei weniger als 20 Fällen pro 100.000 Menschen lag, ist auf rund 39 geklettert. Laut den Gesundheitsbehörden liegt die Reproduktionszahl derzeit zwischen 1 und 1,2: Das heisst, dass die Fallzahlen wieder rasant steigen könnten.

 

Impfung womöglich weniger wirksam gegen die neue Variante

Vergangene Woche warnte die Gesundheitsbehörde Public Health England, dass die Delta-Mutante auch das Risiko der Hospitalisierung erhöht. „Obwohl nur wenige Patienten im Krankenhaus enden, sind es proportional doppelt so viele Delta- wie Alpha-Fälle“, sagte z.B. der Immunologe Adam Finn von der Universität Bristol.

Zudem gibt es Hinweise, dass die Covid-19-Impfungen gegen die neue Mutante weniger wirksam sein könnten: Einer Studie des Francis Crick Institute in London zufolge haben Menschen, denen die Biontech/Pfizer-Impfung verabreicht wurde, weniger Antikörper gegen die Delta-Variante als gegen jene Varianten, die bisher in Grossbritannien zirkulierten. Die auf mRNA-Technologie basierenden Corona-Impfstoffe scheinen dagegen nach Angaben der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) eine gute Wirksamkeit gegen die indische Variante des Coronavirus aufzuweisen. Es gebe "vielversprechende" Hinweise darauf, dass die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna in der Lage seien, diese Corona-Mutante zu "neutralisieren", sagte Marco Cavaleri von der EMA.

 

Einige Lockdown-Skeptiker vom rechten Rand der Tory-Partei bestehen trotzdem darauf, dass die Öffnungen wie geplant stattfinden. Es scheint, dass auch hier die "rechten" Kräfte trotz gemachter Erfahrungen in die falsche Richtung drängen.


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