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Du bist verwundbar und nicht Herr der Lage!

DMZ –  GESUNDHEIT / WISSEN ¦ Natalie Barth ¦       

KOMMENTAR

 

Ein Ereignis, dass Dir den Boden unter den Füssen wegreisst, Dich in Schock versetzt und Dir wieder aufzeigt, was wirklich wichtig im Leben ist. Das Dir zeigt: Du bist verwundbar und hast weniger unter Kontrolle als Du glaubst.

 

Manchmal regen wir uns so über Kleinigkeiten auf. Glauben dies und jenes bedrohe unsere Existenz. Und dann, wenn dieser Umstand tatsächlich eintritt, wissen wir sehr genau, dass es verdammt wenig gibt, dass unsere Existenz bedroht. Verdammt wenig.

 

Ich wage zu behaupten, dass die meisten in unseren Breitengraden gar nicht wissen, was die Existenz WIRKLICH bedroht, das LEBEN bedroht. 

 

Da ist oft so viel, was wir nicht wissen, was uns Angst macht, was uns den Atem raubt. Bis zu dem Punkt, an dem wir glauben, zu sterben, wenn dies tatsächlich eintritt. Und wir leben weiter. Wir leben weiter, aber anders als zuvor. Wir können gar nicht mehr so leben wie zuvor, weil dieses Ereignis uns so in die tiefste Zellebene erschüttert hat, dass wir nicht mehr derselbe Mensch sind wie vorher. 

 

Verwundbar und ohne Kontrolle

Was hat wirklich Bedeutung, wenn Menschen gehen, die Du liebst? Wenn Du Geschehenes nie wieder rückgängig machen kannst? Wenn Du etwas aufhalten möchtest, das nicht mehr aufzuhalten ist?

Manchmal leben wir so, als wären wir unverwundbar. Als wären der Tod und die Krankheit, der Verlust und der Abschied so weit weg und wir selbst hätten in der Hand, wann all das passiert. Mit uns oder mit unseren Lieben.

 

Wir sind verwundbar, wir sind verletzlich, wir sind nicht Herr der Lage, wir sind nicht die, die alles kontrollieren können. Auch wenn uns das von manchen Seiten – manchmal auch für viel Geld – recht schmackhaft eingeredet wird. Dieser Traum ist auch zu schön, WIR wären in jedem Moment des Lebens Herr der Lage, könnten alles kontrollieren und alles erreichen.

 

Die Akzeptanz dessen, dass wir es nicht sind und dass uns Dinge passieren, auf die wir lediglich reagieren können und müssen, bringt oft genau diesen Frieden in sich selbst hervor, den die meisten Menschen jahrelang suchen. Und dann sogar irgendwann glauben, ihn endlich gefunden zu haben. Immer durch Dinge im Aussen: Methoden, Geld, Weisheiten, Gurus, Wahrheiten, Götter.

 

Die Wunde akzeptieren

Ja, es tut weh verwundbar zu sein. Situationen ausgeliefert zu sein, auf die wir keinerlei Einfluss haben. Zum Beispiel auf die Krankheit oder den Tod eines lieben Menschen. Auf die Entscheidung eines Menschen, einen Weg zu gehen, der Abschied bedeutet. 

 

Diese Wunde zu akzeptieren und Menschen und Dinge und Situationen nicht mehr kontrollieren zu wollen….für mich ist das Frieden, den mir bisher noch keiner da draussen geben konnte. Egal durch welche Lehre, Weisheit, Philosophie, Wahrheit oder was auch immer.

 

Weil wir glauben, alles kontrollieren und beeinflussen zu können, kämpfen wir manchmal Kämpfe, die nicht unsere sind. Kämpfe, die uns Kraft und Energie rauben, die wir woanders besser eingesetzt hätten. Kämpfe, die oftmals sinnlos sind. Kämpfe, die Beziehungen zerstören. 

 

Verwundbar aber glücklich

Es ist so einfach und doch so schwer: Akzeptieren und mit der Situation Frieden schliessen. Und dann wieder klar zu sehen und zu wissen, wo die Energie – diese begrenzte Energie, die wir leider nun mal haben – am besten einzusetzen ist. 

 

Wir glauben oft, Grenzen wären etwas schlechtes, Grenzen müssten überwunden werden, Grenzen machten uns unfrei. Wie unfrei wir in Wirklichkeit sind, wenn wir Grenzen NICHT respektieren, scheint uns erst dann bewusst zu werden, wenn wirklich nichts mehr geht. Wenn wir die Erfahrung der Begrenztheit tatsächlich gemacht haben und uns nichts mehr bleibt als zu Akzeptieren. Wenn wir diese Erfahrung noch nicht gemacht haben, wage ich zu bezweifeln, dass wir wirklich wissen, was Frieden bedeutet. Und vor allem Freiheit. 


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